„Was sind Ihre Stärken?“ – So punkten Sie im Vorstellungsgespräch

Von Alenka Mladina 8. August 2018

Schluss mit der Bescheidenheit! Im Bewerbungsgespräch sollten Sie mit Ihren besten Verkaufsargumenten auftrumpfen.

Dafür müssen Sie Ihre Stärken – und Schwächen – kennen. Nehmen Sie sich Zeit für eine Analyse und bringen Sie dann Ihre Stärken im Vorstellungsgespräch geschickt unter.  

Das lesen Sie in diesem Blogbeitrag:

  • Nicht jede Stärke ist in jedem Vorstellungsgespräch gefragt  
  • So finden Sie die richtige Stärke für Ihr Vorstellungsgespräch
  • Beispiele für Stärken, die Sie im Bewerbungsgespräch einbringen können
  • Und was ist mit den Schwächen?
  • „Was sind Ihre größten Stärken und Schwächen?“ Wie sie besser nicht antworten

Zurückhaltung ist im Vorstellungsgespräch nicht immer angesagt. Auch wenn wir uns ungern selbst loben, im Bewerbungsprozess geht es genau darum.

Früher war das relativ einfach: Der Personalentscheider hat Ihnen mit der Frage „Was ist Ihre größte Stärke?“ eine Steilvorlage geliefert. 

Heute wird die Frage in dieser direkten Form eher selten gestellt. Trotzdem sollten Sie Ihre Stärken unbedingt im Bewerbungsgespräch unterbringen und damit beim Personaler einen guten bleibenden Eindruck hinterlassen.  

Nicht jede Stärke ist in jedem Vorstellungsgespräch gefragt 

Zunächst einmal: Im Bewerbungsgespräch geht es nicht darum, wahllos eine große Anzahl Ihrer Stärken aufzuzählen.

Das wirkt zum einen unglaubwürdig. Zum anderen sollten Sie gute Eigenschaften, die für Sie sprechen, mit Bedacht auswählen, sodass diese auf die Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle passen. 

Nehmen wir an, Ihre Stärke ist es, ein smarter Netzwerker zu sein. Bislang waren Sie erfolgreich als IT-Projektmanager tätig. Da bekommen Sie eine Einladung für ein attraktives Stellenangebot in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines innovativen Unternehmens, das als kreativer Marktführer gilt.

Was glauben Sie wird mehr überzeugen im Vorstellungsgespräch: Ihre Stärke als Netzwerker oder Ihre Kreativität? Selbstverständlich letztere. Ganz wichtig also: Nennen Sie genau die Stärken im Vorstellungsgespräch, die für den Job relevant sind - selbstverständlich nur, wenn Sie diese auch besitzen. 

So finden Sie die richtige Stärke für Ihr Vorstellungsgespräch 

Ihre ganz persönliche(n) Stärke(n) finden Sie mit einer Stärken-Schwächen-Analyse heraus. Der Vorteil daran: So arbeiten Sie auch gleichzeitig Ihre eigenen Unzulänglichkeiten heraus.

Denn die Schwächen versuchen Personaler im Vorstellungsgespräch bekanntlich ebenfalls gern herauszukitzeln.

Schritt 1: Am besten starten Sie mit einer genauen Lektüre der Stellenanzeige und – falls vorhanden – der Karriere-Webseite des Unternehmens. Finden Sie heraus:

  • Worauf legt die Firma besonders großen Wert? 
  • Für was steht das Unternehmen?
  • Welche Fachkenntnisse und welche Soft Skills werden gesucht?

Details dazu finden Sie in der Regel auf der Unternehmenswebseite im Bereich "Über uns" oder "Presse". Außerdem sollten Sie auch nach dem Unternehmen googeln - neben den allgemeinen Suchergebnissen finden sich eventuell aufschlussreiche Informationen in den aktuellen Medienberichten. 

Schritt 2: Im zweiten Step der Stärken-Schwächen-Analyse gilt es, Beispiele, mit denen Sie die gewünschten Stärken nachweisen können, in Ihrer Vita zu suchen.

