Gig Economy: Wie externe Mitarbeiter Ihr Unternehmen lieben und Sie profitieren

Von Alenka Mladina 14. August 2018

So, wie viele amerikanische Jazz-Musiker anfangs von Auftritt (engl.: Gig) zu Auftritt zogen, nehmen die temporären Arbeitskräfte der heutigen Gig Economy einen Auftrag nach dem nächsten an. Ihr „Instrument“: berufliches Know-How. Arbeitgeber können aus ihrem Einsatz großen Nutzen ziehen – wenn sie einige Dinge beachten.

In diesem Blogartikel lesen Sie:

  • Wirtschaftliches Erbe des Jazz: Was ist Gig Economy?
  • Alter Hut mit neuem Namen? Unterschiedliche Formen temporärer externer Arbeit
  • Umgang mit externen Kräften: Tipps für Arbeitgeber
  • Behandeln Sie temporäre Kräfte wie Festangestellte
  • Nutzen Sie die Geschwindigkeit
  • Finden Sie einen guten Rekrutierungspartner
  • Nicht unterschätzen: Die administrative Seite
  • Nutzen Sie den kreativen Input von außen

Wirtschaftliches Erbe des Jazz: Was ist Gig Economy?

Die Zeiten, in denen Arbeitnehmer von der Ausbildung bis zur Rente beim selben Arbeitgeber blieben, sind längst vorbei. Globalisierung, Digitalisierung und Verschiebungen in der Work-Life-Balance bringen mit sich, dass heute immer mehr Menschen temporär arbeiten. Dieser vergleichsweise neue Teil des Arbeitsmarktes wird als Gig Economy bezeichnet.

Aber was ist Gig Economy? Der Begriff leitet sich aus der Jazz-Szene in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts ab. Damals zogen die Musiker klassischerweise von Gig zu Gig – also von Auftritt zu Auftritt. In ähnlicher Manier nehmen heute temporäre externe Arbeitskräfte einen Auftrag nach dem nächsten an. Und wie die „Musikinstrumente“ der Jazzer sind ihre Qualifikationen höchst unterschiedlich. Plattformen wie das Fahrdientstportal Uber oder der Lieferdienst Foodora werden häufig als Beispiele für die Gig Economy genannt: Unabhängige Freiberufler arbeiten hier einen Auftrag nach dem nächsten ab.

Doch Gig Economy beschränkt sich nicht nur auf solche geringqualifizierten Aufgaben. Auch IT-Freelancer und andere Experten lassen sich auf diese Weise finden. Und das macht dieses Konzept möglicherweise auch für Ihr Unternehmen interessant.

Alter Hut mit neuem Namen? Nicht ganz!

Zugegeben, das Konzept temporärer externer Arbeitskräfte ist nicht neu, es gibt sie in verschiedenen Formen. Die verbreitetsten sind:

  • Zeitarbeit / Arbeitnehmerüberlassung
  • Freiberufler, freie Mitarbeiter bzw. Freelancer
  • Projektarbeiter
  • Interim Manager

Besonderes Merkmal der Gig Economy ist vor allem ihre Kurzfristigkeit. Bei Zeitarbeit hingegen werden häufig unbefristete Verträge zwischen Personaldienstleister und Arbeitssuchenden abgeschlossen. Viele Arbeitnehmer nutzen diese Möglichkeit zum (Wieder-)Einstieg in das Arbeitsleben. Sie zielen häufig auf eine längerfristige Beschäftigung ab. Eine Hoffnung, die nicht unbegründet ist, denn überzeugende Zeitarbeitnehmer werden nicht selten in eine Festanstellung übernommen.

Freiberufler und Freelancer bieten unabhängige Dienstleistungen im Interesse ihres Auftraggebers. Die zeitliche Dimension ist dabei nicht ausschlaggebend. Sie können von einem Auftraggeber durchaus auch längerfristig gebucht werden. Oder aber sie entscheiden sich für die Gig Economy als Beschäftigungsmodell, weil sie sich mehr berufliche Flexibilität schaffen möchten.

Doch das Konzept kommt nicht nur den Experten wie hochqualifizierten IT-Freelancern zugute, die sich nicht dauerhaft binden wollen. Der Einsatz von Freiberuflern bietet auch Arbeitgebern Vorteile. Externe Mitarbeiter kommen zum Beispiel bei kurzfristig wichtigen Themen wie Datenschutz oder IT-Security zum Einsatz, die Unternehmen mit eigenen Experten nur unzureichend umsetzen können.

Tipps für den Umgang mit externen Mitarbeitern

Der Aufstieg der Gig-Economy hat nicht nur Auswirkungen auf das Leben derjenigen, die ihr Dienste für Einzelaufträge zur Verfügung stellen. Auch Arbeitgeber, die vermehrt auf die Unterstützung durch externe Mitarbeiter setzen, müssen sich an die besonderen Bedingungen anpassen. Denn insbesondere gute IT-Freelancer sind heiß umworben und haben oft die Wahl zwischen mehreren Auftraggebern Es gilt also, Talente anzuziehen und zu halten.

