Gute Führung in Zeiten der Pandemie: Neue Herausforderungen für das Change-Management

Von Christina Holl on 28. Oktober 2020

Das Coronavirus hat die Art, wie wir arbeiten innerhalb kürzester Zeit elementar geändert. Prozesse, die gerade noch ein theoretisches Zukunftsmodell waren, gehören jetzt zum praktischen Arbeitsalltag. Agiles Handeln und effektives Change-Management stehen an der Tagesordnung. Gleichzeitig ist die Verunsicherung angesichts der nie da gewesenen Situation groß. Das stellt neue Anforderungen an Führungskräfte. Doch was macht gute Führung in dieser neuen Arbeitswelt aus? Welche Kompetenzen braucht es dafür?

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C-Suite muss sich umstellen

Die Coronakrise und die damit einhergehende digitale Transformation hat weitreichende Auswirkungen auf eine Vielzahl von Jobs – auf allen Ebenen. Teammitglieder sind im Home-Office auf sich selbst gestellt, Vorgesetzte müssen ihre Teams auf Distanz führen und motivieren. Und das Top-Management? Das hat nicht weniger als die Aufgabe zu bewältigen, das Unternehmen stabil durch diese Phase des fundamentalen Wandels zu führen. Sie müssen Entscheidungen treffen, für die es kaum bis gar keine belastbaren Erfahrungswerte gibt. Dabei helfen etablierte Mittel und Methoden oft wenig. 

Für Führungskräfte sind gute Soft Skills in unsicheren Zeiten besonders wichtig, das gilt für die oberste Hierarchieebene ebenso wie fürs mittlere Management. Wichtiger werden zudem technische und strategische Kompetenzen. Damit gute Führung  gelingen kann, muss sich auch die Mitarbeiter in C-Level-Positionen umstellen. Das gilt insbesondere für CFOs und CIOs. Sie spielen in der aktuellen Situation zentrale Rollen, stoßen dabei mit ihrem bisherigen Führungsverhalten jedoch möglicherweise an Grenzen. 

Schulterschluss von CIO, CFO und CEO

CFOs standen – und stehen immer noch – vor der Herausforderung, trotz widriger Umstände, die Liquidität zu sichern und für finanzielle Stabilität zu sorgen. CIOs müssen die Digitalisierung im Rekordtempo umsetzen. Beides erfordert ein hohes Maß an Agilität, Kreativität und innovativem Denken. Gleichzeitig ist eine hohe Analysefähigkeit wichtig, um Situationen in diesem hochdynamischen Umfeld mit teilweise widersprüchlichen Informationen richtig zu bewerten.

Im Alleingang lassen sich die derzeitigen Herausforderungen nicht bewältigen. CFO, CIO und CEO müssen enger verzahnt zusammenarbeiten. Wenn es beispielsweise um die Umstellung auf E-Commerce geht, sind alle drei gleichermaßen gefragt. Der CIO ist jetzt als Ansprechpartner für strategische Fragen in der Pflicht und nicht mehr nur für die technische Infrastruktur des Unternehmens verantwortlich. Digitale Führungskompetenz bedeutet auch Beratungskompetenz. Und nebenbei muss er auch noch die IT-Sicherheit des im Eiltempo digitalisierten Unternehmens sicherstellen.

Beratungskompetenz ist auch von CFOs gefragt. Ihre analytischen Fähigkeiten sind Grundlage für strategische Entscheidungen der Geschäftsführung: Was sind die relevanten Geschäftsfelder, welche können im Zweifelsfall vernachlässigt werden? Prognosen für verschiedene Szenarien sind angesichts der ungewissen Lage wichtiger denn je. 

Der Blick über den eigenen Tellerrand ist auf dem C-Level in der gegenwärtigen Situation elementar. Transparenz und Kooperation sind jetzt angesagt. Top-Führungskräfte, die sich nur auf den eigenen Bereich konzentrieren, können Unternehmen gerade in Zeiten des Umbruchs kaum voranbringen.

