Krank zur Arbeit: Warum das keine gute Idee ist

Von Robert Half 6. November 2019

Im Hals kratzt es, die Nase läuft, sie fühlen sich schlapp und angeschlagen. Eigentlich eine klare Sache: Da bahnt sich Erkältung an. Deshalb wären Ruhe und Schonung angesagt. Stattdessen schleppen Sie sich krank zur Arbeit. Sie meinen es natürlich nur gut, schließlich wollen Sie die Kollegen nicht hängen lassen. Tatsächlich aber richten Sie damit mehr Schaden an, als dass Sie der Firma nützen.

Anker-Inhaltsverzeichnis:

  • Massenphänomen Präsentismus
  • Das Gegenteil von gut ist gut gemeint: Warum kranke Kollegen keine Hilfe sind
  • Präsentismus kostet mehr als krankgemeldete Mitarbeiter
  • Achtsamkeit statt ungesunder Dynamiken
  • Krank geschrieben arbeiten – wie sieht das rechtlich aus?

 

Massenphänomen Präsentismus

Für viele Arbeitnehmer gehört es offenbar fast zum guten Ton [https://www.roberthalf.de/blog/damit-bringen-sie-ihre-kollegen-auf-die-palme], krank zur Arbeit zu gehen. Dieses Verhalten ist so sehr verbreitet, dass es dafür eine eigene Bezeichnung gibt: Präsentismus. Wissenschaftler forschen sogar zu diesem Phänomen.

Eine aktuelle Umfrage unserer Kollegen unter 2.800 US-amerikanischen Arbeitnehmern bringt erschreckende Zahlen ans Licht: Demnach gehen neun von zehn Befragten auch krank ins Büro. “Kein Wunder, bei dem Gesundheitssystem in den USA …” mag jetzt mancher denken. Doch hierzulande sieht es nicht viel besser aus: Eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) aus dem vergangenen Jahr ergab, dass zwei Drittel der deutschen Arbeitnehmer 2017 mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen sind. Beinahe jeder Dritte hat sogar zwei Wochen oder länger in angeschlagenem Zustand gearbeitet.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint: Warum kranke Kollegen keine Hilfe sind

In den meisten Fällen stecken ehrenhafte Gründe hinter diesem Verhalten. Viele gehen krank zur Arbeit, weil sie Mehrarbeit für ihre Kollegen vermeiden möchten. Das ist zwar gut gemeint, aber zu kurz gedacht: Wenn Sie mit Infektionskrankheiten wie einer Erkältung zur Arbeit gehen, sorgt das für Ansteckungsgefahr.  In der Folge könnten Ihre Kollegen ebenfalls ausfallen.

Statt Mehrarbeit zu verhindern, würden Sie damit ungewollt den Krankenstand erhöhen. Außerdem unterlaufen Ihnen im geschwächten Zustand womöglich Fehler, die aufs gesamte Team zurückfallen oder im schlimmsten Fall dem Unternehmen ernsthaft schaden.

Präsentismus kostet mehr als krankgemeldete Mitarbeiter

Außerdem entstehen durch dieses “selbstlose” Verhalten schnell im wahrsten Sinn des Wortes ungesunde Dynamiken. Jeder vierte Befragte in der oben genannten Studie gab an, er würde krank zur Arbeit gehen, weil es seine Kollegen auch täten. In einigen Firmen gibt es sogar einen regelrechten Wettbewerb: Wer am seltensten krank ist, der gewinnt. Manchmal befeuert die Unternehmensleitung dieses gefährliche Spiel, indem sie Prämien für Mitarbeiter ohne Krankheitstage zahlt.

Sinnvoll ist das nicht. Schon 2016 wies die Fachzeitschrift für medizinische Prävention ASU darauf hin, dass Präsentismus die deutsche Wirtschaft rund ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts koste. Studien zufolge sorgen ansteckende Mitarbeiter für zehnmal höhere Folgekosten als krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit.

Achtsamkeit statt ungesunder Dynamiken

Ein gesunder Umgang mit dem Thema Krankheit in der Unternehmenskultur [roberthalf.de/blog/unternehmenskultur-so-finden-sie-heraus-was-sie-job-erwartet] ist deshalb ratsam. Verantwortungsvolle Führungskräfte gehen mit gutem Beispiel voran, kurieren sich aus und schicken kranke Mitarbeiter konsequent nach Hause.

Auch die Kollegen sollten aufeinander acht geben [https://www.roberthalf.de/blog/auch-sie-koennen-gelassener-werden-im-job] und dafür sorgen, dass betroffene Teammitglieder in Ruhe wieder auf den Damm kommen. Nebeneffekt: In einem solchen Umfeld kehren sie oft bereitwilliger zurück ins Büro und hängen nicht noch einen eigentlich unnötigen Krankheitstag dran.

Krank geschrieben arbeiten – wie sieht das rechtlich aus?

Mit Erkältung zu Hause bleiben oder arbeiten? Gerade bei vermeintlich leichten Erkrankungen denken sich viele Beschäftigte: “Deshalb kann ich doch nicht zu Hause bleiben.” Dabei ist die Lage eindeutig geregelt: Sobald die Gefahr besteht, dass Sie andere anstecken oder sich Ihr Zustand verschlimmert, haben Sie im Büro nichts zu suchen. Wenn Sie in dieser Hinsicht unsicher sind, dann lassen Sie das ärztlich abklären.

Doch den Weg in die Praxis scheuen viele, weil sie eine Krankschreibung fürchten, die sie für länger als nötig aus dem Verkehr zieht. Solche Bedenken sind völlig unbegründet – der “gelbe Schein” bedeutet nicht automatisch ein Arbeitsverbot. Wenn Sie sich schon vor Ablauf der angegebenen Ausfallzeit fit für den Job fühlen, dürfen Sie ihn wieder aufnehmen. Kein Gesetz verbietet Ihnen das.

Wer krankgeschrieben ist und trotzdem arbeiten möchte, sollte die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des Arztes aber auf keinen Fall verheimlichen. Denn Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Angestellten. Wenn sie ihr nicht nachkommen, dann drohen ihnen rechtliche Konsequenzen.

Sollte Ihnen bei der Arbeit ein schwerwiegender Fehler unterlaufen oder Sie sich aufgrund Ihres geschwächten Zustands verletzen, während Sie krankgeschrieben sind, kann das weitreichende Folgen für das Unternehmen haben. Legen Sie deshalb auf jeden Fall die Krankschreibung vor und sprechen Sie offen mit Ihrem Chef darüber, ob sie arbeiten sollen oder nicht.

 

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