HR-Trends und Recruiting 2019

Von Alenka Mladina 16. Mai 2019

Die Recruiting-Branche ist in Bewegung. Fast täglich ergeben sich für Personaler neue Fragen und Herausforderungen. Und auch die Bewerber haben es mit sich stetig verändernden Bedingungen zu tun. Deshalb sind die HR-Trends 2019 für beide Seiten wichtig. Sie geben Orientierung in Zeiten des schnellen Wandels.

In diesem Artikel lesen Sie:

Die HR-Themen des Jahres: Mobiles und Mitmenschliches

“Die Digitalisierung treibt die Transformation auf allen Ebenen an. Das gilt in besonderem Maße für das Recruitment.”

Diese Aussage ist so oder ähnlich seit Jahren wieder und wieder zu hören. Gibt es also nichts Neues aus der Branche? Doch, sogar fast täglich. Denn der Wandel zwingt die HR-Abteilungen dazu, ihre Arbeitsweise permanent zu reformieren.

Diese Entwicklung treiben maßgeblich die Jobsuchenden voran. Sie erwarten heute, dass Stellenausschreibungen und Bewerbungsprozesse aber auch Beschäftigungsverhältnisse modernen Ansprüchen an Kommunikation und Wertschätzung genügen. 

Das zeigt: Die Digitalisierung ist nicht nur ein technologisches Thema. Auch der Faktor Mensch spielt weiterhin eine entscheidende Rolle. Es ist also eine Gemengelage, mit der es die moderne Personalbeschaffung aktuell zu tun hat.

Da ist ein Wegweiser sehr nützlich. Sven Hennige, Senior Managing Director bei Robert Half, kennt die Richtung, in die sich das Recruitment entwickelt. Im Interview zeigt er die HR-Trends 2019 auf.

Die mobile Kommunikation ist quasi das allgegenwärtige, seit Jahren bekannte Sinnbild der Digitalisierung. Sind Smartphone und Co. damit alte Hüte?

Sven Hennige: Keineswegs. Unserer Erwartung nach spielt dieses Thema auch in den Recruiting Trends 2019 eine spannende Rolle. Besonders interessant ist, dass es für Personaler und Bewerber einen jeweils anderen Stellenwert hat. Unternehmen beschäftigen sich mit Mobile Recruiting nämlich stärker als Bewerber.

Warum ist Mobile Recruiting 2019 für Unternehmen so wichtig?

Sven Hennige: Weil sie seine Bedeutung erst mit einer gewissen Verzögerung erkannt haben. Die Bewerber sind da oft schon weiter. Für sie ist dieses Element bei der Jobsuche längst selbstverständlich. Hier haben die Personalabteilungen einen Nachholbedarf, der sie in diesem Jahr noch sehr beschäftigen wird.

An welchen Stellschrauben werden Personaler dafür drehen müssen?

Sven Hennige: Das geben mittlerweile die Bewerber vor. Sie schätzen am Mobile Recruiting, dass es schnell und bequem funktioniert. Viele nutzen das Instrument schon heute regelmäßig. Diese Praxis wird zunehmen. Deshalb sollten verantwortliche Personaler ihre entsprechenden Angebote ausbauen.

Das bezieht vor allem die Optimierung ihrer digitalen Kanäle für Smartphones und Tablets mit ein. Desktop-Varianten reichen dafür nicht mehr aus. Die sind nämlich für Jobsuchende kein Ersatz für Mobile Recruiting.

Das heißt, dass sie sich nicht vor den Computer setzen, falls sie mit ihrem Smartphone im Bewerbungsprozess nicht weiterkommen. Die ideale Lösung und damit ein großer HR-Trend 2019 sind Apps, die die Stellensuche auf mobilen Geräten ermöglichen.

Wohlgemerkt: Ich rede nicht von normalen Internetseiten, die sich damit anschauen und mehr schlecht als recht bedienen lassen. Was notwendig ist, sind spezielle, auf die kleinen Bildschirme zugeschnittene Angebote. 

Und das gilt nicht nur für die bloße Veröffentlichung von Stellenanzeigen. Der gesamte Bewerbungsprozess muss künftig über das Smartphone ablaufen und nachverfolgbar sein. Damit meine ich, dass beispielsweise der aktuelle Bearbeitungszustand jederzeit mobil abrufbar ist.

Das Thema Stellenanzeigen klang gerade an. Welche Entwicklung erwarten Sie da?

