Die Kunst des Smalltalks können auch Sie beherrschen

Von Alenka Mladina 18. Februar 2015

Die einen scheinen die geborenen Smalltalker zu sein, andere wiederum finden nur schwer den Gesprächseinstieg. Im Job setzt Smalltalk oft den Grundton für eine respektvolle Zusammenarbeit und ist deshalb auch so wichtig.

Und Smalltalk ist durchaus lern- und trainierbar. Probieren Sie unsere Tipps und Sie müssen sich nie wieder vor peinlicher Stille fürchten.

Manche empfinden Smalltalk wie die erste Runde in einem Boxkampf – als ein Abtasten der Kontrahenten, bevor es zur Sache geht. Weil es ihnen schwer fällt, im Arbeitsumfeld lockere Gespräche zu führen, schweigen sie lieber.

Erkennen Sie diese Einstellung bei sich wieder? Dann sollten Sie diese schnell ad acta legen. Sehen Sie Smalltalk lieber als ein ungezwungenes Kennenlernen und eine Gelegenheit zum Aufbau interessanter Kontakte. Mit etwas Übung, Authentizität und ehrlichem Interesse können auch Sie zum routinierten Smalltalker werden.

Smalltalk fördert die Zusammenarbeit im Job

Einen großen Vorteil bietet Smalltalk, weil auch Sie sicherlich schon die Erfahrung gemacht haben, dass die Zusammenarbeit besser mit Kollegen und Geschäftspartner funktioniert, die man kennt. Sie dürfen beim Smalltalk jedoch nicht übertreiben und Ihr Gegenüber mit einer Vielzahl an Fragen löchern. Smalltalk ist keine Recherche-Technik, sondern in erster Linie die Grundlage für eine entspannte Atmosphäre im Job.

Tipp! Reden Sie beim Smalltalk über Themen, die Ihren Gesprächspartner interessieren. Achten Sie darauf, was er preisgeben möchte und was er lieber für sich behält. Respektieren Sie diese Grenze. Beginnen Sie mit unverfänglichen Themen, über die Sie selbst etwas zu sagen haben und suchen Sie nach Gemeinsamkeiten. Schenken Sie dem Gesprächspartner Ihre volle Aufmerksamkeit – aber täuschen Sie kein Interesse für Themen vor, die Sie nicht reizen.

Wie beginnt man eigentlich einen Smalltalk?

„Aller Anfang ist schwer“ heißt es so schön. Das trifft auf Smalltalk im Job besonders zu. Meist wissen wir nicht genau, worüber wir mit einer noch wenig oder gänzlich unbekannter Person sprechen sollen. Viele Themen scheinen uns zu banal, andere zu verfänglich für den Smalltalk. Deshalb grübeln wir angestrengt und statt Smalltalk entsteht mit der Zeit eine unangenehme Stille.

Die folgenden Beispiele veranschaulichen einen guten Gesprächseinstieg:

  • Ihr Gesprächspartner kommt aus einer anderen Stadt: Fragen Sie Ihn, wie die Anreise verlief. Erkundigen Sie sich darüber, ob er zum ersten Mal in der Stadt ist. Stellen Sie Fragen zu seiner Heimatstadt.
  • Hobbys und Vorlieben: Ich nehme stark an, Ihnen geht es wie mir: wir reden am liebsten über Dinge, die wir mögen. Das kann die Familie sein, der Lieblings-Fußballverein oder der neue Dienstwagen – wunderbare „Eisbrecher“.
  • Sie können ein Thema auch mit Informationen über sich beginnen: „Hamburg gefällt mir sehr gut, weil… Was schätzen Sie an Hamburg?“ oder “München liegt so günstig. Im Winter fahre ich fast jedes Wochenende Ski. Sind Sie auch ein Wintertyp?“

Tipp! Grübeln Sie nicht zu viel. Beim Smalltalk im Job gibt es kein banales Thema. Es sollte aber auch nicht zu privat sein. Ein Gesprächseinstieg über Ihre aktuellen familiären Sorgen ist fehl am Platz. Betrachten Sie Smalltalk als netten Zeitvertreib, der vor allem eines sein soll, nämlich leicht und entspannt.

