Gespräch mit dem Chef: So hört er Ihnen wirklich zu

Von Alenka Mladina 6. März 2019

Es ist zum Verzweifeln: Sie suchen das Gespräch mit Ihrem Chef. Doch statt Ihnen ein offenes Ohr zu leihen, stellt Ihr Vorgesetzter auf Durchzug. Er geht nicht auf Probleme ein oder missachtet getroffene Absprachen. Aber wie bringen Sie Ihren Chef dazu, Ihnen zuzuhören? Wir verraten es Ihnen:

Gespräch mit dem Chef: Finden Sie heraus, was für ein Typ er ist

Sie haben sich trotz all Ihrer Nervosität überwunden und ein Gespräch mit dem Chef vereinbart. Und jetzt sitzen Sie ihm gegenüber – und haben das Gefühl, er hört Ihnen maximal mit einem halben Ohr zu.

Frustrierender geht es kaum. Kein Wunder, wenn Sie am liebsten den Kopf in den Sand stecken würden und sich solchen unnötigen Stress in Zukunft nicht mehr antun wollen. 

Aber viel besser wäre es doch, wenn Ihr Vorgesetzter Ihnen künftig im Gespräch seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Dazu sollten Sie zunächst einmal herausfinden, wie Ihr Chef tickt.

Welche Ziele verfolgt er?
Worauf legt er Wert?
Achtet er auf formelle Dinge oder verhält er sich eher entspannt?

Versuchen Sie, Dinge mit seinen Augen zu sehen, und folgen Sie seinem Beispiel. Das heißt nicht, dass Sie ihn eins zu eins imitieren sollten. Das kann nach hinten losgehen: Fällt ihm auf, dass Sie ihn nachäffen, könnte er sich angegriffen fühlen.

Beobachten Sie, wie er kommuniziert: Ist ihr Vorgesetzter jemand, der sprichwörtlich mit der Tür ins Haus fällt? Dann sollten Sie im Gespräch mit ihm oder ihr nicht lange um den heißen Brei herumreden, sondern direkt auf den Punkt kommen. Hat er hingegen gerne den Überblick über alles, holen Sie ruhig etwas weiter aus. 

Zeigen Sie ihm, dass Sie einen guten Job machen

Die ungeteilte Aufmerksamkeit Ihres Chefs bekommen Sie leichter, wenn er Sie als Mitarbeiter bereits auf dem Radar hat. Wenn es Möglichkeiten gibt, direkt mit ihm zusammenzuarbeiten, nutzen Sie sie!

Und wenn er nur das Schreiben und Versenden eines Besprechungsprotokolls ist – auch solche Kleinigkeiten können der Beginn einer guten Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter sein. 

Je mehr Sie mit dem Vorgesetzten zusammenarbeiten, desto besser lernen Sie seine Arbeitsweise und seine Art der Kommunikation kennen.

Angenehmer Nebeneffekt: Der oder die Vorgesetzte erfährt aus erster Hand, dass Sie einen guten Job machen. Das führt im Idealfall dazu, dass er Ihrer Arbeit vertraut und deshalb auch Ihre Meinung zu schätzen lernt.

Wählen Sie den richtigen Moment für Ihr Anliegen

Sprechen Sie ihn zwischen Tür und Angel wegen eines komplexen Problems an, wird Ihr Chef Ihnen vermutlich nicht die gewünschte Aufmerksamkeit schenken.

Wägen Sie ab, welches Vorgehen klüger ist: Können Sie ihn einfach spontan in seinem Büro ansprechen oder wäre ein eigener Termin für ein Arbeitsgespräch sinnvoller? Letztlich ist dies oft auch eine Frage des jeweiligen Führungsstils und der Unternehmenskultur.

Versuchen Sie herauszufinden, zu welcher Tageszeit er nicht zu viel um die Ohren hat. Dann kann er sich Zeit für Ihr Anliegen nehmen. Falls verfügbar, checken Sie auch seinen öffentlichen Terminkalender. Unmittelbar vor oder nach einem Termin mit einem schwierigen Kunden ist womöglich nicht der beste Zeitpunkt für ein Gespräch.

