Hopp oder Topp – worauf es beim Jobwechsel ankommt

Von Alenka Mladina 5. November 2015

Ein verlockendes Jobangebot klingt zunächst mal gut. Doch ist der neue Job tatsächlich besser als der alte? Eine Entscheidung, die am Ende jeder selbst treffen muss.

Rekordhoch bei freien Stellen: Im Oktober kletterte der Stellenindex BA-X der Bundesagentur für Arbeit erstmals in seiner Geschichte über 200 Punkte. Das bedeutet: Gute Zeiten für Jobsucher und Wechselwillige, denn der Index gilt als Indikator für die Arbeitskräftenachfrage. In Zeiten knappen Angebots kommt es dann öfter vor, dass sich auch ohne aktive Suche plötzlich ein Job ergibt – oder sogar ein konkretes Angebot. Doch wie gut ist die neue Stelle wirklich? Ist ein Wechsel die richtige Wahl?

Diese Entscheidung sollte wohl überlegt sein – und deshalb genau das Richtige für einen Beitrag zur Blogparade von www.businessladys.de zum Thema „Wege und Tipps für gute Entscheidungen“. Schließlich müssen wir uns früher oder später alle entscheiden, ob ein Jobwechsel für uns in Frage kommt. In einer aktuellen Befragung von 1.000 Büroangestellten von Robert Half gaben 79 % an, in den nächsten 12 Monaten einen neuen Job suchen zu wollen. Da ist es doch gut, wenn man weiß, worauf man achten sollte.

Zufrieden im derzeitigen Job?

Es gibt grundsätzlich zwei Faktoren, die eine Jobentscheidung beeinflussen: Die eigenen Ansprüche und die Informationen, die man über den neuen Job hat. Wenn beides zusammenpasst, hat man gute Chancen, im neuen Job glücklich zu werden.

Doch bevor man sich darüber Gedanken macht, sollte man sich eine Frage ehrlich beantworten: Ist man mit seinem derzeitigen Job wirklich so unzufrieden, dass es nicht mehr geht? Gerade wenn man bereits längere Zeit in einer Position arbeitet, kehrt Routine ein. Verständlicherweise ist man dann besonders empfänglich für den Reiz des Neuen und Unbekannten. Dabei sollte man aber nicht vergessen: Dieser Reiz verfliegt schnell. Eine Jobentscheidung sollte man darauf nicht gründen.

Wer einen Job aufgibt, sollte dafür besonders gute Gründe haben. Welche das sind, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Für den einen sind die Aufstiegschancen besonders wichtig, der andere schätzt seine Unabhängigkeit, der dritte kurze flexible Arbeitszeiten – und damit kommen wir zum ersten Kriterium:

Die eigenen Ansprüche

Wer genau weiß, was er von einem Arbeitsplatz erwartet, der kann sich bei Jobentscheidungen viel Zeit sparen. Denn mitunter können sie ein ganz schöner Zeitfresser sein. Diese Erkenntnisse kommen meist mit Erfahrung: Ob man sich in großen Konzernen zurechtfindet oder nur beim Mittelständler, weiß man erst, wenn man beides ausprobiert hat.

Anderes erfordert wiederum Branchenkenntnis und Planung: Wie soll sich die eigene Karriere in den kommenden Jahren entwickeln? Strebt man eine Führungsposition an oder stehen die Zeichen auf Fachkarriere? Das sind in der Regel Entscheidungen, die man nur treffen kann, wenn man sich zuvor über die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt informiert hat und die verschiedenen Karrieremöglichkeiten in seiner Branche kennt.

Nicht zuletzt sind die eigenen Stärken und Schwächen entscheidend. Arbeitet man gern in einem fordernden Umfeld oder hat man lieber größtmögliche Freiheiten? Und wie sieht es mit den fachlichen Qualifikationen aus: Gibt es dort Ausbaubedarf im Sinne größerer Fort- und Weiterbildungen? Eine genaue Selbsteinschätzung ist dabei gar nicht so einfach. Hierbei kann das Feedback des Vorgesetzten im jährlichen Mitarbeitergespräch hilfreich sein.

Die eigenen Erwartungen sind der Maßstab, an dem sich das Jobangebot messen lassen muss, deshalb ist erst das zweite Kriterium der neue Job.

Auf ins Neuland

Die ersten wichtigen Informationen findet man auf der Internetseite des Unternehmens und über gängige Arbeitgeberbewertungsportale. Doch worauf man gerade hinsichtlich der Entwicklungsperspektive achten sollte: Wohin geht die Reise für das Unternehmen? Welchen Produkten und Dienstleistungen gehört die Zukunft? Auf welche Technologien wird vertraut? Solche Informationen sind allerdings ohne tiefere Branchenkenntnis und Einblicke ins Unternehmen nur schwer zu erlangen.

Nicht unerheblich ist außerdem die Marktlage des Unternehmens – auch im Hinblick auf die kommenden Jahre. Kann sich die Firma aktuell gegen Wettbewerber behaupten? Hat sie die nötigen Visionen für die Zukunft? Diese Informationen geben nicht nur Rückschlüsse auf die Sicherheit des Arbeitsplatzes, sondern auch auf die Entwicklung der künftigen Abteilung.

Selbstverständlich spielt nicht zuletzt die Vergütung eine entscheidende Rolle. Welche Zusatzleistungen bietet der neue Arbeitgeber? Und wie schlägt sich sein Angebot im Gehaltsvergleich?

Keine gute Entscheidung ohne verlässliche Informationen

Die Entscheidung für einen neuen Job ist keine leichte. Viele Informationen spielen dabei eine Rolle. Doch für sich allein haben sie kein Gewicht. Sie müssen erst mit den eigenen Ansprüchen abgeglichen werden. Deshalb sollte man eine solche Entscheidung niemals überhasten, sondern sich die Zeit nehmen, alle nötigen Informationen auch einzuholen.

Dabei schadet es nicht, die eigene Einschätzung mit der Meinung von Außenstehenden abzugleichen: Partner und Freunde können beurteilen, ob die Stelle zu einem passt. Vorgesetzte und Kollegen helfen dabei, die eigenen Stärken und Schwächen herauszuarbeiten. Und spezialisierte Personaldienstleister wie Robert Half können mit ihrer Branchenkenntnis und ihrem Insiderwissen über Betriebe dabei helfen, herauszufinden, ob Mensch und Unternehmen zusammenpassen – auch was die Zukunftsplanung betrifft. Schließlich muss man nicht jede Entscheidung allein treffen.

Bildquelle: © Martin Barraud - Istock.com

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