Tabus beim Smalltalk im Job

Erstes Tabu: Smalltalk darf zu keiner ernsten Diskussion führen. Deshalb sind allzu persönliche Themen oder Politik, Religion und Geld ungeeignet. Die Liste lässt sich je nach Gesprächspartner ergänzen. Achten Sie darauf, wann Ihr Gegenüber abweisend oder zurückhaltend wird und wechseln Sie dann das Thema.

Geradezu schädlich für einen erfolgreichen Smalltalk und Ihr Image sind Lästereien und Beschwerden über Kollegen oder Konkurrenten. Der Gesprächspartner wird denken: Redet er/sie hinter meinem Rücken auch so über mich? Für Verunsicherung sorgen außerdem oft Sarkasmus, ironische Bemerkungen und Witze. Heben Sie diese für spätere Gelegenheiten auf, wenn Sie Ihre Gesprächspartner besser kennen.

Zweites Tabu: Unterbrechen Sie niemals Ihren Gesprächspartner oder würgen Sie eine ergiebige Unterhaltung ab. Es sei denn, dafür gibt es einen triftigen Grund. Die meisten Menschen empfinden eine Gesprächsunterbrechung als respektlos und fühlen sich von Ihnen nicht ernst genommen.

Tipp! Warten Sie stattdessen auf einen günstigen Augenblick. Zum Beispiel wenn sich das aktuelle Gesprächsthema erschöpft hat. Versuchen Sie nicht, zwanghaft an das eben Gesagte anzuknüpfen. Das wirkt nur in seltenen Fällen elegant. Wenn Ihr Gegenüber gerade die Erzählung von seiner Urlaubsreise beendet hat, können Sie gern damit überleiten, dass sich währenddessen ein paar Fortschritte am aktuellen Projekt ergeben haben, über die Sie ihn informieren möchten. Andernfalls reicht auch ein „Jetzt würde ich mit Ihnen gern über XYZ sprechen“.

Die Rollen der Gesprächspartner

Eine starre Hierarchie ist in immer weniger Unternehmen anzutreffen. Für den Smalltalk im Job ist diese Entwicklung positiv: Es erleichtert den Gesprächseinstieg mit Führungskräften. Schließlich ist nur dann ein entspanntes Gespräch möglich, wenn sich die Gesprächspartner beim Smalltalk auf Augenhöhe begegnen können.

Sonderfall Kunde: Wenn Sie Besuch von Kunden oder Geschäftspartnern bekommen, fällt Ihnen die Gastgeberrolle zu. Das gilt auch für den Smalltalk. Sie sind in der Verantwortung, dass das Gespräch in Gang bleibt. Das ist nicht immer einfach, besonders wenn Ihnen Spontaneität eher schwer fällt. Bereiten Sie einen Themenkatalog vor, auf den Sie zurückgreifen können. Oder sprechen Sie im Vorfeld mit Kollegen, die den Kunden bereits kennen. Informationen zu Hobbys und Interessen gibt es oft auf den professionellen Netzwerken Xing und LinkedIn.

Tipp! Vergessen Sie die hierarchischen Unterschiede. Beim Smalltalk gibt es keine Job-Entscheidungen zu treffen. Wenn Sie gegenüber Vorgesetzten oder Mitarbeitern Probleme damit haben: Stellen Sie sich vor, Sie würden sich mit jemandem auf der gleichen Hierarchieebene unterhalten. Suchen Sie sich Themen aus, bei denen beide gleichwertig mitreden können.

Guten Gesprächsstoff für den Einstieg liefern das aktuelle Wetter, die gestrigen Fußballergebnisse oder auch das aktuelle Tagesgeschehen. Wenn Sie selbst Vorgesetzter sind, sollten Sie dem Mitarbeiter mehr Redeanteil überlassen, um ihm etwas Sicherheit zu geben.

