Die richtige Antwort auf „Was ist Ihre größte Stärke“

Von Alenka Mladina 15. Juni 2015

Schluss mit der Bescheidenheit! Im Vorstellungsgespräch müssen Sie mit Ihren besten Verkaufsargumenten auftrumpfen. Dafür müssen Sie Ihre Stärken aber kennen. Nehmen Sie sich Zeit für eine Stärken-Schwächen-Analyse und bringen Sie Ihre Pluspunkte geschickt im Gespräch unter.

Zurückhaltung ist im Vorstellungsgespräch nicht immer angesagt. Auch wenn wir uns ungern selbst loben, im Bewerbungsprozess geht es genau darum. Früher war das relativ einfach: Der Personalentscheider hat Ihnen mit der Frage „Was ist Ihre größte Stärke?“ eine Steilauflage geliefert. Heute wird die Frage in dieser direkten Form eher selten gestellt. Trotzdem müssen Sie Ihre Stärken im Vorstellungsgespräch unterbringen. Den nötigen Input liefert eine persönliche Stärken-Schwächen-Analyse.

Nicht jede Stärke ist im Vorstellungsgespräch auch die Richtige

Stellen Sie sich vor, Ihre Stärke ist es, ein smarter Netzwerker zu sein. Bislang waren Sie erfolgreich als IT-Projektmanager tätig. Da bekommen Sie eine Einladung für ein attraktives Stellenangebot in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines innovativen Unternehmens, das als kreativer Marktführer gilt.

Was glauben Sie, wird Ihre Stärke als Netzwerker oder Ihre Kreativität im Vorstellungsgespräch überzeugen? Ganz wichtig also: Nennen Sie genau die Stärken im Vorstellungsgespräch, die für den Job relevant sind.

So finden Sie die richtige Stärke für Ihr Vorstellungsgespräch

Ihre ganz persönliche Stärke(n) finden Sie mit einer Stärken-Schwächen-Analyse. Am besten, Sie starten mit einer genauen Lektüre der Stellenanzeige und der Karrierewebseite. Worauf legt das Unternehmen besonders großen Wert? Für was steht das Unternehmen? Welche Fachkenntnisse und welche Soft Skills werden gesucht? Finden Sie sich dabei auch wieder?

Im zweiten Schritt der Stärken-Schwächen-Analyse suchen Sie nach Beispielen, mit denen Sie die gewünschten Stärken nachweisen können. Hier geht es nicht um Beispiele, bei denen Sie genau das Gleiche bereits bei einem früheren Arbeitgeber gemacht haben. Vielmehr müssen die Beispiele Ihre persönlichen Stärken, die für diesen Job relevant sind, veranschaulichen.

Anregungen für Ihre größte Stärke im Vorstellungsgespräch

Jeder Mensch hat mehr als nur eine Stärke. Deshalb sollten Sie sich nicht nur eine Stärke im Vorstellungsgespräch nennen. Unglaubwürdig wirken Sie allerdings auch, wenn Sie sehr viele Stärken nennen. Idealerweise legen Sie sich daher auf maximal drei Stärken im Vorstellungsgespräch fest.

Die am häufigsten geforderten Stärken im Vorstellungsgespräch haben wir nachfolgend zusammengetragen; inklusive einer Anleitung, wie Sie Ihre Stärke elegant verpacken:

