Nach dem Vorstellungsgespräch: Nachfragen oder nicht?

Von Alenka Mladina 23. April 2018

Das Vorstellungsgespräch ist gut gelaufen: Sie haben sich von Ihrer besten Seite gezeigt, mit Fachwissen überzeugt und sich gut mit dem Personaler unterhalten. Aber dann hören Sie nichts mehr. Ist Nachfragen nach dem Vorstellungsgespräch jetzt hilfreich? Und wie gehen Sie dabei am besten vor?

In diesem Artikel erwartet Sie: 

  • Nach dem Vorstellungsgespräch nachfragen: ja oder nein?
  • Im Gedächtnis bleiben: Die Dankesmail
  • Wie lange warten nach dem Vorstellungsgespräch?
  • Telefonisch statt per E-Mail nachhaken
  • Nach dem Bewerbungsgespräch nachfragen: Die No-Gos

Nach dem Vorstellungsgespräch nachfragen: ja oder nein?

Die Zeit nach einem Bewerbungsgespräch kann die Nerven ziemlich belasten: Immer wieder checken Bewerber ihr E-Mail-Postfach, das Handy ist immer griffbereit, um ja keine Nachricht vom Wunsch-Arbeitgeber zu verpassen. Eine Möglichkeit ist es natürlich, selbst aktiv zu werden und nachzufragen. Aber ist das wirklich sinnvoll?

Einerseits hätten Sie gern bald eine Antwort, andererseits wollen Sie aber auch nicht aufdringlich oder gar verzweifelt wirken – ein Dilemma. Möglicherweise haben Sie auch Zeitdruck durch Ihre Kündigungsfrist oder inzwischen ein Angebot eines anderen Arbeitgebers erhalten.

Wenn Sie nach einem Vorstellungsgespräch nachfragen, sollte das immer wohlüberlegt geschehen. Ein interessanter Mittelweg: Sie bedanken sich bei Ihren Gesprächspartnern.

Im Gedächtnis bleiben: Die Dankesmail

Eine elegante Variante, um im Gedächtnis zu bleiben, ist ein kurzes Dankesschreiben am Tag nach dem Bewerbungsgespräch. Darin sollten Sie:

  • erklären, was Ihnen gefallen hat
  • es Ihren Wunsch bestärkt hat, für das Unternehmen zu arbeiten
  • sich für die Zeit der Gesprächspartner und die interessanten Einblicke in die Firma bedanken
  • Falls es sich anbietet (und nur dann), knüpfen Sie an einen Aspekt des Gesprächs an: Vielleicht haben Sie von einem ungewöhnlichen Projekt erzählt und schicken nun einen Artikel darüber mit.

Wenden Sie sich mit dem Dank direkt an Ihre Gesprächspartner und nicht an eine allgemeine Adresse. Eine solche Nachricht wirkt unaufdringlich und höflich. Gleichzeitig rufen Sie sich aber noch einmal in Erinnerung und lassen das Unternehmen wissen, woran es bei Ihnen ist.

Nicht immer kann ein Personalentscheider direkt einschätzen, ob ein Bewerber ernsthaftes Interesse hat. Das können Sie so betonen. Allerdings nicht zu spät: Mehr als zwei Tage sollten Sie nach dem Gespräch nicht verstreichen lassen.

Wie lange warten nach dem Vorstellungsgespräch?

Hat Ihr Gesprächspartner eine Frist genannt, zu der er sich mit einer Entscheidung melden möchte? Dann sollten Sie nicht vorher anrufen und nachhaken.

Und auch wer direkt am Stichtag Morgens um 8 Uhr telefonisch auf der Matte steht, riskiert, als Nervensäge wahrgenommen zu werden. Schließlich können unvorhergesehene Aufgaben oder ein Krankheitsfall schnell für einen Engpass in der Personalabteilung sorgen. Übermotivierte Bewerber bedeuten für Personaler dann nur zusätzlichen Stress.

Warten Sie also ein paar Tage über die Frist hinaus ab, bevor Sie nach dem Vorstellungsgespräch nachfragen. Empfehlenswert ist ein Puffer von drei Tagen. Es wurde keine Frist vereinbart? Dann können Sie sich nach etwa zehn Tagen melden und nach einem Zwischenstand fragen.

Telefonisch statt per E-Mail nachhaken

Um ein Feedback nach dem Vorstellungsgespräch sollten Sie lieber nicht per E-Mail, sondern telefonisch bitten. Im mündlichen Gespräch können Sie besser steuern, wie Ihre Frage beim Gegenüber ankommt. Schriftlich können manche Formulierungen schnell vorwurfsvoll oder zu offensiv wirken. Außerdem erhalten Sie am Telefon direkt eine Antwort und müssen nicht auf eine Mail warten.

Ein weiterer Vorteil: Sie können die Reaktion Ihres Gesprächspartners besser einschätzen. Antwortet er ausweichend oder wirkt er erfreut, von Ihnen zu hören? Daran können Sie einiges über Ihre Chancen auf die Stelle ablesen. Wenden Sie sich mit der Nachfrage am besten an die Person, mit der Sie bisher am meisten zu tun hatten, in den meisten Fällen also an den Personaler oder – je nach Unternehmensgröße – auch an den Geschäftsführer direkt.

Nach dem Bewerbungsgespräch nachfragen: Die No-Gos

Auch wenn jeder Personaler weiß, wie sehr Sie auf eine rasche Antwort hoffen - manchmal dauern die internen Entscheidungsprozesse einfach länger. Dafür sollten Sie Verständnis zeigen und beim Nachfassen immer freundlich bleiben:

  • Verzichten Sie auf Vorwürfe im Stil von „Sie wollten sich doch schon vor drei Tagen melden“.
  • Machen Sie dem Gegenüber keinen Druck: "Ich erwarte sofort eine Entscheidung".
  • Setzen Sie auf gar keinen Fall ein Ultimatum: Wenn ich bis Ende der Woche nichts höre, ziehe ich meine Bewerbung zurück".
  • Drohen Sie nicht mit einem anderen Angebot. Ihr Gesprächspartner könnte daraufhin Ihr Interesse an der Position bezweifeln. Besonders ärgerlich ist das, wenn Sie nur geblufft haben und es gar kein solches Angebot gibt. Dann haben Sie sich möglicherweise ohne Plan B ins Aus befördert.

Stattdessen gilt: Nutzen Sie das Gespräch, um noch einmal Ihr Interesse an dem Job zu bekunden. Fragen Sie höflich nach, bis wann Sie mit einer Antwort rechnen können. Und falls Sie tatsächlich kurz vor der Kündigungsfrist stehen: Weisen Sie dezent darauf hin. Falls Sie der Wunschkandidat sind, kann das für ein schnelleres Feedback nach dem Vorstellungsgespräch sorgen.

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