Jobhopping und Auszeit vom Job: Schadet das der Karriere?

Von Alenka Mladina on 5. Oktober 2018

Wer als Jobhopper unterwegs ist oder eine längere Auszeit vom Job nimmt, muss mit Vor- und Nachteilen rechnen. Schwer vorauszusagen, ob ein Chef ein Sabbatical im Lebenslauf oder einen häufigen Jobwechsel gutheißt oder eher negativ bewertet. Wie also in Sachen Karriere damit umgehen? Lesen Sie hier, was Sie dazu wissen sollten. 

Häufiger Jobwechsel: Was macht Jobhopper aus?

Der Begriff „Jobhopper“ ist relativ neu. Doch was bedeutet er eigentlich? Als Jobhopper werden Arbeitnehmer bezeichnet, die innerhalb kurzer Zeitzyklen Positionen und Unternehmen wechseln, anstatt auf lange Sicht in einem Job oder einer Organisation zu bleiben. War es vor Jahren nichts Ungewöhnliches, dass Menschen in ihrer gesamten Karriere bei ein und derselben Firma arbeiteten, hat sich das heute radikal geändert. 

Erregte ein häufiger Jobwechsel im Lebenslauf in der Vergangenheit bei Arbeitgebern noch stets den Verdacht, dass ein Bewerber grundsätzlich unzuverlässig sei, ist Jobhopping heute weitaus üblicher geworden. Mit steigender Tendenz.

Eine Entwicklung, die auch vor Buchhaltern und Finanzfachleuten nicht haltgemacht hat. Auch in diesem – traditionell von großer Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber geprägten – Berufsfeld wird nun diese Variante eines schnelllebigen Karrierewegs in einem ganz neuen Licht gesehen. 

Das zeigt auch eine Umfrage, die Robert Half gerade in den USA durchgeführt hat. So betrachtet die Mehrheit der Berufstätigen (64 %) einen Stellenwechsel alle paar Jahre als vorteilhaft. Vor vier Jahren sahen das lediglich 45 % der Arbeitnehmer so.

Doch auch wenn 75 % der 18- bis 34-Jährigen im Jobhopping viele Vorteile sehen – in der Praxis gibt es weiterhin einige Arbeitgeber, die bei diesem Thema sensibel reagieren. So gaben 44 % der befragten CFOs an, dass sie höchstwahrscheinlich keine Kandidaten einstellen werden, die als Jobhopper gelten. Grund sei das Risiko eines vorzeitigen Wechsels des neuen Angestellten zu einer anderen Firma. 

Aber wo findet sich überhaupt die feine Trennlinie, die einen „Jobwechsel“ von „Jobhopping“ unterscheidet? Auf zehn Jahre bezogen sind es in den Augen von Angestellten fünf verschiedene Stellen, die sie zum Jobhopper machen. Für CFOs fängt echtes Jobhopping hingegen erst mit sechs unterschiedlichen Jobs pro Jahrzehnt an. 

Welche Vorteile haben Jobhopper? 

Die Vorteile von Jobhopping haben eine große Bandbreite. Zu den wichtigsten positiven Aspekten zählen: 

  • Mehr Geld: In der genannten Umfrage gaben 31 % der Befragten finanzielle Beweggründe für Jobhopping an. Damit belegt dieses Argument den ersten Platz bei den ins Spiel gebrachten Vorteilen und ist mit den üblichen Gehaltsverhandlungen vor Antritt einer neuen Stelle zu erklären. Der häufige Jobwechsel bietet eine gute Gelegenheit, sich beim Gehalt zu verbessern. 
  • Mehr Erfahrung: Wer den Job wechselt, kann in vielen Fällen seine Fähigkeiten erweitern. Bei je mehr Arbeitgebern Sie arbeiten, desto größer ist Ihre Chance, dass Sie verschiedene Arten von Software, Buchhaltungsplattformen, Jobverantwortung, Kunden und sonstiges Know-how kennenlernen.
  • Karrieresprung: Es kommt immer wieder vor, dass eine neue Arbeit in einem neuen Unternehmen schlichtweg die einzige Option bedeutet, in der Karriere weiter voranzukommen. Darüber hinaus gilt: Wenn Sie in Ihrer „Jobhopping-Karriere“ mit jeder neuen Stelle mehr Verantwortung übernehmen, könnte das einige Personalchefs beeindrucken. 
  • Szenenwechsel: Ein Jobwechsel bedeutet stets ein neues Umfeld – eine Veränderung, die Ihrer Karriere einen völlig neuen Drive geben kann. So könnten Sie etwa den Job wechseln, weil Sie für einen anderen Chef arbeiten, eine andere Unternehmenskultur kennenlernen oder auch einfach nur irritierenden Mitarbeitern entkommen wollen. Oder Sie brauchen schlichtweg einen Tapetenwechsel in einer neuen Stadt, den Ihnen Ihr alter Arbeitgeber nicht bieten kann.      

