Nichts wie raus! Wie Sie Vorstellungsgespräche elegant vorzeitig beenden

Von Alenka Mladina 21. Mai 2015

Durch manche Dinge im Leben muss man einfach durch, aber nicht durch jedes Vorstellungsgespräch. Etwa wenn im Gespräch plötzlich von einer anderen Stelle die Rede ist oder fiese Fragen gestellt werden. Bevor Sie jedoch das Vorstellungsgespräch vorzeitig beenden, können Sie die meisten Situationen noch retten und einen professionellen Eindruck hinterlassen.

So manche Frage im Vorstellungsgespräch ist für Sie als Bewerber nicht wirklich nachvollziehbar: Wie viele Smarties passen in einen Smart? Wie macht man hart gekochte Eier? Doch auf diese oder ähnliche Fragen sollten Sie nicht schnippisch reagieren und gleich das Vorstellungsgespräch beenden. Hier testet der Personaler vielmehr Ihre Kreativitäts- und Lösungsfähigkeit - oder Ihre Stressresistenz.

Statt also ein Vorstellungsgespräch vorzeitig zu beenden, setzen Sie lieber darauf, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Auch wenn sich diese Stelle nach dem Vorstellungsgespräch vielleicht nicht als Ihr Traumjob herausstellt, bietet sich möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt ein vielversprechender anderer Job in genau diesem Unternehmen.

Die richtige Reaktion ist meist nicht, das Vorstellungsgespräch vorzeitig zu beenden

Bewerber sind angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation keine Bittsteller. Sie sollten sich deshalb nicht unter Wert verkaufen. Vielmehr sollten Sie sich auf Augenhöhe mit dem Unternehmen bewegen und spüren, dass der potenzielle Arbeitgeber wirklich an Ihnen interessiert ist und Ihre Fähigkeiten schätzt.

Wenn Sie das als Bewerber nicht spüren, liegt es manchmal an Ihnen, das Gespräch in die richtige Richtung zu lenken. Typische Beispiele für Situationen, bei denen im Vorstellungsgespräch der Gedanke aufkommen könnte, es vorzeitig zu beenden: 

Die Stellenbeschreibung im Gespräch entspricht nicht der Anzeige

Abweichungen von der Stellenanzeige müssen für den Bewerber nicht immer von Nachteil sein: Manchmal wird kurzfristig eine Stelle mit größerer Verantwortung frei. Ihr Gesprächspartner sollte Sie zwar darüber informieren, dass es im Vergleich zur Stellenausschreibung Änderungen gibt. Meist steckt hinter einem Versäumnis auch keine böse Absicht.

Achten Sie deshalb darauf, dass im Vorstellungsgespräch auf jeden Fall über Ihre genauen Tätigkeiten und den Verantwortungsbereich gesprochen wird. Bei Abweichungen zur Stellenausschreibungen fragen Sie freundlich nach dem Grund dafür. Wenn der Gesprächspartner allerdings versucht, Ihnen eine für Sie komplett uninteressante und unpassende Stelle offensiv zu „verkaufen“, ist das ein legitimer Grund, das Vorstellungsgespräch vorzeitig zu beenden.  

Der Personaler ist nicht auf das Gespräch vorbereitet

Hier müssen Sie Fingerspitzengefühl beweisen. Sehr häufig nutzen Personaler zum Einstieg die Frage: “Können Sie uns Ihren Lebenslauf in wenigen Sätzen zusammenfassen?”. Das heißt nicht, dass der Personaler sich nicht vorbereitet hat. Fragt er Sie hingegen nach oberflächlichen Punkten aus Ihrem Lebenslauf und reagiert überrascht auf Ihre Antworten, hat er ihn scheinbar nicht gelesen.

Weiß er dann über die Stelle nicht wirklich Bescheid, und auch ihr künftiger Vorgesetzter ist nicht anwesend, um bei fachlichen Fragen einzuspringen, läuft das Vorstellungsgespräch vermutlich ins Leere. Hier macht es für Sie keinen Sinn, weiter nachzubohren. Bitten Sie freundlich um ein weiteres Gespräch, idealerweise mit dem künftigen Vorgesetzten, bei dem Ihre Fragen auch ausführlich beantwortet werden.  

Ihre Fragen zum Aufgabenbereich werden nur ausweichend beantwortet

Sie bekommen keine konkreten Auskünfte zu wichtigen Punkten wie Verantwortungsbereich, Reportingstrukturen, Überstundenregelungen oder Karriereperspektiven. Hierfür gibt es verschiedene Gründe: Eventuell ist Ihr Gegenüber noch unerfahren mit derartigen Gesprächen oder er hat einen schlechten Tag.

In den seltensten Fällen fallen solche Informationen mit Absicht unter den Tisch. Weisen Sie Ihren Gesprächspartner deshalb freundlich aber deutlich darauf hin, dass diese Informationen für Ihre Entscheidung sehr wichtig sind. Nur, wenn diese Nachfrage direkt abgewiesen wird, sollten Sie das Vorstellungsgespräch vorzeitig beenden.  

