Kündigen ohne neuen Job: Eine Lösung mit Risiken

Von Alenka Mladina 14. November 2018

Sie brauchen nur an Arbeit zu denken, schon macht sich ein ungutes Gefühl in der Magengegend breit. Der Weg ins Büro – ein sich täglich wiederholender Gang nach Canossa. Am liebsten würden Sie auf der Stelle kündigen. Ohne neuen Job in der Tasche unmöglich, denken Sie. Falsch! Wir verraten Ihnen, welche Gründe dafür sprechen, zu kündigen ohne bereits bestehenden, neuen Arbeitsvertrag – und wie es danach weitergeht.

„Should I stay or should I go?“ – gründlich abwägen

Gehen oder bleiben? Diese Frage stellten sich nicht nur die britischen Punkrocker von „The Clash“ Anfang der Achtziger. Tausenden von Arbeitnehmern geht es nicht anders, wenn sie über ihren aktuellen Job nachdenken. Manch einer würde lieber heute als morgen alles hinwerfen. 

Doch kündigen ohne neuen Job? Viele zögern vor diesem Schritt, schließlich droht eine erklärungsbedürftige Lücke im Lebenslauf. Zudem verlieren Mitarbeiter bei eigener Kündigung in der Regel den Anspruch auf Arbeitslosengeld. Und das sind nicht die einzigen Konsequenzen, die auf Sie zukommen können, wenn Sie selbst kündigen, ohne einen neuen Job zu haben. Auch die Verhandlungsposition bei einem neuen Jobangebot ist meist schwächer. 

Es ist also ohne Frage riskant, einen sicheren Job zu kündigen, ohne einen neuen Job in der Hinterhand zu haben. Impulsivität ist hier fehl am Platz. Es kann aber durchaus Gründe geben, die dafür sprechen, dem aktuellen Arbeitgeber schnellstmöglich den Rücken zu kehren. Wichtig dabei: Wägen Sie das Für und Wider dieses Schritts gründlich ab.

Gute Gründe für eine Kündigung ohne neuen Job

If I go there will be trouble, and if I stay it will be double.“ Fühlen Sie sich bei dieser Feststellung aus dem The-Clash-Song irgendwie an Ihre Situation im Job erinnert? Dann liegt möglicherweise ein guter Grund vor, der eine möglichst schnelle Trennung von Ihrem Arbeitgeber nahelegt – auch ohne die Sicherheit eines neuen Jobangebots.

Sehen Sie genau hin: Woran liegt es, dass Sie sich mit Ihrer Arbeit so unwohl fühlen? Was passiert, wenn Sie sich dem weiter aussetzen? Und ganz wichtig: Ist eine Veränderung zum Positiven absehbar? 

Auch wenn Sie kein neues Jobangebot vorliegen haben, ist eine Kündigung in folgenden Fällen völlig legitim:

  • Sie gefährden Ihre Gesundheit:
    Gesundheit muss immer an erster Stelle stehen! Oft sind wir so im Stress, dass wir das erst dann merken, wenn wir krank sind. Dementsprechend achtsam sollten wir mit uns umgehen – und im Zweifel kündigen. „Mein Job macht mich krank“, dieser Gedanke ist ein Warnsignal, das Sie ernst nehmen sollten, und zwar frühzeitig. Damit sind nicht nur körperliche Beschwerden gemeint. Steuern Sie beispielsweise auf ein Burnout zu, ist eine Kündigung ohne neuen Job nicht nur eine Notlösung, sondern oft die beste Entscheidung. So können Sie sich zunächst voll und ganz darauf konzentrieren, wieder gesund zu werden. Und dann mit neuer Kraft wieder durchstarten. Aufgrund der aktuellen Arbeitsmarktsituation speziell im Fachkräftebereich dürfte es nicht lange dauern, bis Sie einen neuen Job gefunden haben.
     
  • Sie werden ausgenutzt:
    Unbezahlte Überstunden werden zur Regel. Personelle Verstärkung oder ein Abebben der Arbeitslast sind nicht in Sicht. Ihre Bitte um Ausgleich stößt auf taube Ohren oder Sie werden immer wieder vertröstet. In dieser Situation kann Kündigen eine gute Option sein. Denn nebenbei noch Zeit für die Jobsuche aufzubringen, ist so kaum möglich.
     
  • Ihre Sicherheit ist in Gefahr:
    Sicherheit geht vor. Sie haben zwar einen sicheren Job, aber Ihr Arbeitsalltag ist alles andere als sicher? Wenn Sie die Gefahr von Unfällen oder Gesundheitsrisiken sehen, kann eine sofortige Kündigung sinnvoll sein. Das gilt vor allem, wenn Ihr Arbeitgeber nicht gewillt ist, die Risiken abzustellen. Den zuständigen Aufsichtsbehörden können Sie solche Missstände melden.
     
