Gehaltserhöhung ablehnen: So machen Sie es als Chef richtig

Von Alenka Mladina on 21. Oktober 2019

Als Vorgesetzter zeigen Sie Ihre Anerkennung, indem Sie hervorragende Leistungen mit einer Gehaltserhöhung belohnen. Schwierig wird es, wenn Sie den Wunsch Ihres Mitarbeiters ablehnen müssen.

Sie riskieren, Ihren Mitarbeiter zu demotivieren und sogar an die Konkurrenz zu verlieren. 

Das Gehalt ist zwar nicht der einzige, jedoch ein wichtiger Faktor dafür, dass Ihre Mitarbeiter mit Freude arbeiten. Fühlt sich ein Mitarbeiter nicht fair bezahlt, leidet mittel- und langfristig die Motivation – und damit die Produktivität.

Gehaltserhöhung ablehnen – wie machen Sie es richtig?

Egal, weshalb Sie die Gehaltserhöhung ablehnen: Bereiten Sie sich auf das Gespräch gut vor.

Denn Fehler bei der Gehaltsverhandlung wirken sich negativ aus – zum Beispiel auf die Motivation Ihrer Mitarbeiter. Mit diesen Tipps bringen Sie Ihrem Mitarbeiter die schlechte Nachricht so bei, dass Sie und er trotzdem davon profitieren.

Tipp 1: Nehmen Sie Ihren Mitarbeiter ernst

Auch, wenn Sie die Gehaltserhöhung letzten Endes ablehnen: Vermitteln Sie Ihrem Mitarbeiter in jeder Phase des Gesprächs, dass Sie seinen Wunsch ernst nehmen.

Hören Sie sich seine Argumente genau an. So vermeiden Sie, dass er sich wie ein Bittsteller fühlt.

Führen Sie eine offene Gehaltsverhandlung auf Augenhöhe – freundlich, ruhig und geduldig. Dadurch verhindern Sie, dass er sich nach dem Gespräch mit Ihnen „abgefertigt“ fühlt. Denn das könnte zu Frust führen.

Tipp 2: Gehen Sie dem eigentlichen Problem auf den Grund

Dass Ihr Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung fordert, muss nicht unbedingt bedeuten, dass er mehr verdienen möchte. Sein Wunsch kann auch andere, versteckte Gründe haben: 

  • Vielleicht fühlt er sich und seine Arbeit zu wenig wertgeschätzt.
  • Oder er ist mit seinen Projekten überfordert und möchte seinen Frust mit mehr Geld kompensieren.

Fragen Sie daher geschickt nach. So haben Sie als Führungskraft die Chance, Ihren Mitarbeiter gezielt zu fördern.

Das verbessert seine Motivation und Leistung, was letztendlich zu mehr Umsatz für Ihr Unternehmen führt. Und wer weiß, vielleicht ist dann in absehbarer Zeit ja doch eine Gehaltserhöhung drin.

Tipp 3: Vereinbaren Sie Ziele

Sie müssen eine Gehaltserhöhung ablehnen, weil die Leistung Ihres Mitarbeiters nicht stimmt? Lehnen Sie die Anfrage nicht einfach nur ab. Erarbeiten Sie gemeinsam einen Plan, wie er seine Arbeit verbessern kann, etwa mit SMART-Goals.

Indem Sie ihm für bestimmte Leistungssteigerungen die Chance auf mehr Gehalt bieten, spornen Sie Ihren Mitarbeiter an. Und sorgen so dafür, dass er jeden Tag sein Bestes für Ihren und auch seinen Erfolg gibt.

Das sollten Sie natürlich nur dann tun, wenn Sie ihm die Gehaltserhöhung zu einem späteren Zeitpunkt sicher zusagen können.

Vielleicht muss es auch gar nicht eine finanzielle Belohnung sein. Viele Mitarbeiter ziehen mehr Urlaubstage, Homeoffice oder andere Benefits einer Gehaltserhöhung sogar vor. 

Tipp 4: Sprechen Sie ehrlich über Zahlen

Was Sie Ihren Mitarbeitern zahlen können und dürfen, bewegt sich in den meisten Fällen innerhalb eines streng vorgegebenen und begrenzten Rahmens. Sprechen Sie mit Ihrem Mitarbeiter offen und ehrlich über die Berechnungsgrundlage für sein Gehalt.

Mittels der Gehaltsübersicht von Robert Half für Finanz-, IT- und kaufmännische Berufe zeigen Sie zudem, wo ihr Mitarbeiter im Marktvergleich steht.