Vertrauen und Austausch mit dem Team

Das Transparenzgebot gilt nicht nur innerhalb der Führungsebene. Als gute Führungskraft sollten Sie Ihr Team bei Entscheidungen einbeziehen. Die aktuelle Situation ist hochgradig komplex und dynamisch, es ist unmöglich, alle Aspekte zu bedenken. Mitarbeiter können wichtige Impulse geben. Allerdings nur, wenn sie gut informiert sind und sich ernst genommen fühlen. Das sind zwei zentrale Faktoren für zeitgemäße Führung:

Führungskräfte müssen sich daran gewöhnen, dass ihnen die Kontrolle über ihre Mitarbeiter ein stückweit entgleitet, wenn verstärkt im Home-Office gearbeitet wird. Jetzt gilt es, ihr eigenverantwortliches und ergebnisorientiertes Arbeiten zu fördern. Und das gelingt auf Distanz vor allem durch Kommunikation.

Kommunikation und Empathie als unverzichtbare Soft Skills

Kommunikation und Empathie sind ohne Frage zentrale Faktoren in einer dezentralen Arbeitswelt und daher unverzichtbare Soft Skills für alle Führungskräfte. Um eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihren Mitarbeitern aufrecht zu erhalten, ist allerdings nicht nur wichtig, dass Sie klar und transparent kommunizieren, sondern auch, dass Sie auf die jeweilige Situation Ihrer Mitarbeiter eingehen. Wertschätzung kann zum entscheidenden Faktor für Mitarbeiterbindung und -motivation werden, wenn der persönliche Kontakt und die Benefits vor Ort im Büro wegfallen. Findet der Austausch nur noch auf Distanz statt, muss einfühlsamer und bewusster kommuniziert werden als vor Ort, um Missverständnisse zu vermeiden. 

Führungskräfte müssen zudem besonders aufmerksam zuhören und beobachten, um Probleme und Missstimmungen frühzeitig zu erkennen. Nehmen Sie die Ängste und Sorgen Ihrer Mitarbeiter ernst. Zeigen Sie, dass die derzeitige Situation auch an Ihnen nicht spurlos vorübergeht.

Orientierung bieten und Vorbild sein

Gleichzeitig ist gerade das Top-Management gefordert, in schwierigen Zeiten Sicherheit auszustrahlen und Vorbildfunktion zu übernehmen. Klingt widersprüchlich: Einerseits auf stärkere Partizipation setzen und sich selbst angreifbar machen, andererseits aber den Fels in der Brandung geben. Zugegeben, das erfordert ein gewisses Maß an Ambiguitätstoleranz. Doch in groben Zügen entspricht dies den Ansätzen der transaktionalen Führung. Wie das gelingen kann?

  • Bieten Sie eine klare Vision: Seien Sie zuversichtlich. Kommunizieren Sie glaubhaft, dass bessere Zeiten kommen werden und es ein Ziel gibt, für das sich der Aufwand lohnt.
  • Entwickeln Sie eine positive Grundhaltung: Machen Sie sich Ihre Stärken bewusst. Erinnern Sie sich an erfolgreich gemeisterte Situationen.
  • Stellen Sie die Vorzüge der derzeitigen Situation heraus: Home-Office ist kein Thema mehr, moderne Tools und Hardware sind bereits jetzt im Einsatz, flexibleres Arbeiten ist möglich.

Führung zukunftssicher aufstellen

Die Covid-19-Pandemie wird die Arbeitswelt sicherlich noch geraume Zeit in Atem halten. Und selbst danach wird es keine Rückkehr zum alten Normalzustand mehr geben. Führungskräfte werden sich also zwangsläufig auf die neuen Gegebenheiten einstellen müssen. Das gelingt nicht allen gleich gut. Unter Umständen ist auch eine Erweiterung des C-Levels erforderlich, um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen bewältigen zu können. 

Einfach zu besetzen sind Positionen im Top-Management in der Regel nicht. Einer der Vorteile, die uns die rasante Digitalisierung gebracht hat: Geografische Grenzen verlieren bei der Rekrutierung zunehmend an Bedeutung. Das gilt auch für C-Suite-Kandidaten. 

Unser Executive-Search-Team unterstützt Sie bei Besetzung von Schlüsselpositionen.

 

Bildquelle: © Javier Allegue Barros - unsplash.com

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