Interner Jobwechsel geplant: Ihr Chef muss es als erster erfahren

Von Alenka Mladina 1. Juni 2016

Sie haben einen tollen Chef, nette Kollegen und ein attraktives Gehaltspaket. Dennoch sind Sie aktuell nicht zufrieden im Job. Denn die Aufgaben reizen Sie nicht mehr und deshalb denken Sie über einen Wechsel nach.

Wie Sie den Job, aber nicht den Arbeitgeber wechseln, verraten wir Ihnen heute.

Fach- und Führungskräfte, gerade im Finanz- und IT-Bereich, sind derzeit sehr gefragt. Davon können Sie auch profitieren, wenn Sie den Arbeitgeber gar nicht wechseln möchten.

Wie das funktioniert? Indem Sie sich intern bewerben, also innerhalb Ihres Unternehmens die Stelle wechseln. Gerade wenn Sie länger in der gleichen Position tätig sind, schleicht sich die Routine oft zu sehr ein. Ein interner Jobwechsel ist dabei eine willkommene Abwechslung.

Beim internen Wechsel gibt es aber auch ein paar Fallstricke. Einer wäre, direkt bei der Personalabteilung anzurufen und zu sagen: „Ich möchte die Stelle XYZ.“ Bedenken Sie jedoch bitte, dass Chefs gerade Top-Mitarbeiter sehr ungern gehen lassen. Sie müssen Ihren internen Jobwechsel deshalb bedacht angehen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um den internen Stellenwechsel und geben Tipps, wie Sie bei diesem sensiblen Thema alles richtig machen.

Wie erfahre ich am schnellsten von internen offenen Stellen?

Weil Sie schon einige Zeit im Unternehmen sind, wissen Sie natürlich, wo interne Stellen ausgeschrieben werden: Am schwarzen Brett und im Intranet. Nur, sobald diese freien Positionen dort auftauchen, wissen auch alle anderen Kollegen Bescheid. Damit steigt das Risiko, dass Sie sich gegen interne Kontrahenten beweisen müssen, wenn es mit dem internen Wechsel klappen soll.

Sind Sie allerdings gut vernetzt, erfahren Sie unter Umständen bereits vor der Ausschreibung, dass eine Stelle frei wird. Das gibt Ihnen einen wichtigen zeitlichen Vorsprung, vielleicht ist es sogar ausschlaggebend, dass nur Sie das Jobangebot bekommen.

Jobsuche

Intern bewerben: Was muss ich dafür tun?

Ein interner Wechsel erscheint auf den ersten Blick einfacher als eine externe Bewerbung. Tatsächlich hat eine interne Bewerbung viele Vorteile – sie sollten die Risiken jedoch nicht ausblenden.

  • Die Vorteile einer internen Bewerbung: Sie kennen die Unternehmenskultur und müssen nicht mehr beweisen, dass Sie in die Firma passen. Bestenfalls haben Sie Fürsprecher in den eigenen Reihen, die Sie als Referenz in der Bewerbung nutzen können. Und selbstverständlich können Sie auf Ihre Erfolge aus der Vergangenheit verweisen.
  • Die Risiken einer internen Bewerbung: Wenn bei der Bewerbung etwas schiefläuft, kann es Ihren Ruf innerhalb des Unternehmens schädigen. Schlimmstenfalls kann es Ihre gute Zusammenarbeit mit dem bisherigen Chef belasten. Gerade deshalb sollten Sie die interne Bewerbung nicht als Selbstläufer sehen, sondern sich besonders ins Zeug legen. Auf jeden Fall müssen Sie als Erstes mit Ihrem Chef sprechen und geschickt kommunizieren, damit Sie nicht für Missverständnisse in der eigenen Abteilung sorgen.

Schritt für Schritt Anleitung zum erfolgreichen internen Jobwechsel

 

Damit Ihr Wechsel klappt, sollten Sie sich an den folgenden fünf Schritten orientieren:

