Nur wer gar nichts tut, macht keine Fehler

Von Alenka Mladina 14. Mai 2014

„Ein Dutzend verlogener Komplimente ist leichter zu ertragen als ein einziger aufrichtiger Tadel“ sagte einst Mark Twain. Vielleicht wird das Thema „positive Fehlerkultur“ deshalb in deutschen Unternehmen noch sehr selten gelebt.

Unsere Personalberater treffen häufig auf Jobsuchende, die beim aktuellen Arbeitgeber statt in einer positiven Fehlerkultur eher in einer Angstkultur arbeiten. Aus Angst vor Sanktionen trauen sie sich nicht, Fehler zuzugeben oder versuchen sogar, Fehler zu vertuschen.

Interessanterweise teilen Manager diese Angst offenbar nicht. Drei von vier befragten HR-Managern in unserer Arbeitsmarktstudie haben im Job schon einmal die Verantwortung für einen Fehler übernommen, den sie nicht einmal begangen haben.

Dabei von einer erfolgreichen Fehlerkultur zu sprechen, wäre aber falsch. Denn in vielen deutschen Unternehmen mangelt es nach wie vor an ehrlichem und konstruktiven Umgang mit Fehlern. Als Folge werden Probleme nicht beseitigt, sondern im schlimmsten Fall wiederholt.

So entwickeln Sie eine Fehlerkultur

Ich behaupte mal, jeder von uns kann von eigenen Fehlern im Job berichten. Sie gehören ja zum Lernen dazu. Entscheidend ist, dass der Fehler erkannt und vor allem nicht wiederholt wird. Fehlende Motivation, Überlastung, mangelnde Kontrolle – die Liste möglicher Fehlerquellen ist lang. Die folgenden Schritte können Ihnen dabei helfen, in Ihrem Team eine funktionierende Fehlerkultur zu etablieren.  

1. Eine positive Fehlerkultur heißt, Fehler nicht zu vertuschen

Ihr oberstes Ziel muss sein, dass Fehler nicht vertuscht werden. Denn aus einem möglicherweise kleinen Fehler kann nach und nach ein großer wirtschaftlicher Schaden entstehen. Das Problem verschwindet dadurch nicht. Es ist nur immer schwerer zu erkennen und zu identifizieren. Schaffen Sie deshalb ein Arbeitsklima, in dem Vertrauen den Umgang beherrscht.

Vielleicht gehören Sie ja bereits zu den Managern, die wie in der oben genannten Studie, Fehler zugeben. Sogar dann, wenn Sie diese nicht selbst begangen haben? Damit haben Sie schon einen ersten wichtigen Schritt getan. Als Vorbild für Ihre Mitarbeiter nehmen Sie ihnen damit die Angst, Fehler einzugestehen.

2. Eine positive Fehlerkultur heißt auch Ursachenforschung

Ist Ihnen ein Fehler bekannt, gehen Sie auf Spurensuche. Zunächst sollten sie dafür das Gespräch mit dem verantwortlichen Mitarbeiter suchen. Aber Vorsicht: Gehen Sie unbedingt mit Fingerspitzengefühl vor und klagen Sie nicht an.

Fragen Sie vielmehr nach, wo der Mitarbeiter die Ursache für den Fehler sieht. War es Nachlässigkeit? Oder fehlte möglicherweise eine Kontrollinstanz? Dazu ist es wichtig, den Prozess Stück für Stück nachzuvollziehen. Vielleicht fallen Ihnen in den Abläufen noch weitere Fehlerquellen auf, die so erst gar nicht zum Problem werden können.

3. Eine positive Fehlerkultur reduziert Auswirkungen

Ist das Problem entdeckt, machen Sie sich daran, den Schaden zu begrenzen. War in einer Kundenpräsentation nur der Kaffee schlecht, hat das außer einer gewissen Peinlichkeit womöglich kaum Folgen.

Treten allerdings im Laufe eines Projektes oder eines neuen Prozesses eklatante Fehler auf, setzen diese sich weiter fort und gefährden möglicherweise den Gesamterfolg einer für das Unternehmen wichtigen strategischen Initiative.

4. Eine positive Fehlerkultur fördert die Mitarbeiterbindung

Wenn Sie an dieser Stelle angekommen sind, haben Sie schon viel geschafft. Der Fehler ist jedoch noch längst nicht behoben. Sorgen Sie also dafür, dass das Problem kein zweites Mal auftritt. Das kann durch ein klärendes Gespräch mit dem Mitarbeiter geschehen, in dem Sie ihm die Folgen klar machen.

Kommunizieren Sie deutlich, dass der Fehler kein zweites Mal passieren darf. Bieten Sie Ihre Unterstützung an. Verändern Sie Abläufe und bauen Sie, wenn nötig, zusätzliche Kontrollinstanzen ein. Handeln Sie schnell und halten Sie sich nicht mit Dingen auf, die nicht mehr zu ändern sind.

5. Eine positive Fehlerkultur braucht Vorbilder

Der eingangs erwähnte vertrauensvolle Umgang innerhalb Ihres Teams erfordert auch, dass Sie den Kopf hinhalten. Ist in Ihrer Verantwortung ein Fehler geschehen, müssen Sie dafür gerade stehen und sich schützend vor Ihre Mitarbeiter stellen.

Mit dieser Handlung schaffen Sie aber einen ganz wichtigen Punkt im Aufbau einer positiven Fehlerkultur:  Ihrer Vorbildfunktion. Nur wenn Sie selbst Fehler zugeben, werden Ihre Mitarbeiter Vertrauen aufbauen, ihre Fehler eingestehen und daraus lernen.

Was gehört für Sie noch zu einer positiven Fehlerkultur?

 

Bildquelle: @ olly - Fotolia.com

Das könnte Sie auch interessieren