Bereiten Sie Ihr Gespräch mit dem Chef gut vor

Wenn Sie das Gespräch mit dem Chef gut vorbereiten, steigen die Chancen, dass er Ihnen zuhört, ungemein. Betrachten Sie es wie ein Meeting, das Sie einberufen: Auch das ist ohne die richtige Vorbereitung meist nicht sehr konstruktiv.

Folgende Punkte sollten Sie bedenken:

  • Geben Sie vorab einen zeitlichen Rahmen und das Thema an.
  • Reduzieren Sie das Gespräch mit dem Chef auf das Wesentliche.
  • Halten Sie es kurz, sonst landen zu viele Punkte auf dem Tisch.
  • Versuchen Sie stattdessen, regelmäßig Gespräche zu führen.
  • Erklären Sie Ihr Anliegen einfach, aber deutlich. So versteht Ihr Chef auch direkt, was Sie möchten.
  • Bringen Sie gleich Lösungsvorschläge für das Problem mit und zeigen Sie, dass Sie mitdenken.

Geben Sie Feedback und halten Sie Ergebnisse fest

Gehen Sie in den Dialog – vor allem dann, wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Chef hört nicht zu. Fragen Sie ihn, ob er Ihnen folgen kann, ob er weitere Informationen benötigt und vor allem, was seine Meinung zu dem Problem ist.

Und scheuen Sie sich nicht, auch ihm Feedback zu geben – auch nicht wenn Sie seine Einschätzung nicht teilen. Sie müssen nicht all seine Ideen gut finden – wichtig ist nur, dass Sie sachlich bleiben. 

Im Nachgang sorgt ein Protokoll des Gesprächs für Klarheit. Halten Sie die wichtigsten Ergebnisse und Entscheidungen schriftlich fest und senden Sie diese Notizen Ihrem Vorgesetzten per Mail zur Kenntnisnahme. Bei eventuellen Missverständnissen oder Unklarheiten können Sie sich später darauf berufen.

Seien Sie mit Ihrem Chef offen und ehrlich

Transparenz spielt eine große Rolle: Halten Sie Ihren Vorgesetzten über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden. Er sollte nicht der Letzte sein, der Informationen aus der Abteilung erhält. Das wird Ihre Kommunikation mit dem Chef stärken.

Ist Ihre Meinung zu einem Thema eine andere? Dann stehen Sie dazu und erklären Sie sachlich und nachvollziehbar, warum Sie nicht mit ihm übereinstimmen. Unterschiedliche Meinungen können die Beziehung zwischen Mitarbeiter und Chef durchaus stärken.

Ein guter Chef wird eine andere Sichtweise als wichtigen Input zu schätzen wissen – sofern Sie gut argumentiert ist. Wenn er auf Ihre Idee einlässt, umso besser. Wenn nicht, sieht er zumindest, dass Sie sich mit geschäftlichen Belangen auseinandersetzen.

Gehen Sie souverän mit Fehlern um

Fehler und Probleme lassen sich im Arbeitsalltag nicht immer vermeiden. Gute Vorgesetzte wissen das. Deshalb sollten Sie solche heiklen Themen nicht totschweigen und schon gar nicht die Schuld auf andere schieben.

Können Sie Probleme selbst nicht lösen, gehen Sie offen damit um und kommunizieren Sie diese an Ihren Vorgesetzten weiter. Denn – Überraschung! – in vielen Fällen wird diese Ehrlichkeit mit Wertschätzung honoriert.

Gehen Sie souverän mit Fehlern um, sieht Ihr Chef, dass Ihnen das Unternehmen wichtig ist. Im Gegenzug kommuniziert er womöglich auch offener mit Ihnen.

Natürlich gibt es Vorgesetzte, die weniger verständnisvoll reagieren. Aber auch mit solchen Typen lässt sich reden. Wie verraten wir Ihnen in unserem Blogbeitrag zum Umgang mit schwierigen Chefs.

 

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Bildquelle: © icons8 - Unsplash.com

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