  • Sammeln Sie Informationen: Beginnen Sie mit allen frei zugänglichen Informationen über die Stelle und sprechen Sie anschließend mit ausgewählten Kollegen, die Ihr Interesse für sich behalten können. Sie wollen keine Spekulationen über einen Wechsel schüren, bevor Sie sicher sind, dass der Job der richtige für Sie ist und Sie mit Ihrem Vorgesetzten gesprochen haben.
  • Treffen Sie eine Entscheidung: Ist der Job für Sie interessant, sollten Sie abwägen, ob Ihre Erfolgsaussichten das Risiko einer erfolglosen Bewerbung rechtfertigen. Denken Sie langfristig: Haben Sie bessere Karrierechancen in der jetzigen Abteilung? In diesem Blogbeitrag lesen Sie, wie Sie den richtigen Zeitpunkt für einen Jobwechsel bestimmen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten: Erst wenn Sie sich sicher sind, sollten Sie Ihr Interesse an einem internen Wechsel Ihrem Chef mitteilen. Auch hier sollten Sie sensibel vorgehen. Einen guten Mitarbeiter zu verlieren, ist für jeden Vorgesetzten eine schwierige Situation. Legen Sie sich deshalb Argumente zurecht, mit denen Sie seine Befürchtungen entkräften können. Vor allem wird es dabei darum gehen, einen Nachfolger für Sie zu finden. Gibt es einen Kollegen, der Ihre Aufgabe übernehmen könnte? Wie können Sie dazu beitragen, den Übergang zu erleichtern? Ihren Chef ins Boot zu holen ist sehr wichtig. Ohne seine Unterstützung kann ein interner Wechsel sehr schwer werden.
  • Suchen Sie sich Unterstützung: Bei einer internen Bewerbung sind Referenzen besonders wichtig. Im Optimalfall legt nicht nur Ihr Vorgesetzter ein gutes Wort für Sie ein, sondern auch ein Kollege aus der Abteilung, in die Sie wechseln möchten. In größeren Unternehmen bitten Sie am besten um Empfehlungsschreiben, die Sie Ihrer Bewerbung beilegen.
  • Verfassen Sie eine schlagkräftige Bewerbung: Sie sollten sich auch bei einer internen Ausschreibung auf Mitbewerber einstellen und eine ausführliche Bewerbung erstellen. Wie bei einer externen Bewerbung sollten Sie die Projekte und Erfolge herausstreichen, die Ihre Eignung für die neue Stelle am besten zeigen. Bei internen Bewerbungen können Sie bei besonders aussagekräftigen Erfahrungen oder Projekten näher ins Detail gehen, schließlich sind die Empfänger mit der Produktpalette des Unternehmens vertraut.

Extra-Tipps: Was Sie beim internen Wechsel außerdem beachten müssen

  • Qualifikation für die neue Stelle: Wer sich intern bewirbt, sollte zumindest erste Erfahrungen in dem Bereich haben, in den er wechseln möchte
  • Ehrlich währt am längsten: Ist die Stelle interessant, sollten Sie ein offenes Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten führen. Schildern Sie ihm ehrlich, warum die Stelle zu Ihnen passt, indem Sie Übereinstimmungen mit Ihren Stärken und Karrierezielen aufzeigen.
  • Tipps von erfahrenen Kollegen: Gute Ratschläge für das Vorgehen bei der internen Bewerbung erhält man von Kollegen, die bereits erfolgreich intern gewechselt sind.
  • Die Eignung überprüfen: Ob die ausgeschriebene Stelle zu einem passt, findet man am besten in einem vertraulichen Gespräch mit dem zukünftigen Vorgesetzten heraus. Fragen Sie ihn: Wie würden Sie meine Qualifikation für diese Position einschätzen?
  • Für den leichten Übergang: Lernen Sie Ihren Nachfolger frühzeitig ein und sorgen Sie für eine saubere Übergabe.
  • Bei Zusage die Zügel nicht schleifen lassen: Auch bei einem internen Wechsel sollten Sie bis zum letzten Tag 100 % im alten Job geben.
  • Den Chef übergehen: Wenn der Vorgesetzte erst nach der Bewerbung informiert wird, ist das Vertrauen meist nachhaltig beschädigt. Besonders verhängnisvoll kann das werden, wenn der interne Wechsel doch nicht klappt.
  • Vergessen Sie das Zwischenzeugnis nicht: Eine Checkliste für das Zwischenzeugnis bei Jobwechsel haben wir im Beitrag "Die heikle Frage nach einem Zwischenzeugnis" zusammengestellt. 

Wenn derzeit keine Stellen intern ausgeschrieben sind, sollten Sie bei Unzufriedenheit dennoch das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen und über Ihre Karriereziele sprechen. Vielleicht lässt sich eine Stelle schaffen, die sich mit Ihren Entwicklungszielen deckt.

Wenn auch diese Unterhaltung mehrmals geführt wird, aber keine Früchte trägt, sollten Sie sich immer noch extern nach neuen Jobs umsehen.

Haben Sie intern schon einmal die Stelle gewechselt? Wie waren Ihre Erfahrungen? Wir freuen uns über Tipps direkt hier unten im Kommentarfeld oder auch an [email protected].

Bildquelle: © Sergey Nivens / Fotolia.com

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