Mit diesen Tipps misslingt Ihr Vorstellungsgespräch garantiert

Von Christina Holl 19. Februar 2015

Guter Rat ist manchmal teuer - und schlechter kann Sie die Chancen auf einen Job kosten: Manche Tipps fürs Vorstellungsgespräch sind zwar gut gemeint, aber nicht wirklich hilfreich. Welche Ratschläge Sie besser ausschlagen, wenn Sie im Bewerbungsgespräch brillieren möchten, lesen Sie hier.

Damit Sie im Bewerbungsgespräch überzeugen, sollten Sie sich gut vorbereiten. Weil man im Büro nicht über seine Veränderungspläne sprechen kann, sind Freunde und Bekannte oft eine gute Quelle für wertvolle Ratschläge. Unsere Karriere-Tipps helfen Ihnen dabei, mit kritischen Fragen souverän umzugehen. Unsere vier Tipps zeigen aber, dass Sie nicht jeden Rat in die Tat umsetzen sollten. Die folgenden Empfehlungen haben bei mir zumindest zu einem kritischen Stirnrunzeln geführt.

Vermeintlich guter Tipp 1: Sprechen Sie Ihr Gegenüber immer mit seinem Namen an

 Über diese Empfehlung bin ich auf diversen Ratgeberblogs gestolpert. Die Idee dahinter: Die direkte Ansprache im Vorstellungsgespräch verleiht dem Gespräch eine persönliche Note. Ich würde mir die persönliche Note hingegen eher in den Inhalten wünschen. Zum Beispiel, indem Sie darüber sprechen, was Ihnen an Ihrem neuen Arbeitsplatz wichtig ist, und nachfragen, worauf Ihr potenzieller Arbeitgeber fachlich und persönlich besonderen Wert legt.

Meiner Meinung nach können Sie den Namen Ihres Gegenübers einsetzen, wenn Sie sich an einer wichtigen Stelle seiner Aufmerksamkeit versichern wollen und auch bei der Begrüßung oder Verabschiedung. Verwenden Sie dieses Mittel im Bewerbungsgespräch nur gezielt und sehr sparsam. Sonst verliert es seine Kraft oder wirkt sogar albern.

Vermeintlich guter Tipp 2: Halten Sie immer Blickkontakt

Dem menschlichen Auge wird allerhand nachgesagt. Manche wollen in ihm gar den Spiegel der Seele erkennen. Soweit würde ich nicht gehen. Doch unbestritten nimmt der Blick in der menschlichen Kommunikation eine zentrale Rolle ein. Ob wir einen Gesprächspartner ansehen oder der Blick zum Fenster hinaus schweift, zeigt, ob wir seine Ausführungen interessant finden oder nicht. Einer der häufigsten Tipps fürs Vorstellungsgespräch ist: Halten Sie Blickkontakt. An sich kein schlechter Rat. Sie sollten ihn nur nicht zu wörtlich nehmen. Denn wo vermiedener Augenkontakt Desinteresse oder Scheu demonstriert, wird ständiger Blickkontakt leicht zum Starren und als unangenehm empfunden.

Ebenfalls kann es schwierig sein, wenn das Vorstellungsgespräch mit mehreren Interviewpartnern geführt wird und Sie versuchen, jedem seinen gerechten Anteil an Blickkontakt zukommen zu lassen. Das kann zu einer hektischen Gesichtsmuskelübung verkommen, die alles andere als natürlich wirkt. Stattdessen empfehle ich: Sehen Sie bei Ihren Antworten die einzelnen Gesprächsteilnehmer kurz an - aber konzentrieren Sie sich auf denjenigen, der Ihnen eine Frage gestellt hat.

Vermeintlich guter Tipp 3: Imitieren Sie die Körperhaltung Ihres Gegenübers (Die Spiegeltechnik)

Es ist eine der häufigsten Empfehlungen in der Ratgeberliteratur zur Gesprächsführung: Kopieren Sie im Bewerbungsgespräch die Körperhaltung Ihres Gegenübers: Wenn er die Arme verschränkt, tun sie es auch. Schlägt er die Beine übereinander, folgen Sie seinem Beispiel. Diese Theorie basiert auf den Studien des niederländischen Sozialpsychologen Rick van Baaren. Er soll herausgefunden haben, dass sowohl Affen als auch Menschen Gesten und Bewegungen ihres Gegenübers imitieren – sofern sie ihn sympathisch finden.

Die Idee hinter der Spiegeltechnik lautet: Sie drehen den Effekt um. Wenn Sie die Bewegungen Ihres Gesprächspartners im Vorstellungsgespräch imitieren, wird er Sie sympathisch finden und Vertrauen zu Ihnen fassen. Sie haben die Problematik vielleicht schon erkannt: Diese Methode kann nur funktionieren, wenn man Ihnen nicht anmerkt, was Sie machen. Andernfalls wirken Sie entweder berechnend oder – im schlimmeren Fall – als ob Sie Ihren Gesprächspartner nachäffen.

Dieser Tipp ist also eher etwas für Menschen mit einem sehr guten Gefühl für ihren Körper und die Atmosphäre. Üben Sie am besten einfach mal zu Hause mit einem Freund oder Familienmitglied. Dann werden Sie schnell herausfinden, ob Sie sich mit dieser Technik anfreunden können.

Vermeintlich guter Tipp 4: Lehnen Sie das erste Angebot immer ab

Früher oder später kommt im Bewerbungsverfahren die Gehaltsfrage auf den Tisch. Vielleicht nicht gleich im ersten Vorstellungsgespräch, aber bevor Sie einen Vertrag unterzeichnen, muss das Einkommen verhandelt werden. Auch hierzu gibt es eine Palette an mal mehr, mal weniger erfolgsversprechenden Empfehlungen. Eine weniger empfehlenswerte lautet: Lehnen Sie das erste Angebot immer ab. Wozu es führen kann, wenn Sie diesen Ratschlag allzu wörtlich nehmen, haben unsere amerikanischen Kollegen in einem humorvollen Video  mit einem Augenzwinkern dargestellt.

 

Ich würde Ihnen natürlich nicht raten, das erste Angebot in jedem Fall auszuschlagen. Stattdessen empfehle ich Ihnen, Ihren eigenen Marktwert in Erfahrung zu bringen. Denn in der Regel ist es so, dass das Unternehmen Sie danach fragt, wie viel Sie verdienen möchten. Und dieser Frage können Sie schlecht mit Schweigen begegnen. Legen Sie am besten eine Gehaltsspanne fest. Dann haben Sie Verhandlungsspielraum. Vergleichswerte, an denen Sie sich orientieren können, finden Sie in der Gehaltsübersicht von Robert Half.

Sie sehen: Manch gut gemeinter Rat kann Ihnen ein Bein stellen. Anstatt sich an starre Regeln zu halten, sollten Sie meiner Meinung nach eine Sache in jedem Vorstellungsgespräch beachten: Bleiben Sie authentisch. Nur so finden Sie einen Job und ein Unternehmen, das zu Ihnen passt. Wer sich im Vorstellungsgespräch verstellt, landet womöglich in einer Umgebung, in der er sich nicht lange wohlfühlt.

Haben Sie im Vorstellungsgespräch auch schon einmal Ratschläge befolgt, die sich hinterher als verhängnisvoll herausgestellt haben? Oder haben Sie einen “todsicheren” Tipp für ein erfolgreiches Interview? Ich freue mich darauf, mit Ihnen über Ihre Erfahrungen zu diskutieren.

Bildquelle: © luismolinero - Fotolia.com

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