Durch langsames Recruiting riskieren Unternehmen ihre wirtschaftliche Zukunft

Von Sven Hennige 23. März 2018

Aller Unsicherheit durch die Digitalisierung und der schleppenden wirtschaftlichen Entwicklung in Europa zum Trotz: Der deutschen Wirtschaft geht es prächtig. Sie ist 2017 um 2,2% gewachsen1, die Arbeitslosigkeit wurde auf 5,7% gesenkt2 und die Gehälter steigen weiter an. So weit, so gut.

Es gibt aber eine Kehrseite der Medaille: Deutschland gehen die Fachkräfte aus. Im vierten Quartal 2017 waren rund 1,2 Millionen Stellen bei Unternehmen in Deutschland unbesetzt – mehr als jemals zuvor3.

Dauer der Stellenbesetzung annähernd verdoppelt

Aus Perspektive der Unternehmen betrachtet, wird die Personalproblematik an der Kennzahl Time-to-hire gemessen noch deutlicher: Sie gibt an, wie viel Zeit zwischen der Ausschreibung einer Stelle und ihrer Besetzung vergeht.

2016 haben Arbeitgeber hierzulande durchschnittlich 62 Tage benötigt, um freie Stellen zu füllen. Vor sechs Jahren lag der Wert ganze 27% deutlich darunter, nämlich bei nur 45 Tagen. Im Fachkräftebereich ist die Time-to-hire sogar noch deutlich höher: Beispielsweise benötigten Unternehmen im vergangenen Jahr durchschnittlich 148 Tage, um einen Software-Entwickler einzustellen.4  

Ich halte das für ein dramatisches Ergebnis, denn Firmen mit derart langen Einstellungszeiträumen riskieren in meinen Augen ihre Zukunftsfähigkeit.

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Lange Personalsuche: Umsatzverluste in Milliardenhöhe

Immer wieder stoße ich auf Personalentscheider, denen die Kosten einer unbesetzten Stelle überhaupt nicht bewusst sind oder diese für irrelevant halten – eine gefährliche Fehlannahme! Denn tatsächlich ist exakt das Gegenteil der Fall: Jede Position im Unternehmen generiert direkt oder indirekt Umsatz – und wenn die Stelle vakant bleibt, geht Ihnen dieser Umsatz verloren.

Durchschnittlich erwirtschaftet jeder Arbeitnehmer in Deutschland etwa 329 Euro pro Arbeitstag (eigene Berechnung auf Basis des Jahresumsatzes und Anzahl der Arbeitstage pro Arbeitnehmer5.

Die durchschnittlichen Umsatzeinbußen vakanter Stellen in Deutschland pro Tag dürften sogar noch darüber liegen. Immerhin werden in der Regel Fachkräfte und Spezialisten gesucht, die überdurchschnittlich viel Umsatz erwirtschaften.

Unbesetzte Bürostühle schaden der Belegschaft

Die Folgen vakanter Stellen sind jedoch noch vielfältiger und gehen weit über finanzielle Aspekte hinaus. Die Leidtragenden des langsamen Recruitings sind nämlich die Angestellten: Ihnen fehlen die Kolleginnen und Kollegen. Das resultiert oft in Mehrarbeit. Und die mündet nicht selten in Stress, sinkender Motivation und sogar gesundheitlichen Folgen. Lang dauernde Rekrutierungsprozesse mindern also die Leistungsbereitschaft und
-fähigkeit
der Belegschaft.

Langsames Recruiting vergrault die besten Kandidaten

Dauern Einstellungsprozesse in einem Unternehmen regelmäßig lang und sind umständlich aufgebaut, wirkt sich das aber noch auf eine weitere Art und Weise aus: Auf lange Sicht schadet dies dem Ruf der Arbeitgebermarke und der Bewerbungseingang passender Kandidaten lässt immer stärker nach. In der Folge dauert die Personalsuche dann noch länger.

Der unmittelbare Effekt ist aber noch dramatischer: Fach- und Führungskräften, die sich beruflich verändern möchten, liegen heute meist mehrere Angebote vor. Lässt sich ein Unternehmen viel Zeit, sind die Kandidaten oft nicht bereit zu warten und springen ab.

Unsere aktuelle Arbeitnehmerbefragung zeigt: Schlechte Kommunikation und verzögerte Entscheidungsfindung sind für Büroangestellte die frustrierendsten Aspekte des Bewerbungsprozesses. 66% der Bewerber verlieren sogar gänzlich das Interesse an einer Stelle, wenn Ihnen der Bewerbungsprozess zu lange dauert. Eine lange Time-to-hire bedeutet also gleich drei Nachteile mit sich:

  1. Massive Umsatzverluste
  2. Sinkende Leistungsfähigkeit der Belegschaft
  3. Schlechtere Chancen, gute neue Arbeitskräfte zu gewinnen

Über Ursachen zu jammern hilft nicht – handeln Sie!

Durch lange Rekrutierungsprozesse riskieren Sie, die besten Fachkräfte an den Wettbewerb zu verlieren und damit letztendlich ihre Zukunftsfähigkeit. Was ist also zu tun? Wer Personalentscheidungen trifft, sei es als Recruiter oder als Führungskraft, sollte prüfen: Wie lang dauert es durchschnittlich, bis vakante Stellen im eigenen Unternehmen oder ihrer Abteilung besetzt sind? Und welche finanziellen und personellen Kosten gehen damit einher?

Personalverantwortliche können jetzt natürlich darauf hoffen, dass die Problematik wie von Zauberhand gelöst wird – zum Beispiel durch wirtschafts- oder bildungspolitische Maßnahmen.

Aber seien Sie gewarnt: Wer auf eine generelle Lösung des Problems von außen hofft, wird enttäuscht werden. Aus diesem Dilemma können Sie sich nur befreien, indem Sie selbst für ein schnelles und erfolgreiches Recruiting in ihrem Verantwortungsbereich sorgen!

 

1Destatis 

2 Statista 

3 Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

4 Bundesagentur für Arbeit 

5 Berechnung anhand folgender Formel:

Ø Umsatz pro Person & Tag = Ø Jahresumsatz pro Arbeitendem ¸ Ø Anzahl der Arbeitstage (vgl. Dr. John Sullivan)

 

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