Diskriminierung im Job hat viele Formen – das können Sie dagegen tun

Von Alenka Mladina 15. Juni 2018

Hatten Sie schon mal das Gefühl, im Job benachteiligt zu sein? Damit stehen Sie nicht alleine: Jeder dritte Deutsche fühlt sich auf der Arbeit unfair behandelt.

Wie Diskriminierung am Arbeitsplatz aussehen kann und wie Sie dagegen vorgehen können, lesen Sie hier. 

Anker-Inhaltsverzeichnis:

  • Viele Beispiele für Diskriminierung am Arbeitsplatz 
  • Unbedachte Sprüche: Lustig für die einen – diskriminierend für die anderen 
  • Wenn immer jemand anders befördert wird 
  • Gesetz soll Diskriminierung am Arbeitsplatz verhindern
  • Das können Sie tun, wenn Sie sich diskriminiert fühlen
  • Arbeitgeber muss für Gleichbehandlung sorgen
  • Was tun, wenn der Chef nicht reagiert 

Neulich in der Bahn: Zwei junge Frauen reden über ihre Jobs. „Du glaubst nicht, was bei mir auf der Arbeit passiert ist“, sagt die eine. „Ich habe ja kürzlich geheiratet. Und jetzt hat mein Chef die Leitung des Langzeitprojekts, die er mir fest versprochen hatte, einfach einem Kollegen übertragen. Als ich ihn gefragt habe warum, ist er ausgewichen. Aber über drei Ecken habe ich erfahren, dass er davon ausgeht, dass ich bald schwanger werde und dann sowieso ausfalle.“

„Unfassbar“, raunt die andere und zieht die Augenbrauen hoch. „Das ist doch ganz klar Diskriminierung am Arbeitsplatz! Was wirst du jetzt machen?“ 

Viele Beispiele für Diskriminierung am Arbeitsplatz 

Traurig, aber wahr: Die junge Frau ist mit ihrem Problem bei Weitem nicht die einzige. Laut der aktuellen Studie „The Workforce View in Europe 2018“ fühlt sich etwa jeder Dritte im Job unfair behandelt.

Stellt sich die Frage: Was ist Diskriminierung am Arbeitsplatz? Per Definition bezeichnet Diskriminierung ganz allgemein

eine Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen nach Maßgabe bestimmter Wertvorstellungen oder aufgrund unreflektierter, teilweise auch unbewusster Einstellungen, Vorurteile oder emotionaler Assoziationen.

So komplex diese Definition klingt, so vielfältig sind auch die Beispiele für Diskriminierung am Arbeitsplatz. So werden, wie im Eingangsbeispiel, immer noch häufig Frauen im Beruf benachteiligt und erhalten im Schnitt weniger Lohn als Männer – Stichwort: Gender Pay Gap.

Auch erfahren Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder einer Behinderung, wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Alters Diskriminierung am Arbeitsplatz.

Unbedachte Sprüche: Lustig für die einen – diskriminierend für die anderen 

Häufig beginnt es mit unbedachten, womöglich gar lustig gemeinten Sprüchen im Büro. Sie hinterlassen bei denen, auf die sie abzielen, ein ungutes Gefühl – ein Gefühl von Diskriminierung.

Eine Angestellte, deren Vater aus Nigeria stammt, berichtet beispielsweise, wie sehr es sie nervt, wenn ihr Kollegen ungefragt durch die Locken fahren und „Black Power“ rufen. Oder ihren „exotischen Teint“ loben und davon ausgehen, dass sie aufgrund ihrer Gene „ja bestimmt Rhythmus im Blut“ habe.

Oft erzählen nicht-weiße Menschen auch davon, wie sie beim Bewerbungsgespräch für ihr gutes Deutsch gelobt werden – obwohl es ihre Muttersprache ist, sie in Deutschland geboren wurden und vielleicht sogar noch Germanistik studiert haben.

Wenn immer jemand anders befördert wird 

Die Ungleichbehandlung von Arbeitnehmern ist ein wichtiges und gleichzeitig schwieriges Thema. Nicht immer klopfen die Kollegen Sprüche, manchmal kommt Diskriminierung am Arbeitsplatz auch ganz subtil daher.

Vielleicht kennen Sie das nagende Gefühl, wenn schon wieder jemand anderes befördert wird, obwohl Sie selbst eigentlich an der Reihe wären. Oder der Kollege bei gleicher Leistung wesentlich mehr verdient.

Erst Studien haben beispielsweise zutage gebracht, dass Bewerber mit ausländisch klingenden Namen bei gleicher Qualifikation deutlich seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden als Menschen mit einem typisch deutschen Namen.

Gesetz soll Diskriminierung am Arbeitsplatz verhindern 

Dabei gibt es schon seit einigen Jahren ein Gesetz, das Diskriminierung am Arbeitsplatz – und in anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen – verhindern soll.

Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist 2006 in Kraft getreten und soll unter anderem Beschäftigte vor Benachteiligung schützen.

„Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen“, heißt es darin in Paragraf 1.

Das können Sie tun, wenn Sie sich diskriminiert fühlen

Allerdings sieht die Realität vielerorts noch anders aus. Doch wie sollen Sie vorgehen, wenn Sie sich am Arbeitsplatz unfair behandelt fühlen?

Versuchen Sie lieber nicht, das Problem allein mit sich auszumachen. Diskriminierung am Arbeitsplatz kann schwere psychische Folgen nach sich ziehen und Sie im schlimmsten Fall krank machen.

Suchen Sie sich lieber eine Vertrauensperson, mit der Sie über das Problem reden können.

Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung. Deshalb kann es eine Lösung sein, sich gute Antworten für die wiederkehrenden dummen Sprüche der Kollegen zurechtzulegen und schlagfertig zu kontern.

So wie der junge Mann mit polnischem Nachnamen: Obwohl er in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, bekam er von den Kollegen ständig Polenwitze zu hören. Als ihm wieder einmal jemand nachrief: „Oh, ich muss noch schnell das Auto abschließen, sonst steht der Wagen morgen in Polen“, erwiderte er: „Bei deiner Schrottkarre lohnt sich ja nicht mal die Ausfuhr!“ Seither seien die Sprüche weniger geworden. 

Arbeitgeber muss für Gleichbehandlung sorgen

Arbeitgeber muss für Gleichbehandlung im Job sorgen

Nicht jeder ist der Typ dafür, den Kollegen so Kontra zu geben. Wenn Sie nicht wissen, wie Sie die Diskriminierung am Arbeitsplatz selbstständig beenden können, sollten Sie sich an Ihren Arbeitgeber wenden.

Laut AGG ist dieser dazu verpflichtet, Personen oder Stellen im Unternehmen einzurichten, die sich um die Gleichbehandlung der Mitarbeiter sorgen. Dorthin können Sie sich mit Ihrem Anliegen wenden und eine Lösung besprechen.

 

Sammeln Sie im Vorfeld Beweise und schreiben Sie ein Gedächtnisprotokoll, in dem Sie mit Datum und Uhrzeit aufführen, wann und warum Sie sich diskriminiert fühlten. Gibt es Zeugen für die von Ihnen erfahrene Diskriminierung?

All das verhilft Ihnen nicht nur zu mehr Glaubhaftigkeit, sondern kann auch als Beweismittel dienen, wenn Sie im schlimmsten Fall vielleicht vor Gericht ziehen müssen.

Aufgabe des Arbeitgebers ist es, den Sachverhalt zu prüfen und die Diskriminierung am Arbeitsplatz für Sie zu beenden. Um dies durchzusetzen, darf er wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen, zum Beispiel die beteiligten Kollegen abmahnen, versetzen oder in besonders schweren Fällen – etwa sexueller Belästigung – sogar kündigen.

Was tun, wenn der Chef nicht reagiert?

Leider erhalten Opfer von Diskriminierung nicht immer Unterstützung von ihrem Arbeitgeber. Falls dies der Fall ist und Sie sich angesichts schwerer Diskriminierung am Arbeitsplatz nicht mehr in der Lage fühlen, ihren Job weiter auszuüben, ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen, zu kündigen.

Ziehen Sie jedoch zuvor unbedingt einen Rechtsanwalt zurate, um keine unangenehmen Folgen tragen zu müssen. Und bleiben Sie bei Ihrer Kündigung bitte unbedingt professionell.

Falls Ihr Arbeitgeber Sie nicht unterstützt, stehen Ihnen laut AGG diese Möglichkeiten offen:

  • Arbeitsverweigerung: Dieser Weg ist allerdings schwierig. Denn er birgt das Risiko einer Kündigung, wenn Sie die Diskriminierung nicht eindeutig nachweisen können. Beraten Sie sich daher auch hierbei unbedingt mit einen Anwalt, bevor Sie zu dieser Maßnahme greifen.
  • Arbeitgeber verklagen: Im Fall einer erfolgreichen Klage erhalten Sie Schadensersatz. Während des Prozesses können Sie sich von Antidiskriminierungsverbänden begleiten und unterstützen lassen.

Wir hoffen, dass Sie nicht zu diesen Mitteln greifen müssen. Manchmal ist es auch einfach besser, sind woanders für einen neuen Job zu bewerben.

Vielleicht finden Sie ja eine interessante Stelle in unserer täglich aktualisierten Jobbörse? Übrigens, bei uns können Sie sicher sein, dass Sie bei gleicher Qualifikation auch gleichberechtigte Chancen im Bewerbungsprozess und bei der Gehaltsverhandlung haben! 

 

 

Bildquelle: © Verne Ho & NeONBRAND - Unsplash.com

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