Welche Nachteile bringt Jobhopping mit sich?

Wer sich für Jobhopping entscheidet und den Arbeitsplatz zu häufig wechselt, nimmt damit auch einige Nachteile in Kauf. Dazu zählen:  

  • Ruf als Drückeberger: Manch ein Manager könnte den schnellen Wechsel von einer Firma zur nächsten als Zeichen interpretieren, dass Sie der Arbeit aus dem Weg gehen wollen. Schließlich bedeutet längerfristiges Engagement auch, viel Energie zu investieren, um beim jeweiligen Arbeitgeber den Kurs zu halten.   
  • Verpasste Chancen: Möglicherweise verpassen Sie als Jobhopper die Chance, entscheidendes Fachwissen zu erweitern. Fähigkeiten und Kenntnisse wie etwa Enterprise Resource Planning (ERP), Microsoft Dynamics GP, SAP oder Sage benötigen bei der Umsetzung Zeit. Erst dann beherrschen Sie sie so gut, dass Sie damit Ihre Karriere voranbringen können. 
  • Fehlkalkulation: Womöglich haben Sie Unternehmenskultur, Aufstiegschancen oder Stabilität Ihres neuen Arbeitgebers falsch eingeschätzt. Dann kann ein Wechsel schnell zum Bumerang werden, der Sie dazu zwingt, innerhalb von wenigen Monaten erneut eine neue Stelle zu suchen. 

Auszeit vom Job: Handelt es sich um einen Trend?

Auch eine Auszeit vom Job – wodurch auch immer bedingt – wurde mit Hinblick auf die Karrieremöglichkeiten vor Jahren noch ganz anders bewertet als heute. Heute ist eine Unterbrechung innerhalb Ihrer beruflichen Vita kaum mehr etwas Besonderes. 

So hat laut einer aktuellen Studie der Jobsuchmaschine Azuna, die 10.000 Lebensläufen untersucht hat, knapp die Hälfte der Deutschen eine größere Lücke im Lebenslauf. 48 % der Lebensläufe weisen eine Unterbrechung von sechs Monaten oder mehr auf

Wer vor diesem Hintergrund einen lückenlosen Lebenslauf als Nonplusultra postuliert, denkt an der Realität vorbei. Laut der Studie sind es 35 % der Lebensläufe, die keine Lücke enthalten, bei 65 % zeigt sich eine Unterbrechung von mindestens einem Monat.

Auch die Google-Trend-Statistik spricht eine deutliche Sprache: In den letzten Jahren sind die Suchanfragen zum Begriff „Sabbatjahr“ um 135 % angestiegen. Es lässt sich also durchaus von einem Trend sprechen.   

Xing nennt in einer eigenen Studie zum Thema Sabbatical als häufigste Beweggründe für die Auszeit diese Punkte:  

  • Geistige und körperliche Erholung
  • Traum von einer Fernreise
  • Eigene Weiterentwicklung 

Allerdings zeigt die Studie auch, dass viele Arbeitgeber sich bei der Umsetzung schwertun. Bei 17 % der Angestellten sei ein Sabbatical im jeweiligen Unternehmen generell ausgeschlossen. 19 % hätten ihren Wunsch zwar durchsetzen können, allerdings nur eingeschränkt. 

Karrierewege ändern sich – nutzen Sie das zu Ihrem Vorteil  

Ob Jobhopping oder Auszeit vom Job: Ergreifen Sie die Möglichkeiten, Ihre Karriere mithilfe dieser Neuorientierungen in Schwung zu bringen. Lassen Sie sich nicht dadurch ausbremsen, dass beide Varianten noch vor wenigen Jahren als grundsätzlich karriereschädigend dargestellt wurden. 

Natürlich sollten Sie sich dabei auch genau überlegen, ob eine Veränderung zum jeweiligen Zeitpunkt und in der jeweiligen Situation das Richtige ist. 

  • Beurteilen Sie Ihre Situation, zum Beispiel, ob Sie einen unterstützenden Chef oder ein Team haben. 
  • Fragen Sie Mentoren außerhalb des Unternehmens oder Experten einer spezialisierten Personalvermittlung nach einer zweiten Meinung.
  • Tragen Sie eine Liste von Dingen zusammen, die Ihnen beruflich wichtig sind, und vergleichen Sie diese Werte mit den neuen Möglichkeiten, die sich Ihnen durch Jobhopping oder etwa ein Sabbatjahr bieten. 

Finden Sie genügend Übereinstimmungen, welche für die eine oder andere Variante sprechen, sollten Sie sich an die Umsetzung machen. Jobhopping und berufliche Auszeiten können enorm motivieren – nutzen Sie dieses Potenzial im Rahmen einer Arbeitswelt, die sich tagtäglich im Wandel befindet. 

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