Hier geht es nicht darum, dass Sie nur Tätigkeiten oder Aufgaben nennen, die Sie bereits bei einem früheren Arbeitgeber gemeistert haben. Vielmehr sollten die Beispiele Ihre persönlichen Stärken, die für diesen Job relevant sind, veranschaulichen.

Die Ergebnisse Ihrer Stärken-Schwächen-Analyse tragen Sie idealerweise stichpunktartig in einer Liste zusammen. Bis zum Bewerbungsgespräch sollten Sie die Stärken-Schwächen-Liste soweit parat haben, dass Sie auf Nachfrage souverän und anhand von Beispielen erörtern können.  

Beispiele für Stärken, die Sie im Bewerbungsgespräch einbringen können

Jeder Mensch hat mehr als nur eine Stärke. Deshalb sollten Sie im Vorstellungsgespräch nicht nur eine gute Eigenschaft von sich nennen. Jedoch, wenn Sie zu viele Stärken nennen, wirken Sie jedoch auch leicht überheblich. Idealerweise legen Sie sich deshalb vorher auf maximal drei Stärken im Vorstellungsgespräch fest.

Einige Beispiele für Stärken im Vorstellungsgespräch haben wir nachfolgend zusammengetragen. – inklusive einer Anleitung, wie Sie Ihre Trümpfe elegant verpacken:

  • Flexibilität: Sie haben öfter Aufgaben außerhalb Ihres eigentlichen Verantwortungsbereichs übernommen? Oder sind kurzfristig als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung eingesprungen? Ihnen macht es nichts aus, Ad-hoc-Projekte freiwillig zu übernehmen? Das sind gute Beispiele, die beweisen, dass Flexibilität als Stärke nicht nur eine Floskel für Sie ist.
  • Selbstständigkeit: Sie haben in Projekten proaktiv die Arbeitsabläufe optimiert? Legen Sie genau dar, wie Sie Ihre Ideen umgesetzt haben. Zum Beispiel: Eine unklare Abgrenzung der Aufgaben hat zu doppelter Bearbeitung und Konflikten geführt. Sie haben anhand der jeweiligen Erfahrungen und Stärken der Beteiligten eine Neuverteilung angeregt und damit zu einer deutlichen Effizienzsteigerung beigetragen. Wenn Sie dazu noch konkrete Zahlen liefern können, ist das perfekt.
  • Organisationstalent: Wer sich selbst gut organisiert, arbeitet effizient und kann zuverlässig einschätzen, wie viel Arbeit er in einem bestimmten Zeitraum schafft. Das ist eine Stärke, die nicht jeder besitzt. Sie überzeugen den Personalentscheider, indem Sie ihm vorrechnen, wie viel Zeit Sie für ein bestimmtes Projekt veranschlagen würden, das im neuen Job auf Sie zukommen wird.
  • Kreativität: Haben Sie in Ihrer Vergangenheit Probleme durch eher unkonventionelle Herangehensweise gelöst oder neue Produkte angeregt? Mitarbeiter, die „outside the box“ denken, sind für jedes Unternehmen eine Bereicherung. Im Vorstellungsgespräch beweisen Sie diese Stärke, indem Sie kreative und clevere Rückfragen stellen. Welche Fragen im Vorstellungsgespräch generell gut ankommen – und welche nicht, erfahren Sie in unserem Beitrag „Diese 10 Fragen dürfen Sie im Vorstellungsgespräch nie stellen“.

Und was ist mit den Schwächen?

Bei Ihrer Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch sollten Sie sich aber nicht nur auf Ihre Stärken, sondern auch auf Ihre Schwächen konzentrieren. Denn es ist gut möglich, dass der Personaler Sie danach ebenfalls fragen wird.

Im Zuge Ihrer Stärken-Schwächen-Analyse arbeiten Sie diese ohnehin schon heraus und können sich vor dem Bewerbungsgespräch überlegen, wie Sie diese bei Nachfrage präsentieren wollen.

Was Sie nicht tun sollten: die Frage nach Ihren Schwächen herunterzuspielen oder nicht zu beantworten, denn der Personaler wünscht sich, dass Sie ehrlich und selbstkritisch zu Ihren Unzulänglichkeiten stehen. 

