7 typische Fehler beim Personalrecruiting, die Bewerber abschrecken

Von Alenka Mladina on 28. März 2019

Der Fachkräftemangel hat im Personalrecruiting die Vorzeichen geändert: Nicht mehr die Unternehmen suchen sich Bewerber aus, sondern die Bewerber suchen sich ein Unternehmen aus. Damit sitzen heute qualifizierte Jobsuchende am längeren Hebel.

Überzeugt sie ein Arbeitgeber nicht, dann gehen sie zu einem anderen. Bieten Personaler keine gute Candidate Experience, verlieren sie die besten Kandidaten an die Konkurrenz. Deshalb ist es wichtiger denn je, typische Fehler bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter zu vermeiden.

Fehler No. 1: Personalbeschaffung ohne Plan

Erfahrung, Fingerspitzengefühl, Zeit und ein Plan – das sind die besten Voraussetzungen, um eine Stelle bedarfsgerecht zu besetzen. Doch dieses Ideal lässt sich kaum erreichen, wenn unterschiedliche Vorstellungen der einzelnen Stakeholder aufeinander prallen. Ein Beispiel:

Natürlich möchte jede betreffende Abteilung eine Vakanz möglichst schnell öffentlich machen oder am liebsten sogar sofort besetzen.

Diesem verständlichen Zeitdruck sollten Personaler nicht nachgeben. Blinder Aktionismus führt kaum zu einem frühen und passenden Ergebnis. Im Gegenteil: Die Erfahrung zeigt, dass er die Personalsuche oft verlängert.

So machen Sie es besser: 

Planen Sie den Ablauf der Personalbeschaffung möglichst langfristig. Und klären Sie alle wichtigen Fragen, bevor Sie sich konkret auf die Suche begeben. Konzentrieren Sie sich unter anderem darauf:

  • Einstellungsziele festzulegen.
  • am Entscheidungsprozess beteiligte Personen zu identifizieren.
  • den Ablaufplan für die einzelnen Schritte festzulegen.
  • den Budgetrahmen im Vorfeld zu klären.
  • geeignete Möglichkeiten zur Personalbeschaffung auszuloten.

Fehler No. 2: Ungenaue Stellenausschreibung

Lässt sich Zeitdruck beim Personalrecruiting nicht vermeiden, mag es verführerisch sein, einfach ein bereits vorhandenes Stellenprofil aus der (Intranet-)Schublade zu holen. Die Hoffnung dahinter: Leicht modifiziert, wird es seinen Zweck für die aktuelle Vakanz schon erfüllen.

Ein Fehler! Im schlimmsten Fall werden Sie daraufhin mit unpassenden Bewerbungen überhäuft. Dann müssen Sie viel Zeit in die Sichtung und in Absagen stecken, ohne einen einzigen, wirklich interessanten Kandidaten zu Gesicht zu bekommen.

So machen Sie es besser: 

Investieren Sie Zeit in eine passgenaue Stellenanzeige und lösen Sie sich von bereits verwendeten Vorlagen. Wichtig dabei:

  • Legen Sie die Aufgaben und Anforderungen gemeinsam mit Verantwortlichen aus der jeweiligen Abteilung fest.
  • Beschränken Sie sich auf die wichtigsten Qualifikationen und Skills.
  • Nutzen Sie gängige, aussagekräftige Jobtitel.
  • Denken Sie an die Optimierung Ihrer Stellenanzeige für mobile Endgeräte.
  • Platzieren Sie Ihre Stellenanzeige nur auf passenden Kanälen.

Fehler No. 3: Schlechte Unternehmenspräsentation

So abgedroschen die Weisheit auch sein mag: Der erste Eindruck zählt. Das gilt auch beim Personalrecruiting. Gibt Ihr Unternehmen hier anfangs ein schlechtes Bild ab, können Sie es später kaum korrigieren.

Im Zweifel springen gute Kandidaten sofort ab und bewerben sich woanders. Seien Sie sich gewiss: Jobsuchende werden über Ihr Unternehmen recherchieren.

So machen Sie es besser: 

  • Setzen Sie bei der Unternehmenspräsentation in der Stellenanzeige individuelle Akzente und vermeiden Sie typische Floskeln wie „international tätiges Unternehmen”, „dynamisches Team” oder „innovatives Umfeld”.
  • Pflegen Sie Ihren Onlineauftritt, vor allem den Karriere-Bereich.
  • Behalten Sie Nutzerbeiträge auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen im Blick.
  • Investieren Sie nach Möglichkeit in Employer Branding und Online-Reputation Management.
  • Denken Sie auch an Ihre Unternehmens-Accounts in sozialen Netzwerken – und wie Sie Ihre Nutzer dort ansprechen.
  • Vernachlässigen Sie nicht die Employee Experience, denn bestehende Mitarbeiter sind auch Unternehmensbotschafter.