  • Sie sind dauerhaft unglücklich in Ihrem Job:
    Jeder hat mal einen schlechten Tag bei der Arbeit. Wenn dieser Zustand allerdings länger anhält, zum Beispiel weil Sie von den Kollegen gemobbt werden, sollten Sie lieber heute als morgen kündigen. Gleiches gilt, wenn Sie Ihre Aufgaben so sehr verabscheuen, dass Sie das Gefühl haben, Ihre Arbeit saugt Ihnen sämtliche Lebensenergie aus den Adern. Beachten Sie: Passiert dies, wird es immer schwerer, noch Energie für die Suche nach einer neuen Stelle aufzubringen.

Die Kehrseite: Diese Konsequenzen sollten Sie einplanen

Eine längere Phase der Arbeitslosigkeit ist nicht das einzige Risiko, dass Sie eingehen, wenn Sie kündigen, ohne einen neuen Job zu haben. Hinzu kommen:

  • Finanzielle Konsequenzen:
    Wenn Sie selbst kündigen, wird Arbeitslosengeld in der Regel erst drei Monate nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausgezahlt. Sie müssen diese Zeit ohne Einkommen überbrücken können. Zudem sinkt die maximale Bezugsdauer üblicherweise um ein Viertel. Sie erhalten dann höchstens neun Monate lang Arbeitslosgeld I, nicht ein ganzes Jahr lang.
    Es gibt Fälle, in denen die Sperre beim Arbeitslosengeld wegfällt – auch wenn Sie selbst kündigen. Zum Beispiel, wenn Sie nachweisen können, dass Ihr Job Sie krank macht.
     
  • Reaktionen Ihres Umfelds:
    Eine Kündigung ohne neuen Job gilt vielen immer noch als No-Go. Stellen Sie sich darauf ein, dass Familie und Freunde mitunter kein Verständnis für Ihre Entscheidung aufbringen und Sie möglicherweise heftig kritisieren werden.
     
  • Erklärungsbedarf bei Bewerbungen:
    Zwar sind Lücken im Lebenslauf heute für viele Personaler kein Ausschlusskriterium mehr. Dennoch werden Sie Ihre Kündigung potenziellen neuen Arbeitgebern im Vorstellungsgespräch nachvollziehbar erklären müssen. Dafür sollten Sie eine überzeugende Begründung parat haben und ehrlich bleiben.
     
  • Schlechtere Verhandlungsposition beim neuen Arbeitgeber:
    Wer sich aus der Arbeitslosigkeit bewirbt, hat bei potenziellen neuen Arbeitgebern manchmal schlechtere Karten, vor allem bei Gehaltsverhandlungen. 

Nach der Kündigung: Die richtige Einstellung zählt!

Ihr Entschluss steht – Sie reichen die Kündigung ein! Auch wenn sich das erst einmal wie ein erfolgreicher Befreiungsschlag anfühlt: Werden Sie in Ihrer Euphorie nicht übermütig! Hier verraten wir Ihnen, welche No-Gos Sie nach der Kündigung unbedingt vermeiden sollten. 

Früher oder später werden Sie womöglich unsanft auf dem Boden der Tatsachen landen. Bevor Sorgen und Ängste die Oberhand gewinnen, gilt es, die richtige Einstellung zu entwickeln. Denn damit legen Sie den Grundstein, um einen neuen Job finden, in dem Sie glücklich arbeiten.

  • Betrachten Sie Ihre Kündigung nicht als Scheitern, sondern als notwendige Maßnahme. Sie verschafft Ihnen bei der Jobsuche sogar einen Vorteil: Anders als viele Mitbewerber sind Sie sofort verfügbar.
  • Machen Sie sich Ihre Stärken und Fähigkeiten bewusst. Sie haben einiges zu bieten.
  • Stehen Sie zu Ihrer Entscheidung und legen Sie sich eine gute Erklärung für Ihre Kündigung zurecht, die auch Personaler überzeugt.

So können Sie den Bewerbungsprozess selbstbewusst und optimistisch angehen – und wirken auch auf Personaler überzeugend. Im Idealfall beginnen Sie direkt nach der Kündigung und nachdem Sie gesundheitlich wieder fit sind mit der Suche nach einem neuen Job.

Wir bei Robert Half unterstützen Sie gerne dabei: In unserer Jobbörse finden Sie täglich aktualisierte Angebote im Finanz- und Rechnungswesen, in der IT-Branche sowie im kaufmännischen und Assistenz-Bereich.

 

 

Bildquelle: bernardhermant - Unsplash.com

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