Gehalt nachverhandeln nach dem Vorstellungsgespräch: So klappt’s

Von Alenka Mladina 13. September 2018

Sie hatten ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch, das Unternehmen will Sie einstellen. Großartig – wäre da nicht dieses ärgerliche Detail: Sie haben im Nachhinein das Gefühl, sich unter Wert verkauft zu haben. Wie also jetzt beim Gehalt nachverhandeln? Hier erfahren Sie alles Wichtige zu guten Argumenten und dem richtigen Timing.

  • Wann sollten Sie das Gehalt nicht nachverhandeln?
  • Gehalt nachverhandeln: Diese Argumente zählen auch nach dem Vorstellungsgespräch
  • Gehalt zu niedrig nach Vorstellungsgespräch: Das Timing muss stimmen
  • Das Nachverhandeln hat keine Gehaltserhöhung gebracht – was nun?
  • Wann sollten Sie das Gehalt nicht nachverhandeln?

Natürlich ist es ärgerlich, wenn sich in Ihnen nach dem Jobinterview ein ungutes Gefühl bezüglich des von Ihnen genannten Gehaltswunsches breit macht. Doch nicht immer ist es empfehlenswert, das Thema noch einmal auf den Tisch zu bringen.

Es gibt Voraussetzungen, unter denen Sie auf ein Nachverhandeln auch dann verzichten sollten, wenn Sie nach dem Vorstellungsgespräch mit der vereinbarten Entlohnung unzufrieden sind. Schließlich geht Ihr neuer Arbeitgeber davon aus, dass Sie sich vor dem Vorstellungsgespräch Gedanken über Ihr Gehalt gemacht haben.

Zudem wird die andere Seite Ihre Zusage zu den genannten Bedingungen zunächst als bindend betrachten. Lassen Sie also den Gedanken fallen, in Sachen Gehalt nachzuverhandeln, wenn Sie nicht mehr als diese Gründe zu bieten haben:

  1. Sie sind ein leidenschaftlicher Verhandler und wollen sich mit einem weiteren Gehaltspoker profilieren.
    Gehören Sie zu diesem Personenkreis, sollten Sie direkt auf die Bremse treten. Der Grund: Es ist nicht abzusehen, inwieweit Ihnen dieses Verhalten negativ ausgelegt wird. Im schlimmsten Fall entscheidet sich der Arbeitgeber in spe am Ende gegen Sie. Zudem lehnen Sie sich bei der Gehaltsverhandlung vielleicht so weit aus dem Fenster, dass Sie nicht mehr ohne Gesichtsverlust zurückrudern können und auf den Job verzichten müssen.
     
  2. Sie haben das diffuse Gefühl, dass Sie hätten mehr verlangen können und sich beim Gehalt unter Wert verkauft haben.
    Ist dieser Gedanke das einzige Argument dafür, dass Sie nachverhandeln möchten? So hart es klingt: Das reicht nicht. Das Unternehmen hat diesen Punkt schließlich mit Ihnen besprochen. Und Sie haben unterm Strich ganz einfach zu schlecht verhandelt.
    Dass Sie dies nun im Nachhinein geraderücken möchten, ist verständlich – aber aus Perspektive Ihres neuen Arbeitgebers kein wirklicher Grund für eine Nachverhandlung. Die meisten Unternehmen dürften in diesem Fall nicht auf Ihr Anliegen eingehen. Und: Ihr Verhalten wirft unter Umständen sogar ein schlechtes Licht auf Ihre Persönlichkeit.
     
  3. Sie schieben ein besseres Angebot Ihres alten Arbeitgebers vor, das allerdings gar nicht existiert.
    Vorsicht! Was Ihnen wie ein cleverer Schachzug erscheinen mag, könnte zum heftigen Bumerang werden. Auch hier hilft der Grundsatz: Immer schön bei der Wahrheit bleiben. Bedenken Sie alleine diese beiden Varianten:
    Option eins: Das Unternehmen winkt ab mit der Begründung, dass ihm Ihr neuer Gehaltswunsch zu hoch ist. Gleichzeitig wünscht er Ihnen viel Glück für die andere Stelle, weil Sie offenbar woanders motivierter und zufriedener arbeiten können. Fazit: Sie sind Ihre neue Stelle los, bevor Sie sie angetreten haben.
    Variante zwei: Die Personaler auf der anderen Seite sind möglicherweise exzellent vernetzt. Sie bringen in Erfahrung, dass es das von Ihnen ins Spiel gebrachte Angebot gar nicht gibt. Nun halten die Personaler Ihr Verhalten und Ihre Persönlichkeit für fragwürdig. Die Konsequenz: Das Interesse an Ihnen als Mitarbeiter ist futsch.

Vergessen Sie diese Idee also am besten sofort wieder.

