Jung und schon Führungskraft – so klappt’s auch mit älteren Mitarbeitern

Von Alenka Mladina 2. Oktober 2013

Der Start bei einem neuen Arbeitgeber ist nicht immer einfach. Das gilt vor allem dann, wenn junge Führungskräfte in ein Unternehmen kommen, in dem ihnen ältere Mitarbeiter unterstellt sind. Doch gutes Führen ist keine Frage des Alters, und junge Chefs haben durchaus ihre Vorzüge. Und wenn Sie es als junge Führungskraft richtig angehen, verdienen Sie sich auch den Respekt älterer Teammitglieder.

Junge Führungskraft, ältere Mitarbeiter: Konflikte vorprogrammiert?

Wer als Führungskraft in ein Unternehmen kommt, steht oft unter besonderer Beobachtung. Das gilt vor allem dann, wenn ein jüngerer Chef älteren Mitarbeitern vorstehen soll. Schließlich ist die Meinung, Führungspositionen könnten erst ab einem gewissen Alter ausgefüllt werden, immer noch weit verbreitet. Viele gehen davon aus, erst dann sei die notwendige Erfahrung für eine leitende Position vorhanden.

Junge Führungskräfte kann eine solche Situation verunsichern. Wird mir der nötige Respekt entgegengebracht? Wie überzeuge ich die älteren Kollegen von meinen Qualifikationen? Wie setze ich mich als junge Führungskraft gegenüber Mitarbeitern mit deutlich mehr Berufserfahrung durch? Diese Fragen machen deutlich: Die Kombination junger Chef und ältere Mitarbeiter birgt Konfliktpotenzial. Viele typische Probleme können junge Führungskräfte aber vermeiden, indem Sie direkt beim Einstieg die Weichen richtig stellen.

Gute Gründe für junge Chefs

Junge Chefs bringen frische Ideen mit. Genau aus diesem Grund besetzen viele Unternehmen Führungspositionen mit jüngeren, gut qualifizierten Bewerbern. Vor allem für Mittelständler ist es wichtig, sich zukunftssicher zu positionieren und gegebenenfalls sogar neu auszurichten. Bei KMU liegt das Durchschnittsalter von Geschäftsführern bei erstmaliger Übernahme dieser Position bei nur 36,4 Jahren, wie die C-Tracker-Studie von Robert Half zeigt.

Erfolgreiche Führung ist keine Frage des Alters

Das macht deutlich, dass gute Führung keine Frage des Alters ist. Natürlich kann einerseits langjährige Berufserfahrung helfen, Probleme und Schieflagen schneller zu erkennen. Andererseits haben viele Young Professionals heute bereits mehr Erfahrung in der Personalführung als manch alter Hase und sie sind außerdem meist offener für Innovationen.

Trotzdem kann es vorkommen, dass einige Mitarbeiter skeptisch reagieren. Wegen ihrer geringeren Berufserfahrung wird vielleicht sogar der Nutzen eines jungen Vorgesetzten für das Unternehmen – nämlich dessen Zukunftssicherung – infrage gestellt. Hinzu kommt die Gefahr, dass langjährige Mitarbeiter die Veränderungen manchmal als bedrohlich wahrnehmen. Das kann für Verunsicherung und Unruhe sorgen.

Mit der Herausforderung souverän umgehen

Junge Führungskräfte stehen also vor der Herausforderung, Verunsicherung zu nehmen und gleichzeitig zu überzeugen. Das erfordert Fingerspitzengefühl und ein souveränes Auftreten von Anfang an.

Denken Sie deshalb im Vorfeld an Ihre Stärken und machen Sie sich bewusst, warum ausgerechnet Sie für diese Position ausgewählt wurden. Überführen Sie diese Qualifikationen in Ihre Rolle als Chef. Sie haben allen Grund, selbstbewusst aufzutreten, schließlich vertraut die Unternehmensführung in Ihre Fähigkeiten.

Es kann eine gute Idee sein, beim Einstieg in die Position gegenüber älteren Mitarbeitern kurz zu signalisieren, dass Ihnen die nicht ganz typische Führungskonstellation durchaus bewusst ist. Allzu viele Worte sollten Sie darüber jedoch nicht verlieren – und sich auf keinen Fall rechtfertigen. Es geht nur darum, eine gemeinsame Basis zu schaffen. Gleichzeitig lässt sich damit Respekt für die Erfahrung langjähriger Mitarbeiter ausdrücken.

7 praktische Tipps für junge Führungskräfte

Wenn Sie von Anfang an ein paar Tipps beherzigen, können Sie sich das Leben als junge Führungskraft erheblich erleichtern.

