Diese Vorteile bringt ein Nebenjob für Studenten – Interview

Von Alenka Mladina 30. Oktober 2018

Für ein Studium wird man in der Regel nicht bezahlt. Ganz im Gegenteil: Studierenden zahlen sogar drauf, etwa für Arbeitsmaterialien und Semesterbeiträge. Ein Nebenjob ist deshalb für viele Studenten deshalb überlebenswichtig. Dennoch sollten sie nicht unbedingt das erstbeste Angebot annehmen, nur damit Geld in die Kasse kommt. Ein gut gewählter Nebenjob bringt mehr als nur Geld: Er erhöht auch die Chancen bei späteren Bewerbungen.

Sandra Ramsauer, Senior Managerin bei Robert Half, ist dort für die Vermittlung von Werkstudenten zuständig. Sie erklärt, wie Studenten durch einen Nebenjob für die Zukunft profitieren können.

Sandra, viele Studenten befürchten, durch einen Nebenjob zu wenig Zeit für das Studium zu haben. Ist diese Befürchtung berechtigt?

Da brauchen sich die meisten keine Sorgen zu machen. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, dass Studenten, die zehn Prozent ihrer Regelstudienzeit in einem Nebenjob arbeiten, nur um 0,03 Skalenpunkte schlechter abschneiden als ihre Kommilitonen ohne Nebenjob.

Dem gegenüber steht aber ein viel größerer Gewinn an wertvollen Erfahrungen für die berufliche Zukunft. Eine Nachkommastelle bei der Abschlussnote macht normalerweise keinen Unterschied und ist in der Regel nicht der ausschlaggebende Grund, ob sich ein Arbeitgeber später für oder gegen einen Bewerber entscheidet.

Na gut, aber wenn ich in einem Cafe arbeite, bekomme ich vielleicht Social Skills und Erfahrung im Umgang mit Menschen. Aber bringt mich das beruflich später wirklich weiter?

Nicht wirklich, daher sollten die Studierenden im besten Fall einen Nebenjob wählen, der nah an ihrem Fach und ihren beruflichen Vorstellungen dran ist. Denn so ist der Job das perfekte Sprungbrett, um möglichst viele Berufserfahrungen zu sammeln und Kontakte für später zu knüpfen.

Wer im Werkstudentenjob gute Arbeit leistet, gerät so schnell nicht in Vergessenheit. Das bringt ein gutes Arbeitszeugnis ein und im besten Fall sogar ein Angebot, nach dem Studium in einer Festanstellung in der Firma zu beginnen. 

Gerade Bachelor-Studenten im ersten oder zweiten Semester wissen oft noch gar nicht so genau, in welche Richtung sie sich später spezialisieren wollen. Welchen Rat hast du für sie?

Auch wer noch völlig planlos ist, profitiert davon, wenn er sich einen studiennahen Studentenjob sucht. Entscheide ich mich als BWLer zum Beispiel dafür, als Assistenz der Buchhaltung oder im Marketingbereich einer Firma auszuhelfen, bekomme ich die Möglichkeit, in diesen Bereich hineinzuschnuppern und Arbeitserfahrung auf diesem fachlichen Gebiet zu sammeln.

Selbst wenn ich dann merke, dass mir diese Tätigkeit überhaupt nicht zusagt, bin ich um eine Erfahrung reicher und habe früh gemerkt, dass dieser Bereich nichts für mich. So kann ich eine andere Richtung einschlagen und bin meiner Idealvorstellung davon, wie sich meine eigene Karriere entwickeln soll, ein Stückchen nähergekommen. Und auch ein solcher Nebenjob macht sich später im Lebenslauf gut. Studenten können direkt nach dem Abschluss meist noch nicht allzu viel Berufserfahrung aufzählen. Mit einem fachlich relevanten Job sticht man deshalb direkt heraus – auch wenn es nicht der Traumjob war.

Das ergibt Sinn. In welchen Fachbereichen habe ich denn derzeit die besten Chancen, einen Werkstudentenjob zu finden? 

Besonders große Nachfrage besteht aktuell nach Studenten aus den Bereichen Informatik, Betriebswirtschaftslehre sowie Finanz- und Ingenieurswissenschaften. Das sind übrigens auch hinsichtlich der Bezahlung die besten Nebenjobs für Studenten. Sie bringen deutlich mehr Geld ein als etwa Popcorn an der Kinokasse zu verkaufen. 

Und was ist das ideale Unternehmen für einen studentischen Nebenjob?

Ich empfehle jedem, sich eher in einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen zu bewerben. Dort stehen zum einen die Chancen besser, genommen zu werden. Zum anderen nehmen sich die Mitarbeiter dort oft auch mehr Zeit für die Einarbeitung als in einem Großkonzern. 

Außerdem können Studenten aufgrund der geringeren Unternehmensgröße vielfältigere Erfahrungen sammeln. In größeren Firmen dagegen ist häufig für jede Aufgabe ein eigener Arbeitsbereich zuständig. Dort über den Tellerrand zu schauen und andere Gebiete kennenzulernen, ist nicht so einfach. 

Gibt es einen Richtwert, wie viele Stunden in der Woche Studenten arbeiten sollten?

Das kann man nicht pauschal sagen. Es gibt verschiedene Studien, die besagen, dass eine Erwerbstätigkeit dem Studium ab einem bestimmten Umfang nicht mehr guttut. Manche Analysen sehen diese Grenze bei acht Wochenstunden erreicht, andere erst bei 20. 

Die Studie des DIW sieht allerdings eine leichte Verlängerung des Studiums bei Studenten mit Nebenjob. Sie benötigen etwa einen Monat länger als ihre Kommilitonen. Doch genauso wie die Nachkommastelle der Endnote macht ein etwas schneller abgeschlossenes Studium am Ende nicht den Erfolg einer Bewerbung aus. Für den Personaler zählen die beruflichen Vorerfahrungen, die im Lebenslauf stehen. Und mit einem fachlich relevanten Nebenjob hat der Student beim Einstieg ins Berufsleben viel bessere Karten, den gewünschten Job zu bekommen und auch bei den Gehaltsverhandlungen höher zu pokern. Schließlich kann er schon Erfahrungen vorweisen.

Vielen Dank für das Gespräch, Sandra.

 

Du bist auf der Suche nach einem Job, der Dir mehr als nur Geld bringt? Das Team von Student Services bei Robert Half hilft Dir gerne, den besten Studentenjob für Deine Karriere zu finden. Auch als Student kannst Du uns gerne Deine Bewerbung für einen Nebenjob senden.

 

 

Bildquelle: © mdesign85 - istockphoto.com

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