Die Digitalisierung beginnt schon beim Recruiting

Von Sven Hennige 26. April 2016

Die wichtigste Ressource im digitalen Wandel sind die Mitarbeiter. Um die Digitalisierung zu meistern, sollten sich Unternehmen deshalb vor allem um eines kümmern: ihre Personalstrategie. Und zwar so schnell wie möglich.

Deutschland hat in vielen Bereichen die Nase vorn: Wir erwirtschaften von allen EU-Ländern den größten Export-Überschuss und das höchste Bruttoinlandsprodukt. Die Süddeutsche Zeitung ist zwar skeptisch, aber einer US-Studie zufolge leben wir im "besten Land der Welt".

In einer wichtigen Kategorie schaffen wir es hingegen gerade noch in die Top 10 der EU-Länder: bei der Digitalisierung. Im Digital Economy Society Index (DESI) der Europäischen Kommission landet Deutschland nur auf Platz 9. Zu wenig, um auf globalen Märkten konkurrenzfähig zu sein, fürchtet EU-Digitalkommissar Günther Oettinger.

Zwar haben wir uns im vergangenen Jahr laut DESI schneller entwickelt als der europäische Durchschnitt, dennoch sind wir in Sachen digitaler Wandel noch nicht an der europäischen Spitze angekommen. Um das zu erreichen, ist eines besonders wichtig: Eine Personalstrategie, welche die Digitalisierung stützt.

Manager zweifeln an den Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter

Das sehen auch die deutschen Finanzvorstände so. Zwar zeigt die Arbeitsmarktstudie 2016 eine positive Grundstimmung: 90 % der teilnehmenden CFOs sind zuversichtlich, dass sie mit dem aktuellen Niveau der Umsetzung gut auf künftige geschäftliche Herausforderungen vorbereitet sind.

Sie erkennen aber auch, dass manche Bereiche noch mehr Aufmerksamkeit benötigen – zum Beispiel die Personalstrategie: Drei von vier CFOs sorgen sich der „Studie: Finance 2020“ zufolge um die digitalen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter. Sie zweifeln, dass deren Kompetenzen ausreichen, um die bis 2017 gesteckten Firmenziele zu erreichen.

Download Studie Finance 2020

Der DESI bestätigt diese Analyse: Die Kategorie „Humankapital“ beurteilt die Fähigkeit von Mitarbeitern, mit neuen Technologien umzugehen. Deutschland erreicht hier nur mittelmäßige Werte.

Die übereinstimmenden Einschätzungen zeigen deutlich: Die Personalstrategie beeinflusst den digitalen Wandel maßgeblich. Und es ist höchste Zeit, sie entsprechend anzupassen – falls das noch nicht geschehen ist.

Digitalisierung beginnt beim Recruiting

Eine der größten Herausforderungen für Unternehmen besteht darin, auf die neuen Anforderungen beim Recruiting zu reagieren: Der Wettbewerb um Mitarbeiter mit begehrtem IT-Knowhow spitzt sich weiter zu.

Und damit sind nicht nur IT-Spezialisten gemeint, sondern auch Finanz- und Bürofachkräfte, die den Umgang mit den neuesten Technologien beherrschen.

Je strenger die Auswahlkriterien sind, umso gezielter muss die Suche ablaufen. Wo sich viele Unternehmen um wenige qualifizierte Kandidaten bemühen, steigt die Bedeutung gezielter Netzwerkarbeit.

Oftmals findet sich der geeignete Mitarbeiter heute auf dem passiven Bewerbermarkt. Die wenigsten Unternehmen werden diese Herausforderung ohne professionelle Hilfe eines Personaldienstleisters bewältigen können.

Digitalisierung heißt auch, bestehende Mitarbeiter zu fördern

Die Anpassung der Personalstrategie darf jedoch nicht beim Recruiting enden. Neue Technologien entwickeln sich in atemberaubender Geschwindigkeit weiter, deshalb ist Digitalisierung ein andauernder Prozess.

Das Credo vom lebenslangen Lernen war nie so aktuell wie heute. Das bedeutet, Mitarbeiter müssen regelmäßig geschult werden, um mit den Veränderungen Schritt zu halten.

In solchen Situationen, die Change Management und interne Fortbildungen gleichermaßen erfordern, könnten Interim Manager eine wertvolle Schlüsselposition einnehmen: Sie leiten die Veränderungen im Unternehmen an und geben ihr Wissen gleichzeitig an die Mitarbeiter weiter.

Gegen die Angst vor Veränderungen

Eines der größten Hindernisse für eine erfolgreiche Digitalisierung sehen die Finanzchefs aus der Arbeitsmarktstudie in mangelnder Veränderungsbereitschaft.

Klar zeigt sich hier, wie stark es auf eine übergeordnete Strategie ankommt, die Personalmanagement und Digitalisierung in Einklang bringt.

Die Bereitschaft, nötige Veränderungen nicht nur zu erkennen, sondern auch umzusetzen, muss von allen Unternehmensbereichen getragen werden.

Allen voran die Führungsebene: Lebt sie den Wandel nicht vor, folgen die Mitarbeiter vermutlich auch nicht. Neue Mitarbeiter sollten hingegen bereits eine „digitale Veranlagung“ mitbringen, um den Wandel in die täglichen Prozesse zu integrieren.

Und das schnellstmöglich. Der Zug digitale Transformation ist zwar noch nicht gänzlich abgefahren, aber er rollt bereits seit geraumer Zeit. Wer jetzt nicht aufspringt, kann der Konkurrenz nur noch zuwinken, während sie in Richtung Zukunft davonfährt.

 

Bildquelle: © vege / Fotolia.com

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