  1. Eigener Führungsstil statt Vorgänger-Kopie

    Ihr Vorgänger hat auf der Position gute Arbeit geleistet und war bei seinen Untergebenen beliebt – warum also überhaupt etwas ändern? Zugegeben, der Gedanke ist nachvollziehbar – aber nicht unbedingt schlau. Vor allem dann nicht, wenn Ihr Stil ein ganz anderer ist als der Ihres Vorgängers. Bleiben Sie lieber authentisch. Außerdem ist nicht gesagt, dass der alte Chef besser geführt hat als Sie es tun. Möglicherweise hat es in den letzten Jahren einen Innovationsstau gegeben, weil sich Vorgesetzter und Mitarbeiter einfach gegenseitig in Ruhe gelassen haben.

  2. Klare Entscheidungen treffen – aber nicht übereilt

    Ihre Mitarbeiter erwarten von Ihnen, dass Sie Entscheidungen treffen – damit manifestieren Sie Ihren Status als Führungskraft. Dennoch sollten Sie nichts überstürzen und so womöglich Fehlentscheidungen treffen. Kündigen Sie an, dass Sie die ersten zwei bis drei Wochen für die Einarbeitung nutzen werden. So nehmen Sie sich am Anfang den Druck für grundlegende Anordnungen. Für die Zeit danach gilt: Klare Entscheidungen mit klaren Begründungen.

  3. Zeigen Sie Wertschätzung

    Junge Mitarbeiter treiben neue Entwicklungen voran, ältere Mitarbeiter bringen sehr viel Erfahrung mit. Würdigen Sie die Leistung jedes einzelnen Kollegen. Beziehen Sie die Untergebenen – wo möglich – in Ihre Entscheidungen ein. Mit Ihrer Wertschätzung motivieren Sie nicht nur, Sie sorgen auch für zufriedene Mitarbeiter.

  4. Delegieren ist überlebensnotwendig

    Junge Führungskräfte scheuen sich oft davor, ihren Mitarbeitern Fachaufgaben zuzuteilen. Gerade das erfordert aber Ihre neue Position – denn Führung kostet Zeit. Versuchen Sie nur Fachaufgaben zu übernehmen, die niemand außer Ihnen erfüllen kann.

    • Als Faustregel gilt:
    • Maximal 20 % Ihrer Arbeitszeit sollten Sie auf Fachaufgaben verwenden
    • 40 % für Führungsaufgaben
    • 40 % für Steuerungsaufgaben

    Delegieren Sie Aufgaben mit klaren Anforderungen und äußern Sie ebenso klar, ob Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind. Fordern Sie, wenn notwendig, Nachbesserungen ein.

  5. Konflikten nicht aus dem Weg gehen

    Zu den neuen Aufgaben für Sie als junger Chef gehört, Streitigkeiten innerhalb Ihres Teams zu lösen. Sprechen Sie Konflikte deshalb offen an und drängen Sie auf eine Lösung – zum Beispiel mit konkreten Vereinbarungen. Vermeiden Sie dabei aber, Ihre eigenen Wertmaßstäbe auf Ihre Mitarbeiter zu übertragen.

  6. Nicht alles muss neu – zumindest nicht sofort

    Auch wenn Sie an Bord geholt wurden, um frischen Wind ins Unternehmen zu bringen: Übertreiben Sie es nicht als Innovationstreiber. Wenn Sie bereits in Ihrer Antrittsrede ankündigen, dass alles schnellstmöglich besser und moderner werden muss, stoßen Sie Ihr Team womöglich vor den Kopf.

    Denn statt der Information, anstehende Herausforderungen gemeinsam anzupacken, kommt beim Team eine ganz andere Aussage an. Nämlich: “Bislang habt ihr einiges falsch gemacht.” Ihre Mitarbeiter nehmen Sie so nicht für sich ein. Würdigen Sie stattdessen die bisherigen Leistungen und machen Sie deutlich, dass damit ein solides Fundament für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens gelegt wurde.

  7. Understatement statt Machtdemonstration

    Dass Sie ihnen vorgesetzt sind, dürfte Ihren Mitarbeitern durchaus bewusst sein. Es gibt also keinen Grund für unnötige Machtdemonstrationen. Die lassen Sie möglicherweise nur unsicher wirken. Nutzen Sie die Befugnisse, die Ihnen Ihre Führungsposition verleiht, nur als letztes Mittel und wohldosiert. Verzichten Sie nach Möglichkeit auch auf Statussymbole, die Sie nicht unbedingt benötigen, zum Beispiel auf einen größeren Schreibtisch oder einen protzigen Dienstwagen.

Lassen Sie sich nicht einschüchtern: Eine Karriere als Führungskraft kann auch in jungen Jahren eine reizvolle Option sein. Es erwarten Sie nicht nur spannende Aufgaben, auch auf der Gehaltsabrechnung macht sich das Plus an Verantwortung deutlich bemerkbar. Aber was verdient eine Führungskraft? Mit welchem Einkommen Sie rechnen können, verrät Ihnen unsere aktuelle Gehaltsübersicht: https://www.roberthalf.de/gehalt

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