Gehalt angeben: So geraten Sie nicht ins Schleudern

Von Alenka Mladina 31. Juli 2018

Ob im Bewerbungsanschreiben oder im Gespräch mit dem Vorgesetzten: Vielen Menschen fällt es schwer, ihre Gehaltsvorstellung zu formulieren. Adrian Kandel, Personalexperte und Director bei Robert Half, erklärt im Interview, worauf Sie achten sollten - und welche Fehler es zu vermeiden gilt.

Gehaltsvorstellung angeben fällt vielen schwer

Das Bewerbungsgespräch ist gut gelaufen. Bis jetzt. Doch dann fragt der Personaler: „Und, welches Gehalt stellen Sie sich vor, wenn Sie bei uns anfangen?“

Ojemine! Sie merken, wie Ihnen das Blut in den Kopf steigt und beginnen, leicht zu transpirieren. Jetzt bloß nichts Falsches sagen!

Über Geld zu sprechen fällt vielen schwer – vor allem, wenn es um das eigene Gehalt geht. Dabei ist der Verdienst ein wichtiges Thema.

Adrian Kandel, Associate Director bei Robert Half in München, erklärt, worauf Sie achten sollten, wenn Sie Ihre Gehaltsvorstellung angeben.

Adrian, viele Menschen finden es schwierig, ihre Gehaltsvorstellung zu formulieren. Warum ist das so?

Gehalt ist gerade in Deutschland immer noch ein Tabu-Thema. Kaum jemand erzählt offen, wie viel er verdient. Das hat zur Folge: Erstens wird viel über das Gehalt der anderen gemutmaßt.

Zweitens wissen viele Menschen nicht, was sie angeben sollen, wenn sie explizit nach ihrer Gehaltsvorstellung gefragt werden. Im Bewerbungsgespräch zum Beispiel sind sie aufgeregt und haben Angst, sich durch eine falsche Antwort ins Aus zu manövrieren.

Oft wird schon in den Stellenanzeigen darum gebeten, eine Gehaltsvorstellung anzugeben. Zeugt es nicht von Diskretion, wenn ich als Bewerber meinen Gehaltswunsch trotzdem verschweige?

Ganz klar: Nein! Das wäre höchstens falsche Zurückhaltung. Wenn Sie dazu aufgefordert werden, Ihre Gehaltsvorstellung zu formulieren, sollten Sie dies auch tun.

Ansonsten denkt der Personaler, Sie hätten das Jobangebot nicht richtig gelesen oder könnten Ihren Marktwert nicht einschätzen – und verbucht es als Minus für Ihre Bewerbung.

Was empfiehlst Du Bewerbern stattdessen?

Informieren Sie sich im Vorfeld über branchenübliche Gehälter, zum Beispiel anhand des Gehaltsrechners von Robert Half. Nutzen Sie dann im Anschreiben eine Formulierung wie

„Meine Gehaltsvorstellung liegt bei XY Euro“

und geben Sie dann das Brutto-Jahresgehalt an, das Sie für angemessen halten.

Bei einem Jobwechsel können Sie auch das aktuelle Jahresgehalt angeben. Das beantwortet zwar nicht die Frage nach dem Gehaltswunsch, zeigt aber, dass Sie die Frage registriert haben und stellt eine Verhandlungsgrundlage für das spätere Gespräch dar. 

In diesem Fall schwingt allerdings etwas Risiko mit. Ist nämlich erst einmal eine Zahl genannt, werden Sie sich schwer weit davon wegbewegen können. 

Am genauesten und einfachsten definieren Sie Ihre Gehaltsvorstellung, wenn Sie sich von einem Personalberater bei der Jobsuche unterstützen lassen - selbstverständlich kostenlos.

Er kennt den Markt genau, hat sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt und weiß, welcher Verdienst bei Ihrer Erfahrung und Qualifikation aktuell angemessen ist.

An welcher Stelle im Anschreiben soll ich meine Gehaltsvorstellung nennen?

Der Gehaltswunsch gehört ans Ende des Anschreibens. Entweder als abschließender Satz oder aber als Post Scriptum.

Es bleibt Ihnen überlassen, ob Sie konkret antworten und einen genauen Betrag nennen oder Verhandlungsbereitschaft signalisieren, indem Sie einen Zielbereich beschreiben. Das liest sich dann etwa so:

„Meine Gehaltsvorstellungen bewegen sich zwischen 46.500 und 49.500 Euro jährlich. Details würde ich gern in einem persönlichen Gespräch klären.“

Das Anschreiben ist geschafft. Nun steht das Bewerbungsgespräch an und ich soll im Gespräch mit dem Personaler meine Gehaltsvorstellung angeben. Wie gehe ich vor?

Bewerber sollten mit Feingefühl auf das Thema zu sprechen kommen. Wir hatten mal einen recht selbstbewussten Bewerber. Ich habe ihm die Stelle und das Unternehmen vorgestellt. 