Das Unternehmen wirkt extrem schlecht strukturiert

Bereits am Empfang war man über Ihre Ankunft überrascht und das Vorstellungsgespräch beginnt erst mit deutlicher Verspätung. Als Sie endlich dran sind, widmet der Personaler Ihnen nur seine geteilte Aufmerksamkeit: Zwischendurch nimmt er Telefongespräch entgegen oder verlässt sogar den Raum. Dieses Verhalten zeigt nicht nur wenig Interesse für Sie, sondern offenbart auch große Organisationsschwächen.

Was ist hier los? Gute Frage. Wenn sich solche Anzeichen häufen, ist es durchaus in Ordnung, dass Sie Ihren Gesprächspartner höflich darauf ansprechen. Weiter unten lesen Sie, wie Sie in diesem Fall geschickt reagieren.  

Sie werden mit Ihrem Gesprächspartner nicht warm

Das ist keine optimale Situation. Bevor Sie deshalb das Vorstellungsgespräch vorzeitig beenden, sollten Sie sich fragen:

  1. Würden Sie mit dem Gesprächspartner überhaupt direkt zusammenarbeiten? Falls nicht, hat sich das Problem sowieso erledigt.
  2. Können Sie über die Differenzen hinwegsehen? Dass Sie mit einer Person nach Feierabend kein Bier trinken würden, heißt schließlich nicht, dass Sie nicht erfolgreich zusammenarbeiten können.
  3. Wie gut gefällt Ihnen der Job und was sind Sie bereit, dafür in Kauf zu nehmen? Manche Tätigkeiten sind so erfüllend, dass sie ein paar Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich Wert sind. Oft werden Menschen viel sympathischer, wenn man sich besser kennengelernt hat.

Weil Sie Ihren Gesprächspartner höchstens seit einer Stunde oder zwei kennen, ist es gewagt daraus abzuleiten, wie er sich im Berufsalltag verhält. Wenn Ihnen der Job gefällt, können Sie immer noch die Probezeit nutzen und prüfen, wie es funktioniert. Deshalb ist das kein Grund, das Vorstellungsgespräch vorzeitig zu beenden.

Wie Sie ein Vorstellungsgespräch vorzeitig professionell beenden

Die klare Empfehlung lautet: Versuchen Sie, das Gespräch zu Ende zu führen. Nur in Ausnahmefällen sollten Sie das Vorstellungsgespräch von sich aus vorzeitig beenden - und zwar professionell.

Andernfalls legen Sie sich möglicherweise selbst Steine in den Weg, sei es weil Ihr Gesprächspartner zum Unternehmen gewechselt hat, bei dem Sie sich zu einem späteren Zeitpunkt bewerben, oder wenn Sie sich beim selben Arbeitgeber erneut bewerben. Folgende Formulierungen können Sie nutzen, um das Gespräch entweder noch in Ihre Richtung zu lenken oder es geschickt dem Personaler zu überlassen, das Vorstellungsgespräch selbst vorzeitig zu beenden:

Wenn der Personaler wichtige Fragen nicht beantworten kann:

„Vielen Dank für Ihre Ausführungen. Leider habe ich noch keine klare Vorstellung von meiner Position. Wäre es möglich, meinen potenziellen Vorgesetzten zum Gespräch hinzuzuziehen. Ich denke, das würde mir ungemein helfen, herauszufinden, ob wir zusammen passen. Wir können dafür auch gerne einen weiteren Gesprächstermin vereinbaren.“

Wenn die Stelle nicht Ihren Vorstellungen entspricht oder stark von der Anzeige abweicht:

„Vielen Dank für Ihre Erläuterungen zur Stelle. Ich bin auf der Suche nach einem Job, der sich auf ABC konzentriert. So wie ich es verstanden habe, suchen Sie allerdings jemanden, der sich hauptsächlich mit XYZ beschäftigt. Liege ich damit richtig? In diesem Fall denke ich, dass wir nicht zusammenfinden werden. Ich bedanke mich für Ihre Zeit und wünsche noch viel Erfolg bei der weiteren Suche.“

Wenn sich der Personaler mit anderen Dingen beschäftigt:

„Ich sehe, Sie haben sehr viel zu tun. Vielleicht ist es ein ungünstiger Zeitpunkt und wir sollten einen anderen Termin vereinbaren.“ Das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl und der Personaler sollte Ihnen spätestens jetzt seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmen. Andernfalls: Wiederholen Sie den Vorschlag. Ob Sie ihm dann tatsächlich noch eine Chance geben, können Sie später in Ruhe abwägen.

Wenn man auf unerwartete Widerstände stößt, wächst der Drang, ein Vorstellungsgespräch vorzeitig zu beenden. Stellen Sie sich besser darauf ein, dass nicht immer alles nach Plan läuft und überlegen Sie sich Bewältigungsstrategien. Für Sie ist es allemal besser, auch ein schlechtes Vorstellungsgespräch professionell durchzuhalten und einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Nach dem Vorstellungsgespräch können Sie dann in Ruhe überlegen, ob Sie das Jobangebot annehmen oder sich weiter auf die Suche nach passenden Jobs machen.

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Bildquelle: © Arpad Nagy-Bagoly - Fotolia.com

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