Gehalt nachverhandeln: Diese Argumente zählen auch nach dem Vorstellungsgespräch

Natürlich gibt es auch gewichtige Argumente, die es rechtfertigen, das im Vorstellungsgespräch vereinbarte Gehalt nachzuverhandeln. Diese haben stets mit einer Änderung der Rahmenbedingungen zu tun, die Sie in Ihrem Gespräch mit der Unternehmensseite anders besprochen hatten. Eins der folgenden Argumente sollten Sie für eine Nachverhandlung in petto haben:

  1. Sie erhalten den Vertrag und erkennen: Stellen- und Aufgabenbeschreibung sind deutlich umfangreicher als besprochen.
    Bleiben Sie möglichst ruhig, wenn es in eine entsprechende Nachverhandlung geht. Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie nicht vorwurfsvoll klingen. Dennoch sollten Sie klarstellen, dass es nicht daran liegt, dass Ihnen die Arbeit zu viel ist. Ihre Anfrage soll rein professionell wirken: Sie haben entdeckt, dass mehr gefordert wird. Und möchten, dass sich das im Gehalt niederschlägt.
     
  2. Sie stellen fest, dass Sie deutlich mehr Verantwortung übernehmen sollen, als im Vorstellungsgespräch vermittelt wurde.
    Achten Sie darauf, dass Sie dieses Mehr an Verantwortung an konkreten Begründungen und Beispielen festmachen. Weisen Sie in diesem Zusammenhang auf die Unterschiede zu den Aussagen im Gespräch hin. Bringen Sie dabei am besten Ihre Kompetenz ins Spiel: Demonstrieren Sie, dass Sie einen Blick für Zusammenhänge, Verantwortlichkeiten und Lösungsstrategien haben.
     
  3. Im Arbeitsvertrag finden sich Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit oder Aufgaben, die so nicht besprochen waren.
    Überlegen Sie sich für die Nachverhandlung Argumente und Erklärungsansätze, weshalb die veränderten Rahmenbedingungen Ihnen die Arbeit deutlich erschweren, Sie dadurch mehr leisten müssen und Sie deshalb ein höheres Gehalt anstreben.

Nach dem Vorstellungsgespräch zu niedriges Gehalt thematisieren: Das richtige Timing

Auch der Zeitpunkt ist entscheidend dafür, wenn Sie den – unter normalen Umständen ungewöhnlichen – Schritt gehen. Um das im Vorstellungsgespräch vereinbarte Gehalt nachzuverhandeln, bieten sich drei Zeitfenster an.

  • Sie haben den Arbeitsvertrag noch nicht unterzeichnet
    Sie kommen aus dem Vorstellungsgespräch und haben bereits eine mündliche Zusage für die Stelle. Noch ist der Vertrag jedoch nicht unterzeichnet. Wenn Sie nach Vorliegen des Vertrags feststellen, dass eines der oben genannten Argumente zutrifft, sollten Sie das Thema umgehend ansprechen. Mit entsprechendem Fingerspitzengefühl und überzeugenden Begründungen können Sie um eine neue Verhandlungsrunde bitten.
     
  • Sie befinden sich sechs bis acht Wochen in der Probezeit
    Ein Zeitpunkt, bei dem gute Argumente nach den erwähnten Kriterien besonders wichtig sind. Schließlich ist die Probezeit dazu da, dass nicht nur Sie, sondern auch die Verantwortlichen im Unternehmen genau hinsehen, ob Sie zueinander passen. Aber: Da Sie den Arbeitsvertrag bereits unterzeichnet und die Bedingungen damit akzeptiert haben, sollten Sie sich in den ersten Wochen in Ihrem neuen Job auch bewiesen haben. Dann haben Sie ein weitaus besseres Standing für eine Nachverhandlung.
     
  • Sie haben die Probezeit beendet
    Ein Zeitpunkt, an dem eine Nachverhandlung ganz besonders legitim sein kann – schließlich haben Sie den ersten Karriereabschnitt im neuen Unternehmen erfolgreich hinter sich gebracht und wissen, wie die Position ausgestaltet ist. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie neben den möglichen genannten Argumenten gute Leistungen gezeigt haben. Sollten Sie eher auf der Kippe gestanden haben, wäre das ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um mehr Geld zu fordern.  

Das Nachverhandeln hat keine Gehaltserhöhung gebracht – was nun?

Sie hatten keinen Erfolg bei der Nachverhandlung oder können sie gar nicht erst angehen, da Ihnen gute Argumente fehlen? Versuchen Sie Ihrer Unzufriedenheit den Spaß an Ihrem neuen Job entgegenzusetzen. Und sehen Sie es als lehrreiche Erfahrung: Das nächste Mal werden Sie bei der Gehaltsverhandlung einfach besser vorbereitet sein.

Nehmen Sie das Ganze zudem als Ausgangspunkt für Ihre persönliche Entwicklung innerhalb des Unternehmens. Es dauert nur wenige Monate und Sie können mit neuen Forderungen und Argumenten in die nächste Gehaltsrunde gehen.

Für Gehaltsverhandlungen ist es wichtig, den eigenen Marktwert zu kennen. Unser Gehaltsrechner für Finanz- IT- und kaufmännische Berufe bietet Ihnen einen guten Überblick über marktübliche Gehälter und damit eine wichtige Argumentationsgrundlage für künftige Gehaltsverhandlungen.

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Bildquelle: © bruce mars - Unsplash.com

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