Nutzen Sie jede Gelegenheit, um Smalltalk zu üben

Die Situationen für Smalltalk im Job sind zahlreich: die Aufzugfahrt mit dem Vorgesetzten, der Kaffee-Plausch mit dem Kollegen, beim Warten vor dem Meeting-Raum oder während des Geschäftsessens mit dem neuen Kunden. Fast jede Gelegenheit eignet sich, so lange Sie den Gesprächspartner nicht stören oder aufhalten.

Sonderfall laufende Gespräche: Sie benötigen Fingerspitzengefühl, wenn Kollegen oder Vorgesetzte offensichtlich bereits Smalltalk betreiben. Mischen Sie sich nur dann ins Gespräch, wenn Sie etwas zum Thema beitragen können. Halten Sie auch niemanden im Gang auf, der offensichtlich in Eile ist. Warten Sie lieber einen passenden Moment ab.

Tipp! Testen Sie, ob der Kollege Zeit für ein Gespräch im Büro oder Lust auf Smalltalk im Aufzug hat. Eine freundliche Begrüßung, ein Lächeln und eine kurze Frage reichen schon aus. Ob Ihr Gegenüber darauf eingeht, ist seine Entscheidung. Wenn die Antwort nur einsilbig ausfällt, drängen Sie besser nicht auf ein Gespräch.

Und noch ein Tipp: Körpersprache beim Smalltalk

In einer Konversation sendet der Körper viele Signale aus. Blick, Körperhaltung und Mimik vermitteln dem Gegenüber bewusst oder unbewusst, ob wir interessiert, gelangweilt, nervös oder entspannt sind. Für erfolgreichen Smalltalk im Job sollten Sie daher nicht nur Ihre Worte mit Bedacht wählen, sondern auch auf Ihre Körpersprache achten.

  • Direktes Gegenübersitzen oder -stehen ist eine eher konfrontierende Anordnung. Achten Sie stattdessen auf einen leichten Winkel zwischen Ihnen und Ihrem Gesprächspartner
  • Stehen oder sitzen Sie möglichst gerade, aber nicht angespannt steif. Ob Sie sich zurücklehnen oder nach vorn beugen, hängt von der Gesprächssituation ab. Wenden Sie sich in jedem Fall dem Gesprächspartner zu und zeigen Sie ihm nicht Ihre „kalte Schulter“.
  • Blicken Sie Ihrem Gegenüber in die Augen, aber starren Sie nicht. Ab und zu den Blick abzuwenden ist normal und natürlich, solange er zum Gesprächspartner zurückkehrt. Sind mehrere Personen am Smalltalk beteiligt, wechseln Sie den Augenkontakt. Auch wer nur zuhört, schätzt es, wahrgenommen zu werden.
  • Offene Augen und ein leichtes Lächeln wirken interessiert und sympathisch – aber nur wenn Sie sich auch danach fühlen. Versuchen Sie nicht diesen Ausdruck künstlich zu erzeugen. Meist entsteht dadurch eher eine Grimasse. Passt Ihnen der Moment für einen Smalltalk nicht, entschuldigen Sie sich höflich und bieten Sie ein Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt an.

Sie trauen sich den Smalltalk im Job nicht zu? Probieren Sie die oben genannten Tipps erst einmal im privaten Umfeld aus. Üben Sie in unverfänglichen Situationen: Morgens beim Bäcker, beim Warten auf die S-Bahn oder in der Postschlange.

Mit der Zeit wird Ihnen der Smalltalk immer leichter fallen und Sie werden sehen, wie Sie immer mehr Selbstsicherheit erlangen und wie viel Spaß Smalltalk machen kann.

Und, haben wir Ihnen Lust auf mehr Smalltalk im Job gemacht? Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

 

Bildquelle: © bofotolux - Fotolia.com

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