Geheimtipp für Ihre Mitarbeiterbindung: Aktives Zuhören

Von Christina Holl 24. Juli 2015

Was schätzen Sie, wie viel Zeit Sie als Vorgesetzter mit dem Management Ihres Teams verbringen? Im Finanzbereich verbringen CFOs damit rund ein Drittel Ihrer Zeit*. Das ist nicht wenig. Umso interessanter ist es, dass dennoch der am weitesten verbreitete Fehler in der Mitarbeiterführung die mangelnde Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten ist.

Moderne Führungskräfte sollen heute vor allem Mitarbeiter motivieren, ihnen hilfreiches Feedback geben und als Coach bei der Entwicklung helfen. Damit steigt gute Kommunikationsfähigkeit in die Riege der wichtigsten Leadership Skills auf. Doch es geht dabei nicht nur um die regelmäßige und offene Kommunikation, es geht vor allem auch um das aktive Zuhören.

Aktives Zuhören verbessert Ihre Kommunikation

Das aktive Zuhören ist eine Gesprächstechnik, die ursprünglich von dem einflussreichen US-Psychologen Carl Rogers stammt. Das Kernziel des aktiven Zuhörens ist, dass eine Botschaft vom Empfänger so verstanden wird, wie sie vom Sender gedacht war. Sie kennen jedoch bestimmt selbst auch ein paar Situationen, bei denen dies nicht der Fall war. Übrigens bietet diese Technik viele Vorteile:

  • Sie erhalten meist neue und wichtige Informationen
  • Sie vermeiden Missverständnisse
  • Sie fördern Innovationen, weil Sie den Ideen Ihrer Mitarbeiter tiefer auf den Grund gehen und deren Motive besser verstehen
  • Sie erfahren früh, wenn Mitarbeiter unzufrieden sind
  • Sie bauen Vertrauen auf
  • Sie gewinnen Zeit

Wie aktives Zuhören in der Praxis funktioniert

Der erste Schritt, um aktives Zuhören zu lernen, ist eine Selbstanalyse: Beobachten Sie, ob Sie Ihre Mitarbeiter ausreden lassen. Ist das häufig nicht der Fall, sollten Sie sich diese Angewohnheit schnellstmöglich abgewöhnen. Nachdem Sie Ihren Mitarbeitern also aktiv zugehört haben, beginnen Sie im zweiten Schritt, geschickte Rückfragen zu stellen. Dabei können Sie sich der folgenden rhetorischen Tricks bedienen:

  • Paraphrasierung: Fassen Sie die Aussagen des Mitarbeiters mit eigenen Worten zusammen. Beispiel: „Nachdem Sie beim Kunden schriftlich nachgefragt hatten, reagierte dieser nicht mehr?“
  • Verständnis zeigen: Spiegeln Sie die Gefühle des Gegenübers (z.B. Freude, Ärger, Interesse), um zu signalisieren, dass Sie diese wahrgenommen haben. Beispiel: „Ich verstehe, dass Sie sich dann geärgert haben, nicht gleich daran gedacht zu haben.“
  • Nachfragen: Fragen Sie bei wagen Aussagen oder Unklarheiten nach. Wertende Kommentare sind hier nicht angebracht, hier geht es zunächst nur um das richtige Verstehen. Beispiel: „Sie haben ‚sofort’ gesagt, das passierte also noch am gleichen Tag? Wie viele Stunden waren seitdem vergangen?“
  • Abschätzen lassen: Lassen Sie den Gesprächspartner gegebenenfalls abwägen. Beispiel: „Wäre es schlimmer gewesen, den Kunden nicht zu benachrichtigen?“
  • Ende: Führen Sie den Mitarbeiter zum ursprünglichen Thema zurück. Beispiel: „Und dann? Wie ging es weiter?“

Aktives Zuhören ist eine Führungskompetenz, die Mitarbeiterfluktuation verhindert

Die Rhetoriktechnik des aktiven Zuhörens ist eine wertschätzende Kommunikationsform. Sie baut Vertrauen auf und ist damit wichtiger Bestandteil einer deeskalierenden und problemlösenden Kommunikationsstrategie, die sich besonders für schwierige Situationen eignet. Durch ihre Anwendung können Sie zugleich Ihre Führungskompetenz als Problemlöser ausbauen.

Das aktive Zuhören hat aber auch eine strategische Seite: Wie oben erwähnt, verstehen Sie einerseits die Argumentation Ihrer Mitarbeiter oder Kollegen besser. Andererseits gewinnen Sie aber auch wertvolle Zeit, um die eigenen Gedanken besser sortieren zu können.

Sie können das aktive Zuhören übrigens geschickt mit dem „taktischen Zuhören“ kombinieren. Dabei geben Sie Ihren Standpunkt in einer Gesprächsrunde nicht als Erster preis, sondern sammeln zunächst die Meinungen und Motive der Gesprächspartner. Anschließend können Sie mit diesen Informationen in der Hinterhand schlagkräftiger argumentieren. Gerade in Diskussionsrunden oder auch bei Meinungsverschiedenheiten ist dieser Leadership Skill ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Mehr als die Hälfte der befragten HR-Manager in der Arbeitsmarktstudie von Robert Half sind überzeugt, dass eine offene und transparente Kommunikation das Hauptkriterium einer erfolgreichen Führungskultur ist und so die Mitarbeiterbindung fördert. Indem Sie aktiv Zuhören, lösen Sie Probleme nicht nur besser und schneller, die Loyalität Ihres Teams ist Ihnen damit auch sicher.

Welche weiteren Soft Skills erfolgreiche Führungskräfte mitbringen, lesen Sie in unserem Karrieretipp. Falls Sie aktuell auf Personalsuche sind, starten Sie Ihre Anfrage gleich hier.

*Quelle: Arbeitsmarktstudie von Robert Half

 

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