Fehler No. 4: Zu hohe Ansprüche beim Personalrecruiting

Wenn Sie auf den Kandidaten warten, der all Ihre Anforderungen erfüllt, warten Sie gerade im Fachkräftebereich unter Umständen ewig. Zu hohe Ansprüche ziehen die Rekrutierung von dringend benötigtem Personal extrem in die Länge und sorgen für Frustration.

Und das nicht nur bei Bewerbern, sondern womöglich auch bei der Belegschaft, die die zusätzliche Arbeitslast auffangen muss.

So machen Sie es besser: 

  1. Unterscheiden Sie im Anforderungsprofil zwischen„Must-have”-Qualifikationen und „Nice-to-Haves”.
  2. Sortieren Sie Kandidaten nicht vorschnell aus, nur weil ihnen einzelne Skills fehlen. Überlegen Sie, welche Qualifikationen sie sich auch on-the-job noch aneignen können.

Fehler No. 5: Unklare Kommunikation

Auch wenn die Zeit knapp ist: Halten Sie Ihre Bewerber auf dem Laufenden. Wenn Sie Ghosting betreiben und die Bewerber also im Unklaren lassen, verspielen Sie einen positiven Eindruck schnell.

Das fängt bereits bei der Eingangsbestätigung an - ein erheblicher Teil der Bewerber erhält nicht einmal eine. Da wundert es kaum, wenn sich die Kandidaten lieber nach einem anderen Arbeitgeber umsehen, der Ihnen mehr Respekt entgegenbringt.

So machen Sie es besser: 

  • Bestätigen Sie den Bewerbungseingang und informieren Sie den Kandidaten über die nächsten Schritte.
  • Stehen Sie für Rückfragen zur Verfügung.
  • Verfassen Sie nach Möglichkeit personalisierte Antworten statt Standardschreiben.
  • Kommen Sie dem Kandidaten bei der Wahl des Kommunikationskanals entgegen: Der Bewerber hat sich telefonisch gemeldet? Dann rufen Sie ihn zurück, statt ihm eine Mail zu schreiben.
  • Sagen Sie Kandidaten auf jeden Fall ab, wenn Sie sich gegen sie entschieden haben. Am besten persönlich und nicht per Standard-Mail.

Fehler No. 6: Mangelnde Transparenz

Dieser Punkt hängt eng mit dem Kommunikationsverhalten während des Rekrutierungsprozesses zusammen. Für jeden zweiten Jobsuchenden ist der frustrierendste Faktor im Bewerbungsprozess die Unsicherheit darüber, in welcher Phase des Einstellungsverfahrens er sich gerade befindet (Quelle: Arbeitnehmerbefragung von Robert Half mit über 1.000 Teilnehmern).

Bei einem Drittel der Befragten ist eine unzureichende Kommunikation über die notwendigen Schritte des Einstellungsverfahrens der größte Negativfaktor. Mehr als jeder Vierte bemängelt die fehlende Transparenz bezüglich der Vergütung.

So machen Sie es besser: 

  • Halten Sie Kandidaten über die nächsten Schritte auf dem Laufenden.
  • Halten Sie Bewerber nicht länger als nötig hin: Sobald Sie sich gegen einen Kandidaten entschieden haben, sollten Sie ihn darüber informieren.
  • Seien Sie Bewerbern gegenüber ehrlich und verbindlich.

Fehler No. 7: Zu langer Rekrutierungsprozess

In einigen Fällen gilt das Sprichwort: "Gut Ding will Weile haben". Doch zu langsames Personalrecruiting kann Unternehmen ernsthafte wirtschaftliche Schäden zufügen. Sie verlieren an Produktivität, vergeben Wachstumschancen und verschrecken auch noch die besten Bewerber.

Denn gerade hoch qualifizierte Fachkräfte sind immer weniger bereit, lange auf ein Stellenangebot zu warten. Mehr als die Hälfte der Bewerber will nicht länger als zwei Wochen bis zur Entscheidung ausharren.

So machen Sie es besser: 

  • Optimieren Sie die Prozesse im Personalrecruitung
  • Legen Sie eine Deadline für die Personalentscheidung fest und halten Sie sich daran.
  • Leiten Sie nach getroffener Entscheidung alle weiteren Schritten umgehend in die Wege: Unterbreiten Sie dem Wunschkandidaten unverzüglich ein Angebot, stellen Sie die Vertragsunterlagen zusammen, bereiten Sie sich auf eventuelle Nachverhandlungen vor und setzten Sie dem Kandidaten eine Frist für seine Entscheidung.

 

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