Jobhopping: Wie viele Jobwechsel verträgt Ihr Lebenslauf?

Von Christina Holl 7. Juni 2016

Wer häufig den Job wechselt, steigt die Karriereleiter schneller hoch und verdient mehr – stimmt’s? Nicht unbedingt. Durchgängiges Jobhopping kann der Karriere auch schaden. Vor einem Wechsel sollten Sie deshalb ein paar Faktoren sorgfältig abwägen.

Wie viel ist zu viel? Früher war es nicht ungewöhnlich, wenn Rentner in ihrem Lebenslauf nur ein oder zwei Arbeitgeber nannten. Heute wechseln Fachkräfte hingegen im Durchschnitt alle drei bis vier Jahre, häufige Jobwechsel sind kein Stigma mehr. Zu viele schnelle Jobwechsel - auch Jobhopping genannt - sollten Sie sich trotzdem gut überlegen. Denn beim nächsten Vorstellungsgespräch müssen Ihre Argumente für den Wechsel überzeugen.

So überzeugen Sie den Personaler

Ein Personaler sollte auf den ersten Blick erkennen können, dass Sie einen Plan verfolgen – und dass sein Unternehmen in diesen Plan passt. Das bedeutet: Kurzfristige Stationen im Lebenslauf können Sie dann gut begründen, wenn sie ein sinnvolles Gesamtbild ergeben.

Wie sich die Anzahl der Jobwechsel auf Ihre Bewerbungschancen auswirkt, hängt auch von Ihrer Berufserfahrung ab: Sind Sie fünf bis sieben Jahre berufstätig, werden Ihnen bisherige Jobwechsel noch als “Orientierungsphase” verbucht. Sie müssen den neuen Arbeitgeber allerdings davon überzeugen, dass Sie inzwischen wissen, wo Sie hinmöchten und nicht nach einem Jahr weiterziehen.

Je länger Sie berufstätig sind, umso schwieriger werden Sie häufige Jobwechsel überzeugend begründen können. Wer aus Jobhopping eine Gewohnheit macht und nie länger als zwei Jahre beim selben Arbeitgeber bleibt, dem schlägt oft Misstrauen entgegen:

  • Haben Konflikte zu den häufigen Wechseln geführt?
  • Kann sich der Bewerber schlecht in neue Teams einfügen?
  • Verfügt er oder sie wirklich über die Fähigkeiten und Erfahrungen, die im Lebenslauf stehen?

Das können Sie vermeiden, wenn Sie vor dem Jobwechsel genau überlegen, was Ihnen wichtig ist und wie das zu Ihren Karrierezielen passt. Mit den folgenden Fragen finden Sie das heraus, ob Sie den Jobwechsel nicht doch zu voreilig beschließen:

1. Ist das Gehalt der maßgebliche Faktor für meine häufigen Jobwechsel?

Mehr zu verdienen, ist ein großer Antrieb für Jobwechsler. Tatsächlich gibt es von Robert Half vermittelte Fachkräfte, die einen deutlich höheren Gehaltssprung verhandeln konnten als es je intern möglich gewesen wäre. Eins dürfen Sie dabei aber nicht vergessen: Nur weil Sie von einem zum anderen Arbeitgeber wechseln, ist das keine Garantie für ein höheres Gehalt.

Mehr Gehalt gibt es nämlich auch meist, weil mit dem Wechsel ein Karriereaufstieg und mehr Verantwortung einhergehen. Beides können Sie im aktuellen Unternehmen vermutlich auch erreichen (In diesem Blogbeitrag lesen Sie, warum Sie vielleicht noch auf Ihre Beförderung warten).

Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie sich erst in Ihrer Position beweisen müssen. In einer von uns beauftragten Studie gaben 42 % von 200 befragten Managern an, mehr Lohn gebe es erst, wenn der Mitarbeiter in der neuen Rolle erfolgreich ist.

Ein höheres Gehalt ist beim Jobwechsel ein erfreulicher Bonus. Niemals sollte es Ihr ausschlaggebender Wechselgrund sein, denn Sie gehen damit auch zwei Risiken ein:

  • Sie landen in einem Job, der nicht zu Ihnen passt. Der nächste Jobwechsel ist damit vorprogrammiert.
  • Sie werden viel mehr Überzeugungssarbeit leisten müssen, um die kurze Station in Ihrem Lebenslauf in künftigen Vorstellungsgesprächen zu begründen.

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2. Bringt mich der Wechsel nach kurzer Zeit meinem Karriereziel näher?

Jobwechsel sind besonders dann attraktiv, wenn Sie damit eine höhere Karrierestufe erklimmen. Sind bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber alle interessanten Positionen frisch besetzt, rückt der interne Aufstieg in weite Ferne, dafür der potenzielle Jobwechsel in greifbare Nähe.

Geben Sie dieser nachvollziehbaren Versuchung nicht zu schnell nach. Ein Job, der Sie langfristig erfüllt, muss Sie als Gesamtpaket überzeugen. Prüfen Sie ein externes Angebot genau:

  • Reizen Sie die Aufgaben auch in einem Jahr noch?
  • Kommen Sie mit der Unternehmenskultur zurecht?
  • Bedeutet der Jobwechsel auch eine Entwicklung in die richtige Richtung?

Ein Aufstieg ist ein starkes Argument für einen Jobwechsel. Als einziger Grund ist er jedoch zu wenig. Um die Karriere voranzubringen, sollten die neuen Aufgaben sinnvoll auf Ihren bisherigen Kenntnisse aufbauen und Sie Ihren langfristigen Zielen näherbringen. Lässt Ihr Lebenslauf nämlich keinen roten Faden erkennen, wirkt sich das möglicherweise negativ auf die Chance, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, aus.

Wann Jobwechsel nach kurzer Zeit sinnvoll sind

Wenn Sie hingegen noch unsicher sind, ob Sie sich in einem großen Konzern oder bei einem kleinen Mittelständler wohler fühlen oder ob Sie lieber in der Medien- oder doch Automobilbranche am richtigen Platz sind, gibt es eine Alternative: Zeitarbeit.

Als Zeitarbeitnehmer können Sie unterschiedliche Einsatzbetriebe kennenlernen, vielfältige Erfahrungen sammeln und sind während dieser Zeit bei einem Personalvermittler wie etwa Robert Half fest angestellt. Stöbern Sie doch einmal in unserer Stellenbörse, da sind viele spannende Jobs im Finanz- und Rechnungswesen, IT- oder kaufmännischen Bereich dabei.

Ihr Lebenslauf ist das eine, die Zufriedenheit mit Ihrer derzeitigen Stelle das andere: Manchmal entwickelt sich ein Job nicht so, wie wir uns das vorstellen. Dann dürfen Sie sich auch nicht quälen.

Um auf unsere Eingangsfrage "Wie viele Jobwechsel verträgt Ihr Lebenslauf" zurückzukommen: Ihr Lebenslauf verträgt durchaus den einen oder anderen Jobwechsel nach kurzer Zeit. Bereiten Sie Ihre Wechselargumente für das Vorstellungsgespräch jedoch gut vor. Gerne unterstützen wir Sie dabei: Kontakt.

Welche Fragen beschäftigen Sie beim Thema Jobwechsel? Schreiben Sie uns, gleich hier unten im Kommentarfeld oder an [email protected]. Wir beantworten Ihre Fragen gerne.

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