Immer schlechtere Manieren im Büro: Ist Facebook schuld daran?

Von Christina Holl 15. Oktober 2015

Soziale Netzwerke haben einen negativen Einfluss auf unsere Umgangsformen im Beruf. Das suggeriert zumindest eine Umfrage unter Internetexperten. Soweit würden wir zwar nicht gehen, dennoch sollten Sie ein paar Spielregeln beachten, damit Ihre Social-Media-Aktivitäten Ihrem beruflichen Fortkommen nicht im Weg stehen.

Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, wie das Leben im Büro wäre, wenn wir uns dort wie auf Facebook verhalten würden? Unsere amerikanischen Kollegen haben diese Überlegung angestellt und daraus ein Video gemacht:

Recht gewöhnungsbedürftig, seinen Kollegen nur noch mit “I like” zu antworten. Oder was meinen Sie? Tatsächlich sind laut einer Studie zahlreiche Internetexperten der Meinung, dass sich die Nutzung von sozialen Netzwerken negativ auf die Umgangsformen auswirkt. Und dazu kommt: Wer allzu sorglos im Internet unterwegs ist, riskiert seinen Ruf und oft genug die Chancen auf einen neuen Job.

Damit soziale Netzwerk nicht zum beruflichen Fallstrick für Sie werden, sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

Ist die Nutzung von sozialen Netzwerken im Büro erlaubt?

Die private Nutzung sozialer Netzwerke am Arbeitsplatz ist nicht grundsätzlich verboten. Allerdings dürfen die Pflichten, die der Arbeitnehmer durch den Arbeitsvertrag eingegangen ist, dadurch nicht beeinträchtigt werden.

Anders sieht es aus, wenn der Arbeitgeber im Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung die private Nutzung sozialer Netzwerke am Arbeitsplatz verbietet. Wichtig zu wissen: Das gilt dann nicht nur für den Firmenrechner, sondern auch für private Geräte, wie das eigene Smartphone.

1. Social-Media-Tipp: Klären Sie die Nutzung vorab mit dem Arbeitgeber, aber verschieben Sie sie im besten Fall in die Pause.

Welche Auswirkungen hat mein Verhalten auf Facebook, Xing & Co. im Büro?

Soziale Netzwerke wirken sich vor allem auf zwei Arten auf Ihren Job aus:

  • Auf Ihre Arbeitsleistung: Niemand kann sich auf die Arbeit fokussieren, wenn er zwischendurch ständig Status-Updates auf Facebook checkt. Mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Informationsüberflutung zählen zu den typischen negativen Folgen von Social-Media-Nutzung. Kontrollfrage: Bleiben Sie immer vollkommen konzentriert, wenn Sie das vertraute Vibrationsgeräusch hören?
  • Auf Ihren Ruf: Eine weitere negative Folge sehen die Experten in der Vermischung von Beruflichem und Privatem. Die meisten Menschen nutzen soziale Netzwerke – die Business-Plattformen Xing und LinkedIn ausgenommen – für die Verbreitung privater Informationen: Status-Updates, Urlaubsbilder, Beweisfotos der eigenen Kochkünste. Doch das Internet ist alles andere als ein privater Raum. Selbst wer nicht mit Kollegen oder Vorgesetzten virtuell befreundet ist, muss sich im Klaren darüber sein, dass seine „privaten“ Informationen auf Umwegen zu ihnen gelangen könnten. Alles, was Sie auf sozialen Netzwerken posten, kann sich dadurch auch auf den Ruf in der Firma oder bei Geschäftspartnern auswirken.

2. Social-Media-Tipp: Lassen Sie sich bei der Arbeit nicht von sozialen Medien ablenken und achten Sie darauf, was Sie online veröffentlichen. Vieles ist nicht so privat, wie Sie es vielleicht gern hätten. In unserem Online-Knigge für stilvolles Auftreten finden Sie viele weitere Tipps.

Welche Auswirkungen hat mein Verhalten in sozialen Netzwerken auf meine Bewerbung?

Jeder Bewerber hat sich wohl schon einmal gefragt, ob der Personaler nach ihm googelt. Hier kommt die Antwort: Laut einer Umfrage des Branchenverbands BITKOM überprüft jedes zweite Unternehmen die Social-Media-Profile seiner Bewerber – meist auf den beruflichen Netzwerken Xing und LinkedIn. Mehr als jeder siebte habe bereits Bewerber aufgrund des Online-Checks aussortiert. Was, glauben Sie, waren die Gründe? Partybilder? Eine unerwünschte politische Einstellung? Nein. Personalentscheider sind professionell genug, um von der privaten Freizeitgestaltung nicht auf die Arbeitsleistung zu schließen. 90 % der Befragten nannten Widersprüche zu den Bewerbungsunterlagen, mehr als jeder Dritte inkompetente fachliche Äußerungen als K.O.-Kriterium.

3. Social-Media-Tipp: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Xing- und LinkedIn-Profile Ihrer Bewerbung nicht widersprechen und äußern Sie sich online nur zu Fachthemen, wenn Sie über das notwendige Wissen verfügen.

Wie Sie soziale Netzwerke für Ihr berufliches Weiterkommen nutzen

Richtig genutzt tragen soziale Netzwerke heute aber zur eigenen Karriereentwicklung bei. Viele Unternehmen veröffentlichen ihre freien Stellen mittlerweile auf ihrem Twitter-Kanal(4) oder der Facebook-Unternehmensseite. Wenn Sie über interessante neue Jobs auf dem Laufenden bleiben möchten, sollten Sie Personaldienstleistern aus Ihrer Branche folgen. Dort finden Sie oft exklusive Angebote, an die Sie anderweitig nicht gelangen.

Und selbstverständlich bieten die Business Netzwerke XING und LinkedIn gute Möglichkeiten, das eigene Netzwerk zu pflegen und auszubauen. Hilfreiche Tipps finden Sie im Artikel „Elementar oder überwertet? XING und LinkedIn bei der Karriereplanung“ und in unseren Karrieretipps.

Nutzen Sie soziale Netzwerke am Arbeitsplatz? Wie sind die Regelungen in Ihrer Firma?

Bildquelle: © zakokor - Fotolia.com

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