Der wichtigste Tipp dabei: Behandeln Sie externe Mitarbeiter wie Festangestellte, vor allem auf menschlicher Ebene. Viele Unternehmen kommunizieren wegen der zeitlichen Begrenzung der Tätigkeiten zu wenig mit ihren temporären Kräften – ein Fehler. Indem Sie Ihre Externen persönlich kennenlernen und Zeit in die Beziehung investieren, werden sie zu einer wertvolleren Kraft, die sich für die Unternehmensziele einsetzt. Lassen Sie die temporären Arbeitnehmer zum Beispiel das gleiche Einführungsprogramm durchlaufen wie andere Neueinstellungen. So fühlen sie sich mehr als Teil des Teams und verstehen Ihre Ziele sowie die Unternehmenskultur besser.

Nutzen Sie die Geschwindigkeit

Merkmal der Gig Economy ist der schnelle Wechsel von einem Auftrag zum nächsten. Von diesem Tempo profitiert ihr Unternehmen. Der große Vorteil beim Einsatz von Freelancern ist der schnelle Zugang zu Talenten. Prüfen Sie daher, welche Abteilungen Ihrer Organisation von einer kurzfristigen Bereitstellung bestimmter Fähigkeiten profitieren können. Geschwindigkeit ist auch beim Einstellungsprozess ein Vorteil: Je kürzer Sie ihn gestalten, desto attraktiver ist Ihr Unternehmen in der ultraflexiblen Gig Economy. Entfernen Sie unnötige bürokratische Schritte aus Ihrem Einstellungsverfahren. Stellen Sie aber sicher, dass Sie bei aller Geschwindigkeit den Überblick behalten!

Finden Sie einen guten Rekrutierungspartner

Sie benötigen regelmäßig flexible Mitarbeiter für kurze Einsätze, verfügen aber nicht über die Ressourcen, diese über die einschlägigen Portale selbst zu suchen? Dann ist es wichtig, einen guten Rekrutierungspartner zu finden. Entscheiden Sie sich für einen Dienstleister, der weiß, wie die Gig Economy funktioniert. Bitten Sie ihn um eine Einschätzung des Marktes und Ihres Unternehmens. Wenn ein Dienstleister Sie überzeugt, lohnt sich eine langfristige Geschäftsbeziehung. Denn er kann bei Engpässen schnell und ohne großen Briefing-Aufwand für passende Unterstützung sorgen, weil er Ihr Unternehmen bereits kennt.

Sie sind auf der Suche nach qualifiziertem Personal? Wir helfen Ihnen gern.

Personalanfrage senden

Nicht unterschätzen: Die administrative Seite

Viele Unternehmen, die im Sinne der Gig Economy mit temporären Kräften arbeiten wollen, vergessen die administrativen Konsequenzen. Machen Sie sich daher im Vorfeld Gedanken über folgende Fragen:

  • Welches Budget steht Ihnen für den Einsatz von Freelancern zur Verfügung?
  • Welchen Tages- oder Stundensatz setzen Sie an? 
  • Wie messen Sie, ob die geleistete Arbeit erfolgreich ist?

Denken Sie sorgfältig über alle administrativen Aufwände nach, die die Arbeit mit externen Mitarbeitern mit sich bringt. Und gestalten Sie diese so einfach und klar wie möglich – für Ihre Verwaltung und für die temporären Mitarbeiter. Ansonsten rechnet sich der Einsatz für Ihr Unternehmen möglicherweise nicht und Sie verschrecken gefragte Experten.

Nutzen Sie den kreativen Input von außen

Externe aus der Gig Economy haben nicht nur einen unverstellten Blick auf Ihr Unternehmen. In der Regel haben gute Freelancer auch schon einige andere Unternehmen von innen gesehen – möglicherweise sogar direkte Wettbewerber. Deshalb können sie neue, frische Ideen einbringen. Schieben Sie dem keinen Riegel vor; Sie können davon nur profitieren. Beteiligen Sie auch temporäre Kräfte an Innovationsteams und Brainstormings. Vielleicht bekommen Sie auf diese Weise neue Perspektiven und Lösungsansätze für festgefahrene Projekte.

Auf einen Blick: Formen externer temporärer Arbeit

  • Zeitarbeitnehmer schließen einen Vertrag mit einem Personaldienstleister beziehungsweise einem Zeitarbeitsunternehmen ab. Dieses überlässt dann seine Arbeitskraft einem Unternehmen mit akutem Personalbedarf. 
  • Freiberufler üben eigenverantwortlich eine Tätigkeit aus, die nicht der Gewerbeordnung unterliegt und deshalb nicht gewerbesteuerpflichtig ist. Sie führen unabhängige Dienstleistungen im Interesse ihres Auftraggebers aus.
  • Freie Mitarbeiter bzw. Freelancer führen mit einem Dienst- oder Werkvertrag Aufträge selbstständig aus, ohne dabei vom Auftraggeber als Arbeitnehmer eingestellt zu sein.
  • Projektarbeiter kommen als temporäre Kräfte in Unternehmen zum Einsatz. Sie werden unter einer bestimmten Zielvorgabe zeitlich begrenzt eingesetzt und arbeiten in der Regel eigenverantwortlich.
  • Interim Manager übernehmen für eine befristete Zeit Spezialisten- und Management-Aufgaben in Unternehmen. Sie sind meist hochqualifizierte Experten mit langjähriger Berufs- und Führungserfahrung.

Bildquelle: © PeopleImages - Istockphoto.com

Das könnte Sie auch interessieren