Machen Sie ihm deutlich, dass Sie momentan keinerlei Spielraum haben, mehr für ihn herauszuholen – wenn seine Leistung stimmt. Idealerweise können Sie ihm ein Datum oder einen Zeitraum nennen, wann eine Gehaltserhöhung wieder möglich ist.

Der Abstand zwischen den Gesprächen sollte übrigens innerhalb eines Jahres sein. Setzen Sie sich spätestens nach 12 Monaten also wieder mit Ihrem Mitarbeiter zusammen.

Das ist nur fair. In Ausnahmefällen ist eine erneute Gehaltsverhandlung sogar früher angebracht, etwa wenn

  • Ihr Mitarbeiter ein großes Projekt erfolgreich beendet oder einen neuen Kunden gewonnen hat.
  • seine Führungsverantwortung steigt.
  • er Aufgaben übernimmt, die nicht in seiner Jobbeschreibung stehen.
  • Sie endlich das Budget dafür haben, Ihrem Mitarbeiter für seine hervorragenden Leistungen auch mehr zu zahlen. Ein guter Zeitpunkt ist häufig zu Beginn des Jahres: Ihr Budget ist noch unverbraucht und Sie haben mehr Spielraum.

Tipp 5: Lehnen Sie nicht nur ab

Blocken Sie in der Gehaltsverhandlung mit Ihrem Mitarbeiter nicht alle Wünsche ab. Versuchen Sie, Wege zu finden, damit Ihr Mitarbeiter weiterhin mit Freude bei Ihnen arbeitet, weil er sich wertgeschätzt fühlt.

Bieten Sie ihm zum Beispiel Benefits wie mehr Urlaubstage oder Zuschüsse für Weiterbildungen statt mehr Geld.

Oder unterstützen Sie Ihren Mitarbeiter mit einem top eingerichteten, modernen Arbeitsplatz, einem Tablet und Smartphone.

Auch, wenn Sie einen Zuschuss zum Kindergarten oder für die Fahrt zur Arbeit zahlen, zeigen Sie Ihrem Mitarbeiter, dass Sie eine Lösung finden wollen, die für beide Seiten akzeptabel ist.

in den Gesprächen mit Bewerbern werden aktuell am häufigsten genannt:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Home-Office/Telearbeit
  • Fahrtkostenzuschuss
  • Gesundheitsprogramme
  • Betriebsrente

Mitarbeiter kündigen selten aufgrund abgelehnter Gehaltserhöhung

Befürchten Sie, dass Ihr Top-Mitarbeiter kündigt, weil Sie seine Gehaltserhöhung abgelehnt haben? Das müssen Sie nicht. Denn diese Tatsache ist viel seltener ein Grund dafür, den Arbeitgeber zu wechseln, als Vorgesetzte glauben.

Das ist das überraschende Ergebnis zweier Studien von Robert Half. Nur 11% der befragten Angestellten gaben an, dass eine gescheiterte Gehaltsverhandlung der Auslöser dafür sei, sich nach einer neuen Stelle umzusehen.

Der Großteil der Arbeitnehmer reagiert viel geduldiger und verständnisvoller: Die Mehrheit (52%) wartet einfach auf das nächste Mitarbeitergespräch, um erneut den Wunsch nach mehr Gehalt zu äußern.

33% der Mitarbeiter bitten um andere Vorteile wie Zusatzleistungen, Fortbildungen oder andere Aufgaben im Unternehmen, die langfristig besser bezahlt sind.

Das zeigt: Gehalt ist nicht alles, wenn es darum geht, dass Ihre Mitarbeiter im Job jeden Tag ihr Bestes geben und mit Freude arbeiten. Schließlich gibt es neben dem Verdienst viele weitere Faktoren, die das Glück Ihrer Mitarbeiter – und damit auch Ihre Motivation und Leistung – beeinflussen.

Sechs davon haben wir in unserer Studie zu den Glücksfaktoren am Arbeitsplatz identifiziert – wie:

  • Fairness und Respekt,
  • eine offene Unternehmenskultur,
  • verantwortungsvolle Aufgaben,
  • Wertschätzung,
  • sinnstiftende Arbeit und ein
  • starker Teamspirit.

Denken Sie daher daran: Bei einer Gehaltsverhandlung geht es nie nur ums Geld, sondern immer auch um Zufriedenheit und Motivation.

Bildquelle: © FangXiaoNuo - Istockphoto.com

 

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