Führen in Teilzeit: Junge Mütter in die Chefetagen!

Von Christina Holl 27. März 2014

Sie sind jung, gut ausgebildet und ehrgeizig. Junge Frauen wollen Karriere machen. Doch spätestens, wenn sie eine Familie gründen, ist in vielen Unternehmen Schluss.

In 63 % der Firmen arbeiten Frauen nach der Elternzeit häufig in Teilzeit. Ihr Aufstieg ist damit meist abgesagt. Talente versauern irgendwo in den Abteilungen oder kehren nach der Elternzeit erst gar nicht zurück. In zwei von drei Unternehmen findet sich nicht einmal die Hälfte wieder am alten Arbeitsplatz ein. Umdenken kann Abhilfe schaffen. Denn Führen ist längst auch in Teilzeit möglich.

Einige Leser können sich vielleicht noch an Luise erinnern – eine meiner Freundinnen aus der Frauentagsrunde. Erst kürzlich war sie in die Geschäftsführung aufgestiegen. Gestern haben wir telefoniert. Alles läuft gut – mit Kindern, Ehemann und neuer Funktion. Der Alltag verlangt viel Organisation. Aber auch die Großeltern helfen oft und freuen sich, wenn sie die Enkelkinder mal für sich haben.

Nach Elternzeit Teilzeit: So mancher Arbeitgeber sträubt sich

Dass sie mit ihrem Arbeitgeber ganz schön viel Glück hat, sei ihr erst kürzlich bewusst geworden, als unsere gemeinsame Freundin Michaela vom Ärger mit ihrem Chef erzählte. Ein Jahr Elternzeit ist bald vorüber. Um trotzdem genug Zeit für den Sohn zu haben, möchte sie ihre Abteilungsleiter-Stelle in Teilzeit ausüben. Ihr Chef flüchtet sich in Ausreden. Er sehe da betriebsbedingt keine Möglichkeiten.

In der Elternzeit ist Teilzeit bei anderem Unternehmen möglich

Obwohl in Unternehmen ab 15 Mitarbeitern Anspruch auf Teilzeit besteht, geht es offenbar vielen jungen Müttern wie Michaela. In unserer Robert Half-Studie gaben über 60 Prozent der befragten HR-Manager an, dass mehr als die Hälfte der Mitarbeiterinnen in Führungspositionen nach Mutterschutz oder Elternzeit nicht zurückkehren. Vermutlich fehlen seitens der Arbeitgeber passende Angebote.

„Dein Chef hat‘s einfach noch nicht begriffen“, kommentierte Luise und ermutigte Michaela, nach einer anderen Teilzeitstelle zu suchen. Immerhin erlaubt das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, bei anderen Arbeitgebern anzuheuern. Und der alte Arbeitgeber muss die Stelle trotzdem bis zum Ende der dreijährigen Elternzeit frei halten.

Job Sharing: Lohnendes Modell für die Teilzeit nach der Elternzeit

Am Telefon gestern erzählte Luise noch von ihren Plänen, wieder in Teilzeit arbeiten zu wollen, wenn ihre Kinder eingeschult werden. In der Geschäftsführung sprechen sie deshalb seit einiger Zeit über Job Sharing. In den nächsten Monaten sucht Luise nach einer Vertretung, die den anderen Teil ihrer Stelle übernimmt. Im günstigsten Fall ist das auch eine Frau mit kleinen Kindern. So gäbe es wieder eine junge Mutter mehr in deutschen Chefetagen.

Haben Sie schon Erfahrungen mit einem Teilzeitjob nach Elternzeit gemacht? Wie war für Sie der Wiedereinstieg?

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