Dabei ist wichtig, dass Sie Lösungsansätze und gute Vorsätze zu Ihren Schwächen gleich mitliefern. Das zeigt, dass Sie konstruktiv sind und den Ehrgeiz haben, sich weiter zu verbessern. Hier ein Beispiel:

Wenn ich vor großen Menschenmengen rede, bin ich ziemlich nervös. Ich bereite mich deshalb sehr gut auf Vorträge vor und übe mit Kollegen im Vier-Augen-Gespräch, um die nötige Sicherheit zu bekommen.“

Was sind Ihre größten Stärken und Schwächen? Wie Sie besser nicht antworten

Leider vernachlässigen viele Bewerber Ihre Stärken-Schwächen-Analyse und greifen im Vorstellungsgespräch auf allgemeine Floskeln als Antwort zurück, wenn die Fragen aufkommen.

Diese überzeugen keinen Personaler mehr und deshalb sollten Sie Ihre Stärken und Schwächen nie wie in den folgenden Beispielen verpacken:

Stärke-Standardfloskel Nr. 1: „Unter Stress komme ich erst richtig in Schwung.“

Was Ihr Gegenüber versteht: Sie haben Probleme damit, Projekte und Aufgaben realistisch zu planen. Erst wenn Sie unter Zeitdruck geraten, strengen Sie sich richtig an.

Was Sie eigentlich sagen möchten: Ich arbeite auch unter Zeitdruck gut und verliere nicht den Überblick, wenn es mal etwas stressiger wird.  

Stärke-Standardfloskel Nr. 2: „Ich kann gut mit Kritik umgehen.“

Was Ihr Gegenüber versteht: Sie werden anscheinend häufig kritisiert. Folglich müssen Ihnen oft Fehler unterlaufen.

Was Sie eigentlich sagen möchten: Sachliche Kritik ist willkommen, wenn sie dazu dient, Arbeitsabläufe zu verbessern. Eine Lösung zu finden, ist mir wichtiger als mein Ego.

Stärke-Standardfloskel Nr. 3: „Ich bin sehr kommunikativ.“

Was Ihr Gegenüber versteht: Sie verbringen mehr Zeit in der Kaffeeküche als am Arbeitsplatz und arbeiten mehr an der Atmosphäre im Büro als an Ihren eigentlichen Aufgaben.

Was Sie eigentlich sagen möchten: Ich weiß, wer an welcher Stelle im Projektverlauf mit welchen Informationen versorgt werden muss, damit wir den Zeitplan einhalten und gute Ergebnisse liefern. Außerdem habe ich ein großes berufliches Netzwerk.

Stärke-Standardfloskel Nr. 4: „Ich lerne gern dazu.“

Was Ihr Gegenüber versteht: Sie waren in Ihren bisherigen Jobs meist überfordert und verbrachten mehr Zeit damit, sich einzuarbeiten, als Ihre Arbeit zu erledigen.

Was Sie eigentlich sagen möchten: Ich halte mein Fachwissen ständig auf dem neuesten Stand, beispielsweise habe ich letztens eine IT-Security-Schulung absolviert.

Schwäche-Standardfloskel Nr. 1: „Ich bin zu perfektionistisch.“

Was Ihr Gegenüber versteht: Sie sind sogar zu perfektionistisch, um Ihre Schwächen konstruktiv zuzugeben.

Was Sie eigentlich sagen wollen: Sie arbeiten sehr genau und gründlich. 

Schwäche-Standardfloskel Nr. 2: „Ich bin sehr ungeduldig.“

Was Ihr Gegenüber versteht: Ihr übertriebener Ehrgeiz sorgt dafür, dass Sie zu schnell zu viel auf einmal wollen.

Was Sie eigentlich sagen wollen: Sie sind ein Macher-Typ und wollen Dinge nach vorn bringen. 

Die eigenen Stärken – und Schwächen – im Vorstellungsgespräch gut und ehrlich zu verkaufen, ist eines der zentralen Ziele jedes Vorstellungsgesprächs.

Die Stärken-Schwächen-Analyse sollte deshalb immer ganz am Anfang Ihrer Vorbereitungen stehen. Gerne helfen Ihnen unsere Personalberater dabei und unterstützen Sie bei der Jobsuche.

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Bildquelle: © Ethan Elisara - Unsplash.com

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