Langfristig glücklich mit Zeitarbeit: So funktioniert's

Von Alenka Mladina 24. Oktober 2017

„Zeitarbeit – warum nicht? Aber bitte nur als Sprungbrett für meine zukünftige Karriere!“, so die vorherrschende Meinung. Sebastian Behrends [Name von der Redaktion geändert] sieht das ganz anders. Seit zehn Jahren ist er als Zeitarbeiter bei Robert Half unter Vertrag.

Wir sprechen mit dem 52-Jährigen über die Chancen und Vorteile von Zeitarbeit. Uns erzählt der Schifffahrtskaufmann und staatlich geprüfte Betriebswirt, wie es sich anfühlt, nicht nur für einige Monate, sondern für viele Jahre auf Zeit zu arbeiten.

Herr Behrends, schön, dass Sie heute Zeit für ein Interview mit uns finden! Zehn Jahre sind Sie nun bereits schon bei Robert Half unter Vertrag. Wie sind Sie damals zur Zeitarbeit gekommen?

Im Mai 2007 habe ich den endgültigen Entschluss getroffen, in die Zeitarbeit einzusteigen. Das war die Vorkrisenzeit, vor dem Zusammenbruch der Lehman Brothers Bank. Zu dem Zeitpunkt war es für mich als Finanzbuchhalter schwierig, im Finance-Bereich eine Festanstellung zu finden. Da dachte ich mir: Warum nicht der Zeitarbeit einfach mal eine Chance geben? So bin ich bei Robert Half gelandet.

Sie konnten bestimmt schon einige Erfahrungen über die Jahre sammeln?

Arbeitserfahrung habe ich tatsächlich jede Menge. Mein Lebenslauf ist mittlerweile an die drei Seiten lang. Ich war in den vergangenen zehn Jahren schließlich bei zwölf verschiedenen Unternehmen im Einsatz. Da lernt man schon Einiges dazu. Und ich lerne nie aus, zum Beispiel im Umgang mit anderen Menschen am Arbeitsplatz. Denn durch meinen Job stelle ich mich immer wieder auf verschiedene Kollegentypen ein.

Aber auch mein Fachwissen erweitere ich ständig: Ich habe Fortbildungen besucht und kenne mich jetzt viel besser mit verschiedenen EDV-Systemen aus. In Schulungen habe ich verschiedene Finanzarchiv-Systeme kennengelernt. Meine theoretischen Kenntnisse, zum Beispiel in SAP, konnte ich gleich in den unterschiedlichen Jobs umsetzen. Das war spannend und macht sich gut im Lebenslauf. Deshalb ist es mir auch immer wieder gut gelungen, in Vorstellungsgesprächen zu überzeugen.

Würden Sie es anderen generell empfehlen, in Zeitarbeit zu arbeiten?

Ob langfristige Zeitarbeit für jemanden das Richtige ist, hängt immer von der persönlichen Lebens- und Arbeitssituation ab. Gerade für ältere Menschen, für die es sonst schwer ist, eine Stelle zu bekommen, ist die Zeitarbeit meiner Meinung nach eine gute Möglichkeit, im Job zu bleiben. Durch meine Qualifikationen gelingt es mir auch noch in meinem Alter gut, in der Finanzbranche zu arbeiten. Damit bietet mir Zeitarbeit eine echte Chance, die ich sonst bestimmt nicht hätte.

Was ist Zeitarbeit? Arbeiten in Zeitarbeit bedeutet, bei einem Personaldienstleister wie Robert Half fest angestellt zu sein. Dieser Personalvermittler setzt den Mitarbeiter zeitlich begrenzt bei einem Unternehmen ein. Das Unternehmen passt genau zu dem Mitarbeiter und seinen Bedürfnissen – zum Beispiel im Finanz- und Rechnungswesen, in der IT oder in Assistenz- und kaufmännischen Berufen.

Sehen Sie die Zeitarbeit auch nun, zehn Jahre später, noch als gute Alternative zur Festanstellung?

Der Vorteil von Zeitarbeit liegt darin, dass man sehr viele neue Unternehmen kennenlernt – neue Arbeitsweisen, neue Mitarbeiter, verschiedene Unternehmenskulturen. Für mich hat sich in den letzten Jahren außerdem gezeigt: Gegenüber einem regulären Job in der Wirtschaft ist man in der Zeitarbeit etwas besser behütet.

Was meinen Sie damit genau? Würden Sie sagen, dass Sie unter besonderem Schutz stehen?

Ja, auf eine gewisse Art und Weise ist das so. Ein Beispiel: Wenn mal etwas schiefläuft, wird man nicht sofort zum Chef zitiert. Natürlich leistet man genau die gleiche Arbeit wie die anderen Mitarbeiter. Da gibt es keinen Unterschied. Und natürlich müssen die Zahlen trotzdem stimmen. Aber wenn mir einmal ein kleiner Fehler unterläuft, muss ich nicht gleich Konsequenzen fürchten.

Denken Sie, das liegt daran, weil Sie häufig zwischen den Unternehmen wechseln?

Als Zeitarbeiter komme ich ja quasi von außen in das Unternehmen und bleibe nur für eine bestimmten Zeitraum. Das wissen auch die Chefs – und das hat mir in der Vergangenheit bestimmt schon öfter dabei geholfen, nicht ganz so hart beurteilt zu werden wie die anderen.

Wie lange waren Sie denn immer in den verschiedenen Unternehmen angestellt?

Bei meinem ersten Zeitarbeitsunternehmen war ich 22 Monate am Stück beschäftigt. All meine Beschäftigungen danach waren kürzer. Manchmal war ich sogar nur ein paar Tage in einem Unternehmen – das war dann aber auch besser so.

Das klingt interessant. Möchten Sie mir mehr darüber erzählen?

Bei einem Unternehmen hatte ich das Gefühl, ich wäre wieder in den 50er Jahren gelandet – was vor allem daran gelegen hat, dass die Mitarbeiter im Büro geraucht haben. Dementsprechend vergilbt und verqualmt waren die Büroräume. Und das im Jahr 2011 – unglaublich. Da war ich wirklich froh, flexibel in ein anderes Unternehmen wechseln zu können.

Überwiegen für Sie die Vor- oder die Nachteile von Zeitarbeit?

Ganz klar die Vorteile: Abgesehen von der Flexibilität ist es natürlich toll, dass ich durch die Zeitarbeit finanziell unabhängig bin. Aber der größte Vorteil für mich ist, dass ich im Training bleibe. Ich lerne weiterhin Neues und komme einfach nicht aus der Übung. Zeitarbeit als langfristiges Jobmodell – Sebastian Behrends ist überzeugt.

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