Noch bevor ich ihm eine Frage stellen konnte, sagte er „Um eines von Anfang an gleich klarzustellen: Für unter 50.000 Euro fange ich auf keinen Fall dort an.“ Da war ich erst mal baff.

Und, hat er die Stelle bekommen?

Natürlich nicht. Dieses Verhalten wirkte auf mich unverschämt und gierig. Einen solchen Kollegen möchte niemand haben und möchte ich nicht beim Kunden vorstellen. 

Deshalb ganz wichtig: Fragen Sie im Gespräch nicht zu früh nach Geld. Ähnlich wie beim Anschreiben ist es passend, zum Ende des Interviews hin über das Gehalt zu reden.

Im Idealfall schneidet der Personaler das Thema selbst an. Wichtig ist, dass Sie eine konkrete Vorstellung über die Höhe Ihres Gehaltswunsches haben – und Argumente, die den angestrebten Verdienst rechtfertigen.

Welche Fehler gilt es noch zu vermeiden?

Sowohl im Bewerbungsgespräch als auch bei späteren Gehaltsgesprächen mit Ihrem Vorgesetzten sollten Sie nicht zu hoch pokern. Generell empfehle ich immer, eine Gehaltsspanne zu nennen. 

Damit zeigen Sie zum einen Kompromissbereitschaft und Sie halten sich eine Möglichkeit offen, ihren finalen Gehaltswunsch anzupassen. 

Im Gespräch könnte sich beispielsweise ergeben, dass das Unternehmen tolle Benefits wie flexible Arbeitszeiten oder Weiterbildungen anbietet. Das sollten Sie bei der Gehaltsformulierung einkalkulieren.

Also doch lieber bescheiden bleiben und hoffen, dass der Verhandlungspartner meine Qualität erkennt und honoriert?

Nein, auch das ist eine Falle, in die manch ein Bewerber tappt. Es gibt da eine leichte Tendenz bei Frauen. Sie sind eher zurückhaltend mit Ihren Gehaltsforderungen. 

Ihnen sind andere Dinge oft viel wichtiger, zum Beispiel in einem harmonischen Team zu arbeiten, ein Danke zu hören oder auch Teilzeit arbeiten zu können. Dafür sind sie bereit, etwas weniger Gehalt einzustecken. 

Auf der anderen Seite sehen es immer noch viele Ehemänner und Väter in ihrer Verantwortung, finanziell für die Familie zu sorgen. Deshalb sind sie oft mutiger und weniger nachgiebig in Gehaltsverhandlungen. 

Aber bitte, verstehen Sie mich nicht falsch. Ein Familienvater zu sein ist kein Grund, mehr Gehalt zu verlangen. Die Qualifikation für eine Stelle und die Ergebnisse, die man erreicht hat, zählen.

Was ist der größte Fehler, den ein Bewerber bei der Gehaltsangabe machen kann?

Mein Rat für beide - Mann oder Frau - ist: Verkaufen Sie sich bloß nicht unter Wert! Auch nicht im Bewerbungsgespräch.

Im Interview möchte der Personalentscheider mit der Frage nach der Gehaltsvorstellung herausfinden, ob Sie Ihre Leistungen und Qualifikationen realistisch einschätzen können.

Am Ende wird er sich für den vielversprechendsten Kandidaten entscheiden – nicht für den, der am bescheidensten gewirkt hat.

Haben Sie noch weitere Tipps für die Gehaltsverhandlung?

Niemals sollten Sie Ihren Verhandlungspartner erpressen. Hier fällt mir ein Ex-Kollege ein, der zum Chef sagte: „Entweder Sie zahlen mir mehr Gehalt oder ich wechsele zur Konkurrenz“. 

Dieser Kollege ist nun nicht mehr in der Firma. Sein dreistes Auftreten und die Drohung hat die Zusammenarbeit so stark belastet, dass es wenige Wochen nach der Eskalation zur Trennung kam.

Außerdem ist bei einer Gehaltsverhandlung oft auch das Timing entscheidend. Wählen Sie einen Zeitpunkt, an dem es dem Unternehmen oder der Branche wirtschaftlich gut geht.

Gespräche zwischen Tür und Angel sind hingegen wenig erfolgversprechend. Und was auch gar nicht geht ist, bei der Weihnachtsfeier nach zwei, drei Drinks dem Chef ins Ohr zu flöten: „Finden Sie nicht auch, dass ich mehr Geld verdient habe?“.

Vereinbaren Sie stattdessen einen Termin und kündigen Sie Ihrem Chef an, dass Sie sich über das Gehalt unterhalten möchten. Wenn Sie dann noch die richtigen Argumente, wie etwa den größeren Verantwortungsbereich oder erfolgreich abgeschlossene Projekte vorweisen können, winkt Ihnen vermutlich ganz bald schon ein schönes Gehaltsplus.

Sie haben weitere Fragen rund um das Thema Gehalt? Schreiben Sie an [email protected], wir beantworten Ihre Fragen gerne.

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