Sven Hennige: Ganz wichtig werden in diesem Zusammenhang digitale Job Recommender. Damit sie Vakanzen aufgreifen und über Internet-Suchanfragen zeigen können, müssen die Stellenanzeigen für sie erkennbar sein. Das Stichwort lautet Maschinenlesbarkeit.

Das ist nicht nur ein wichtiger HR-Trend 2019, sondern auch darüber hinaus. Das stellen wir bei unseren Gesprächen mit Unternehmen zunehmend fest. Die meisten haben die Zeichen der Zeit erkannt und halten Job Recommender, etwa im Rahmen von Google Job Search, für eine der größten Herausforderungen.

Auch die Bewerber sind stark an maschinenlesbaren Stellenanzeigen interessiert. Das Problem: Die Unternehmen sehen zwar die Vorteile des Instruments, treiben aber seine Nutzung kaum voran. Das sollte sich ändern.

Ein ähnliches Bild sehen wir hinsichtlich digitaler Karriereberater. Dass sie in naher Zukunft wichtiger werden, glauben bereits viele Unternehmen. Doch nur ein geringer Anteil von ihnen stellt sich tatsächlich darauf ein und bereitet entsprechende Lösungen vor.

Bislang haben wir viel über Technik gesprochen. Ist das Thema wirklich so beherrschend?

Sven Hennige: Die genannten Aspekte sind tatsächlich sehr wichtig. Aber natürlich gibt es noch andere Baustellen, die – sagen wir mal – eher im mitmenschlichen Bereich liegen. Ich möchte hier besonders den Bereich Employer Branding erwähnen.

Nach unserer Erfahrung klagen Bewerber oft über Mängel beim Onboarding. Da fehlt es offenbar an Wertschätzung und guter Einarbeitung. Hier sollten Unternehmen nachbessern. Denn spricht sich so etwas herum, mindert das die Chancen im War for Talents.

Mindestens genauso wichtig wie eine gute Begrüßungskultur ist deshalb das Halten bewährter Mitarbeiter. Da kommen mehrere Faktoren ins Spiel. Zunächst mal geht es um die richtige Dosis der Auslastung.

Fühlen sich Beschäftigte überfordert oder unterfordert, schlägt sich das nicht nur auf die Motivation und damit auf die Produktivität nieder. Gleichzeitig kann das zu Abwanderungsgedanken führen.

Außerdem wünschen sich Mitarbeiter beispielsweise mehr Weiterbildung beziehungsweise Chancen zur Weiterentwicklung ihrer Qualifikationen. Das hören wir oft. Unternehmen sollten solche Signale registrieren und passende Lösungen finden. Andernfalls müssen sie sich neue Mitarbeiter suchen.

Wie groß ist denn die Gefahr, dass Bewerber sich anderweitig orientieren?

Sven Hennige: Das kann schnell passieren, denn die Beschäftigten haben derzeit ein gutes Gefühl, was ihre Chancen auf dem Jobmarkt betrifft.

Und wir erleben häufig, dass sie für eine neue Stelle sogar auf Gehalt verzichten würden. Auch eine Work-Life-Balance ist ihnen wichtig. Ebenso die klare Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit.

Darüber wird zwar seit geraumer Zeit diskutiert. Wir stellen mittlerweile aber fest: Diese Themen sind in der Praxis angekommen. Deshalb gehören sie für mich ganz eindeutig zu den HR-Trends 2019, denen sich Unternehmen verstärkt widmen sollten.

Fassen wir zusammen: Was sind für Sie die HR Trends 2019?

Sven Hennige: Dazu gehört ganz klar die stärkere Fokussierung auf Mobile Recruiting in allen Facetten. Nicht nur in diesem Zusammenhang sind in diesem Jahr maschinenlesbare Stellenanzeigen ein wichtiger Faktor.

Ein weiterer ist kurz gesagt die gegenseitige Wertschätzung. Und zwar in beiden Richtungen. Nur wenn sich Unternehmen einerseits sowie Bewerber und Beschäftigte andererseits fair und auf Augenhöhe begegnen, kann die Zusammenarbeit funktionieren.

Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber sie wird 2019 und in den kommenden Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen. Dafür wird allein der Fachkräftemangel sorgen.

Übrigens ist das nicht nur unser Eindruck. Er deckt sich auch mit den Ergebnissen der Recruiting Trends 2019 Studie des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg und des Jobportals Monster.

 

Die Experten von Robert Half sind immer auf der Höhe der Zeit. Stellen Sie uns gerne auf die Probe und nutzen Sie unsere Personalsuche.

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Bildquelle: © aaronburden - Unsplash.com

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