Neuer Chef – neue Karrierechancen

Von Alenka Mladina on 12. Juli 2019

Wenn Sie nach einem Chefwechsel mit einem neuen Vorgesetzten zusammen arbeiten müssen, ist im Job vor allem eines gefragt: Flexibilität und Veränderungsbereitschaft. Neue Besen kehren anders – das muss aber nicht schlecht sein. Sehen Sie den Chefwechsel als Chance für Ihre Karriere, die Sie aktiv nutzen können.

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Mein neuer Chef: Freund oder Feind?  

Ein neuer Chef kann wie eine Offenbarung sein. Er schneidet alte Zöpfe ab, stärkt die Moral und Motivation im Team und sorgt für bessere Ergebnisse. Im Idealfall.

Allerdings ist auch das Gegenteil möglich. Anstatt frischen Wind mitzubringen, kann ein neuer Vorgesetzter auch eine Art Schreckensherrschaft errichten, völlig planlos sein und sich vor seiner Verantwortung drücken.

Das sind natürlich zwei extreme Beispiele. Welches Szenario – sei es in den geschilderten Formen oder in einer völlig anderen – tatsächlich eintritt, zeigt sich erst nach einiger Zeit. Was aber von Anfang an klar ist: Nicht nur der neue Chef muss sich eingewöhnen. Auch seine Mitarbeiter müssen sehen, woran sie mit ihm sind.

Oft werden die Karten in der Abteilung oder dem gesamten Unternehmen in vielerlei Hinsicht neu gemischt. Lieblinge des Vorgängers im Chefsessel fallen in Ungnade, bisherige Underdogs steigen auf, von langer Hand geplante Karrieren nehmen einen unerwarteten Verlauf. Im Guten wie im Bösen.

Natürlich kann auch alles seinen gewohnten Gang gehen, dennoch werden sich zum Amtsantritt einer Führungskraft etliche Untergebene fragen: Neuer Chef – was nun? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Das Beste daraus machen und Chancen nutzen!

7 Tipps für die “zweite” Bewerbung

Auf jeden Fall gibt es keinen Grund, sofort Trübsal zu blasen. Im Gegenteil: Ein neuer Chef steht für neue Chancen! Das ist für Sie wie eine zweite Bewerbung. Die gilt es, zu nutzen. Das tun Sie, wenn Sie die Zusammenarbeit mit Ihrer neuen Führungskraft erfolgreich umsetzen. Zum Beispiel so:

  1. Lassen Sie sich auf den Führungs- und Arbeitsstil Ihres neuen Chefs ein. Lehnen Sie nicht alles Neue von vornherein ab. Vermeiden Sie Aussagen wie „Das haben wir immer schon so gemacht“.
  2. Haben Sie eine Frage an den neuen Chef? Dann suchen Sie das Gespräch mit ihm und klären Sie Ihre jeweiligen Erwartungen ab. So erfahren Sie beispielsweise, woran er Ihre Leistungen misst.
  3. Zeigen Sie, dass Sie ein aktiver Mitarbeiter mit Eigeninitiative sind und beweisen Sie, dass Sie als Leistungsträger wertvolle Arbeit für ihn und das Unternehmen erbringen. Informieren Sie Ihren Vorgesetzten regelmäßig über Ihre Arbeitsfortschritte.
  4. Lassen Sie Ihren Chef an Ihrem „Insiderwissen“ und Ihrer Erfahrung mit den Besonderheiten der Unternehmenskultur teilhaben. Unterstützen Sie ihn auch mit firmenspezifischen Informationen bei der Einarbeitung.
  5. Nehmen Sie Feedback von Ihrem Vorgesetzten offen an. Argumentieren Sie im Fall von Kritik sachlich.
  6. Bauen Sie aktiv eine Beziehung zu Ihrem neuen Chef auf. Sorgen Sie dafür, dass er den Eindruck von Ihnen bekommt, den Sie ihm gerne vermitteln möchten.
  7. Messen Sie dem Verhältnis zu Ihrem neuen Vorgesetzten hohen Stellenwert bei. Wie eine unserer Befragungen zeigte, ist die Beziehung zum neuen Vorgesetzten oder Team für jeden Fünften in Deutschland der wichtigste Entscheidungspunkt, wenn es darum geht, zwischen zwei gleichwertigen Jobangeboten zu wählen.

Genau beobachten, ruhig abwarten, besonnen handeln

Die genannten Hinweise sind grundsätzlich erfolgversprechend, allerdings idealtypisch. Das heißt: Die Praxis kann anders aussehen. Das hängt von Ihrem neuen Chef ab, aber auch von Ihnen.

So mag nicht jeder Tipp zu Ihrem Naturell passen. Oder der frischgebackene Vorgesetzte reagiert darauf unerwartet. Verstehen Sie die Hinweise deshalb als allgemeine Navigationshilfe, mit der Sie Ihren eigenen Weg finden. Beachten Sie deshalb auch Folgendes:

  • Verstellen Sie sich gegenüber Ihrem neuen Chef nicht. Es hat keinen Sinn, eine Rolle zu spielen, die Sie auf lange Sicht nicht durchhalten.
  • Warten Sie auf den richtigen Moment, um sich ins Spiel zu bringen. Beobachten Sie, wie sich die Situation entwickelt, bevor Sie ungestüm ein Kennenlerngespräch mit Ihrem neuen Chef vereinbaren. Analysieren Sie, wie er auf die Avancen vorpreschender Kollegen reagiert.
  • Bereiten Sie sich gut auf das erste Treffen vor. Sammeln und notieren Sie die Themen, die Sie interessieren. Gehen Sie alles vorher im Geiste durch und rechnen Sie auch mit typischen Bewerbungsfragen. Schließlich will “der Neue” auch wissen, wer in seinem Team wie arbeitet.
  • Fallen Sie Ihrem neuen Vorgesetzten nicht ins Wort. Hören Sie sich ruhig und fokussiert an, was er sagt. Sollten Sie bestimmte Ziele mit ihm vereinbaren, dann schreiben Sie sie auf.
  • Seien Sie freundlich, ohne ins Joviale abzudriften. Versuchen Sie, gleichzeitig echt und neutral zu wirken. Schließlich wissen Sie nicht, was andere Kollegen Ihrem neuen Chef über Sie schon erzählt haben. Lassen Sie ihn einen eigenen Eindruck von Ihrer Persönlichkeit gewinnen.
  • Am besten verstehen Sie die ersten Kontaktaufnahmen als eine neuerliche Bewerbung. Denn letztlich geht es genau darum: Sie wollen zeigen, was in Ihnen steckt.
  • Halten Sie sich etwas Zeit nach dem Termin frei, um sich selbst nicht unter Druck zu setzen.

 

Wenn Sie sich selbst treu bleiben, ein offenes Ohr für Ihren neuen Chef haben und sich auf ihn einstellen, kann Ihre Karriere einen regelrechten Schub erfahren. Bringen Sie sich also klug in Stellung und nutzen Sie Gelegenheiten, sobald sie sich bieten.

Aller Mühe zum Trotz kann ein neuer Chef Ihre berufliche Laufbahn auch in eine unerwünschte Richtung steuern oder sich als Bremsklotz für Ihr Fortkommen erweisen. Dann sollten Sie darüber nachdenken, sich anderweitig zu orientieren.

Machen Sie einen ersten Schritt, und schauen Sie sich mit unserer Online-Jobsuche nach offenen Stellen um.

 

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