Warum der Jobwechsel nie so schwierig war wie heute

Von Alenka Mladina 5. Juli 2019

Die deutsche Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenzahlen sind so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr, in vielen Branchen werden Fachkräfte händeringend gesucht – und trotzdem mehren sich die Klagen, dass es immer schwerer wird, einen neuen Job zu finden. Wie kann das sein? Oder bilden wir uns das Problem möglicherweise nur ein? 

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Fachkräftemangel = Schlaraffenland für Arbeitnehmer?

Glaubt man Medienberichten, fehlen in Deutschland Tausende von Fachkräften – und das längst nicht mehr nur im IT-Bereich und in der Pflege, sondern quer über alle Branchen hinweg. Personaler berichten von ihren Problemen, passende Bewerber für offene Stellen zu finden.

Klingt, als wäre es gerade der ideale Zeitpunkt, um einfach und schnell einen neuen Job zu finden. Ganz so unkompliziert, wie es sich mancher wechselwillige Arbeitnehmer vorstellt, ist die Stellensuche dann aber offenbar doch nicht.

Vier von zehn Arbeitnehmern in Deutschland sind der Meinung, dass es heute schwieriger als vor fünf Jahren ist, einen passenden Job zu finden. Das zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag von Robert Half.

Ist das Jammern auf hohem Niveau – oder ist die Stellensuche tatsächlich schwieriger geworden? Die Umfrage zeigt: Ein Selbstläufer ist die Jobsuche auch in Zeiten des Fachkräftemangels nicht. Bei mehr als jedem Dritten (37 %) hat der letzte Stellenwechsel mehr als drei Monate gedauert. Knapp jeder Fünfte (18 %) war sogar länger als ein halbes Jahr auf der Suche nach einem neuen Job.

Warum ist es heute so schwer, einen neuen Job zu finden?

Es scheint also was dran zu sein, dass es heute schwieriger ist, einen passenden Job zu finden. Doch woran liegt das? Offenbar an einer Vielzahl teilweise höchst unterschiedlicher Gründe, wie die Robert-Half-Umfrage zeigt. 

Die Top-7-Gründe, warum der Jobwechsel nie so schwierig war wie heute:

  1. Schlechtere Rahmenbedingungen als früher, z.B. weniger Urlaubstage, Befristungen, weniger oder unattraktivere Benefits (42 %)
  2. Unklare Anforderungen an Bewerber: Jeder Dritte (33 %) hat Schwierigkeiten, abzuschätzen, welche Anforderungen tatsächlich erfüllt werden müssen bzw. ob er für eine Position infrage kommt. (33 %)
  3. Zu niedrige Gehaltsangebote (30 %)
  4. Weniger ausgeschriebene Stellen, so die subjektive Wahrnehmung von 28 % der Befragten
  5. Veränderte Anforderungen: Knapp jeder Vierte (24 %) hat festgestellt, dass sich die erforderlichen Qualifikationen für den eigenen Beruf in den vergangenen fünf Jahren verändert haben.
  6. Längere Bewerbungsprozesse (22 %)
  7. Jüngere Bewerber als starke Konkurrenz: Digital Natives haben in bestimmten Bereichen die Nase vorn. (22 %)

Digitalisierung: Neue Berufe, neue Anforderungen

Einige der genannten Gründe deuten es schon an: Die Digitalisierung ist nicht ganz unschuldig daran, dass es schwieriger geworden ist, einen passenden Job zu finden. 

Zwar sind bislang nicht – wie noch vor einigen Jahren befürchtet – reihenweise Arbeitsplätze gestrichen und durch Künstliche Intelligenz ersetzt worden. Doch die digitale Transformation hat definitiv dafür gesorgt, dass sich bestehende Berufsbilder geändert haben.

So kommen zum Beispiel Buchhalter, die sich früher klassischerweise durch Papierberge an Abrechnungsunterlagen kämpfen mussten, heute nicht mehr ohne digitale Skills aus.

Außerdem hat die Digitalisierung für viele neue Berufe gesorgt, die es so vor einigen Jahren noch nicht gab. Eigentlich nicht schlecht, schließlich bedeutet das ganz neue Karriereoptionen für Arbeitnehmer.

Die Kehrseite der Medaille: Oft sind bei diesen neuen Positionen die Anforderungen selbst den Unternehmen, die sie ausschreiben, noch nicht hundertprozentig klar. Und selbst wenn sie es sind, können sich die Anforderungen in Zeiten des digitalen Wandels innerhalb kurzer Zeit wieder ändern.

Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass so viele Jobsuchende darüber klagen, nicht richtig abschätzen zu können, ob eine Position für sie infrage kommt oder nicht.

Was Sie tun können, damit es mit dem neuen Job klappt

Sie finden auch keinen Job, der zu Ihnen passt? Auch wenn es schwer fällt: Bleiben Sie motiviert und stecken Sie den Kopf nicht in den Sand. Möglicherweise ist die Lage gar nicht so verzwickt, wie Sie denken, und sieht mit ein paar Kniffen schon ganz anders aus. 

  • Machen Sie sich Gedanken, was Ihnen bei einem Jobwechsel wirklich wichtig ist. Können Sie zum Beispiel finanzielle Abstriche verschmerzen, wenn Sie in der neuen Position viel Neues lernen und so Ihre Qualifikationen ausbauen können?
     
  • Haben Sie nicht zu viel Respekt vor Stellenausschreibungen. Machen Sie sich bewusst, dass die Anforderungsprofile in Stellenanzeigen quasi eine Art Wunschzettel des Unternehmens sind: Hier wird oft einfach alles aufgelistet, was man meint, irgendwie und irgendwann gebrauchen zu können. Und wie schon beschrieben, ist Unternehmen bei neuen Positionen oft selbst noch nicht vollständig klar, welche Qualifikationen der neue Mitarbeiter mitbringen muss. Lassen Sie sich von ellenlangen Anforderungsprofilen also nicht ins Bockshorn jagen. Wichtig ist, dass Sie die zuerst genannten Fähigkeiten mitbringen, das sind die Must-haves für die Stelle.
     
  • Bilden Sie sich weiter! Grundsätzlich ist es immer eine gute Idee, sich beruflich fortzubilden. In Zeiten großer Umbrüche, wie wir sie derzeit erleben, ist es fast schon Pflicht. Vor allem was neue digitale Entwicklungen in Ihrem Bereich betrifft, sollten Sie sich auf dem Laufenden halten.

 

Sie wünschen sich Hilfe bei der Jobsuche? Kein Problem, unsere Personalberater unterstützen Sie gerne dabei, den Job zu finden, der zu Ihnen passt. Laden Sie einfach hier Ihren Lebenslauf hoch, wir melden uns bei Ihnen:

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Bildquelle: © punttim/ Unsplash.com

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