Gruppeninterview: Ein etwas anderes Vorstellungsgespräch

Von Alenka Mladina 15. Februar 2015

Die Regel ist es nicht. Doch hin und wieder laden Unternehmen mehrere Bewerber zu einem gemeinsamen Vorstellungsgespräch ein: dem Gruppeninterview. Für Sie als Bewerber ist das eine schwierige Situation. Sie wissen nicht so recht, was auf Sie zukommt, da es höchstwahrscheinlich das erste Gruppeninterview ist, zu dem Sie eingeladen wurden. Ich zeige Ihnen, wie Sie mögliche Fallstricke souverän meistern.

Die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch mit mehreren Bewerbern gleichzeitig ist schon etwas komisch. Ihre ersten Fragen sind vermutlich: Wie gehe ich mit den Konkurrenten um? Schaffe ich es, mich im direkten Vergleich mit den Anderen abzuheben?

Zugegeben, die Situation ist nicht einfach. Aber sie ist auch nicht so schwierig, wie Sie es zunächst vermuten. Das Besondere am Gruppeninterview ist, dass Sie meist nur wissen, wie viele weitere Bewerber mit im Spiel sind. Nicht mehr und nicht weniger. Dabei könnten Sie sich viel besser vorbereiten, wenn Sie wüssten mit welchen Erfahrungen oder Kompetenzen Sie gegenüber Ihren Kontrahenten punkten können. So aber tappen Sie völlig im Dunkeln und fragen sich, was (und wer) Sie erwartet.

Warum Gruppeninterview? Was kommt auf mich zu?

Unternehmen nutzen Gruppeninterviews aus mehreren Gründen. Erstens ermöglicht diese Art des Vorstellungsgesprächs Ihrem potenziellen Arbeitgeber, Sie und alle weiteren interessanten Bewerber im direkten Vergleich kennen zu lernen. Das erleichtert den Personalverantwortlichen die Entscheidung.

Der zweite Grund ist ganz pragmatisch: Die Entscheider sparen wertvolle Zeit und Ressourcen. Ausschlaggebend für diese Art des Vorstellungsgesprächs ist jedoch, dass die Unternehmen so das Verhalten der Bewerber in einer Stress- und Konkurrenzsituation genau prüfen können. Nur weil mehrere Kandidaten gleichzeitig im Raum sind, heißt das nicht, dass Sie die Personalentscheider nicht genau im Auge behalten.  

Ob Gruppeninterview oder Einzelgespräch: Die Grundregeln sind gleich

Genauso, wie Sie sich auf ein individuelles Vorstellungsgespräch vorbereiten würden, sollten Sie es auch für das Gruppeninterview tun. Die wichtigsten Grundregeln lauten:

  • Informieren Sie sich ausführlich über das Unternehmen.
  • Treffen Sie pünktlich und in angemessener Kleidung ein.
  • Seien Sie höflich – auch zu Ihren vermeintlichen Konkurrenten.
  • Bringen Sie mehrere Kopien Ihres Lebenslaufs mit, eventuell auch Arbeitsproben.
  • Legen Sie sich Ihre wichtigsten Erfolge zurecht und bringen Sie diese selbstbewusst vor. Schweifen Sie nicht zu sehr aus, sondern nennen die relevanten Fakten.
  • Bereiten Sie Antworten auf typische Fragen vor.
  • Bereiten Sie auch gute Fragen vor.

Seien Sie individuell... aber auch ein Teamplayer

In Gruppeninterviews haben Arbeitgeber die einzigartige Möglichkeit, Ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten zu testen und einen Eindruck zu gewinnen, wie Sie mit anderen zusammenarbeiten. Die Balance zwischen Einzelkämpfer und Teamplayer ist nicht ganz einfach zu halten, besonders in so einer Sondersituation. Sie ist aber durchaus möglich: Unterbrechen Sie die anderen Kandidaten nicht und achten Sie genau darauf, was die anderen Kandidaten erzählen. Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn Ihre Konkurrenten über mehr Erfahrung oder Fachwissen verfügen als Sie selbst.

Kontern Sie geschickt, indem Sie darlegen, wie schnell Sie sich in neue Aufgaben in der Vergangenheit eingearbeitet haben und dass Sie regelmäßig an fachlichen Trainings teilnehmen. Achten Sie unbedingt darauf, die anderen Bewerber dabei nicht schlecht zu machen. Das kommt nicht gut an. Geben Sie den Teamplayer, wenn andere versuchen, eine Konkurrenzatmosphäre zu erzeugen: Stimmen Sie Ihnen zunächst zu und ergänzen Sie deren Ausführungen anschließend um Ihre eigenen Punkte. Damit heben Sie sich sowohl durch Ihre Meinung als auch Ihre soziale Kompetenz ab.

Ein Tipp: Bereiten Sie verschiedene Antworten auf Standardfragen vor, damit Sie auch etwas Einzigartiges zu sagen haben, wenn Sie nicht als erster an der Reihe sind.

Stellen Sie sich darauf ein, spontan zu sein

In einem Gruppeninterview werden Sie möglicherweise darum gebeten, mit den anderen Kandidaten im Team ein Problem zu lösen. Der Interviewer wird Sie eventuell auffordern, eine Präsentation vor allen anderen im Raum zu halten. Sie könnten gebeten werden, mit einem anderen Kandidaten oder einem der Personaler eine typische Situation als Rollenspiel nachzustellen.

Unterm Strich können sich in einem Gruppeninterview eine ganze Reihe von Situationen ergeben, auf die Sie sich nicht vorbereiten können. Stellen Sie sich deshalb darauf ein, zu improvisieren. Halten Sie sich auch immer vor Augen, dass es dabei nicht in erster Linie um Ihre fachlichen Kompetenzen, sondern um das Beurteilen Ihrer Soft Skills geht.

Lächeln Sie! Das bringt Sympathiepunkte

Gruppeninterviews verursachen bei den meisten Menschen mehr Stress als “normale“ Vorstellungsgespräche. Wie bereits erwähnt, wird teilweise bewusst Spannung zwischen den Kandidaten erzeugt, um zu sehen, wer dem Druck gewachsen ist.

Stellen Sie sich folgendes Bild vor: Alle um Sie herum sind angespannt und gönnen den Konkurrenten keinen Meter Landgewinn. Wer wird wohl den besseren Eindruck hinterlassen, wenn Sie derjenige sind, der freundlich lächelt und mit allen Anwesenden Konversation betreibt? Das klingt zunächst schwierig, ist aber nicht unmöglich.

Nehmen Sie ein paar tiefe Atemzüge und lächeln Sie die Interviewer und übrigen Bewerber an. Zeigen Sie Humor, wenn Ihnen während des Gruppeninterviews ein Faux-pas passiert. Personalentscheider werden es der ungewöhnlichen Stresssituation zuschreiben und Sie werden als der „charmante Kandidat“ in Erinnerung bleiben.

Haben Sie schon Erfahrungen mit Gruppeninterviews gemacht, ob als Bewerber oder als Interviewer? Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungsberichte.

Bildquelle: © contrastwerkstatt - Fotolia.com

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