  • Flexibilität: Sie haben öfter Aufgaben außerhalb Ihres eigentlichen Verantwortungsbereichs übernommen? Oder sind kurzfristig als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung eingesprungen? Ihnen macht es nichts aus, Ad-hoc-Projekte freiwillig zu übernehmen? Das sind gute Beispiele, die beweisen, dass Flexibilität nicht nur eine Floskel für Sie ist.
  • Selbstständigkeit: Sie haben in Projekten proaktiv die Arbeitsabläufe optimiert? Legen Sie genau dar, wie Sie Ihre Ideen umgesetzt haben, zum Beispiel: Unklare Abgrenzung der Aufgaben hat zu doppelter Bearbeitung und Konflikten geführt. Sie haben anhand der jeweiligen Erfahrungen und Stärken der Beteiligten eine Neuverteilung angeregt und damit zu einer deutlichen Effizienzsteigerung beigetragen (Wenn Sie hier noch Zahlen liefern können ist das perfekt).
  • Organisationstalent: Wer sich selbst gut organisiert, arbeitet effizient und kann zuverlässig einschätzen, wie viel Arbeit er in einem bestimmten Zeitraum schafft. Das ist eine Stärke, die nicht jeder von sich behaupten kann. Sie überzeugen den Personalentscheider, indem Sie ihm vorrechnen, wie viel Zeit Sie für ein bestimmtes Projekt veranschlagen würden, das im neuen Job auf Sie zukommen wird.
  • Kreativität: Haben Sie in Ihrer Vergangenheit Probleme durch eher unkonventionelle Herangehensweise gelöst oder neue Produkte angeregt? Mitarbeiter, die sozusagen „outside the box“ denken, sind für jedes Unternehmen eine Bereicherung. Im Vorstellungsgespräch beweisen Sie diese Stärke, indem Sie kreative und clevere Rückfragen stellen.

„Was ist Ihre größte Stärke?“: Wie Sie besser nicht antworten

Leider vernachlässigen viele Bewerber Ihre Stärken-Schwächen-Analyse und greifen auf allgemeine Floskeln zurück. Diese überzeugen keinen Personaler mehr und deshalb sollten Sie Ihre Stärken nie in Standardfloskeln verpacken:

Standardfloskel Nr. 1: „Unter Stress komme ich erst richtig in Schwung.“

Was Ihr Gegenüber versteht: Sie haben Probleme damit, Projekte und Aufgaben realistisch zu planen. Erst wenn Sie unter Zeitdruck geraten, strengen Sie sich richtig an.

Was Sie eigentlich sagen möchten: Ich arbeite auch unter Zeitdruck gut und verliere nicht den Überblick, wenn es mal etwas stressiger wird.  

Standardfloskel Nr. 2: „Ich kann gut mit Kritik umgehen.“

Was Ihr Gegenüber versteht: Sie werden anscheinend häufig kritisiert. Folglich müssen Ihnen oft Fehler unterlaufen.

Was Sie eigentlich sagen möchten: Sachliche Kritik ist willkommen, wenn Sie dazu dient, Arbeitsabläufe zu verbessern. Eine Lösung zu finden, ist mir wichtiger als mein Ego.

Standardfloskel Nr. 3: „Ich bin sehr kommunikativ.“

Was Ihr Gegenüber versteht: Sie verbringen mehr Zeit in der Kaffeeküche als am Arbeitsplatz und arbeiten mehr an der Atmosphäre im Büro als an Ihren eigentlichen Aufgaben.

Was Sie eigentlich sagen möchten: Ich weiß, wer an welcher Stelle im Projektverlauf mit welchen Informationen versorgt werden muss, damit wir den Zeitplan einhalten und gute Ergebnisse liefern. Außerdem habe ich ein großes berufliches Netzwerk.

Standardfloskel Nr. 4: „Ich lerne gern dazu.“

Was Ihr Gegenüber versteht: Sie waren in Ihren bisherigen Jobs meist überfordert und verbrachten mehr Zeit damit, sich einzuarbeiten, als Ihre Arbeit zu erledigen.

Was Sie eigentlich sagen möchten: Ich halte mein Fachwissen ständig auf dem neuesten Stand.

Die eigenen Stärken im Vorstellungsgespräch gut und ehrlich zu verkaufen ist eines der zentralen Ziele jedes Vorstellungsgesprächs. Die Stärken-Schwächen-Analyse sollte deshalb immer ganz am Anfang Ihrer Vorbereitungen stehen. Viel Erfolg für Ihr Vorstellungsgespräch.

Sie sind noch auf Jobsuche? Schauen Sie doch mal in unserer täglich aktualisierte Jobbörse für Berufe im Finanz- und Rechnungswesen, IT oder kaufmännischen Bereich vorbei.

Bildquelle: © elnur - Fotolia.com

Das könnte Sie auch interessieren