Die heikle Frage nach einem Zwischenzeugnis

Von Alenka Mladina 12. März 2015

Um ein Zwischenzeugnis zu bitten, ist eine sensible Angelegenheit. Hier lesen Sie, wann Sie einen Anspruch darauf haben und wie Sie geschickt vorgehen, um keinen falschen Verdacht zu erwecken und das Verhältnis zum Vorgesetzten zu belasten.

Mit dem Anfordern eines Arbeitszeugnisses müssen Sie nicht warten, bis Sie den Job wechseln und gekündigt haben. Ein Chefwechsel oder eine Beförderung sind typische Situationen, bei denen Sie ein Zwischenzeugnis anfordern sollten. Warum? Nun, Sie wissen nicht, ob Sie sich mit dem neuen Chef genauso gut verstehen werden wie mit Ihrem bisherigen Chef. Wenn der neue Chef Ihnen dann letztendlich das Arbeitszeugnis ausstellt, fallen die guten Jahre mit dem alten Chef eventuell unter den Tisch.

Auch im Falle eines internen Jobwechsels sollten Sie um ein Zwischenzeugnis bitten, um keine schlechte Beurteilung an Ihre Bewerbung anhängen zu müssen, wenn es im neuen Job nicht so gut laufen sollte. Außerdem sichern Sie sich so eine angemessene Beurteilung für die Zukunft: Ohne gute Gründe kann der neue Vorgesetzte im Arbeitszeugnis nämlich nicht vom Urteil aus dem Zwischenzeugnis abweichen.

Außerdem verlangen manche Fortbildungsinstitute ein Zwischenzeugnis, wenn Sie dort eine Weiterbildung absolvieren möchten. Ebenfalls reicht es aus, wenn Sie das Unternehmen für einen längeren Zeitraum verlassen, weil Sie beispielsweise in Elternzeit gehen. Und letztendlich haben Sie natürlich Anspruch auf ein Zwischenzeugnis, wenn Sie sich für eine neue Stelle bewerben möchten.

Wann Sie Anspruch auf ein Zwischenzeugnis haben

Anders als beim Arbeitszeugnis gibt es kein generelles Anrecht auf ein Zwischenzeugnis. Sie haben allerdings Anspruch darauf, wenn ein so genanntes “berechtigtes Interesse” vorliegt. Stellt der Arbeitgeber in etwa eine Kündigung in Aussicht, wird der Arbeitnehmer versetzt oder ändern sich die Aufgaben und bei einem Chefwechsel wird das berechtigte Interesse in der Regel von Arbeitsgerichten anerkannt.

Tipps: Der richtige Zeitpunkt, das Thema anzusprechen

Um ein Zwischenzeugnis zu bitten, ist immer heikel - bei manchen Arbeitgebern läuten sofort die Alarmglocken. Ihr Chef könnte Ihre Bitte um ein Zeugnis als Signal interpretieren, dass Sie sich nach einem neuen Job umsehen. Dieser Verdacht kann das weitere Arbeitsverhältnis deutlich belasten.

Deshalb sollten Sie Ihren Arbeitgeber bei unverfänglichen Gelegenheiten bitten, wie zum Beispiel dem Wechsel eines Vorgesetzten, Ihnen ein Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen. Machen Sie am besten kein großes Aufheben drumherum. Vielleicht können Sie die Bitte in eine andere Konversation mit dem Vorgesetzten einfließen lassen, wie beispielsweise in Ihrem Mitarbeitergespräch.

Einen Restverdacht seitens Ihres Chefs können Sie aber vermutlich nicht vermeiden. Vielleicht wird er Sie eine Weile etwas genauer beobachten. Zeigen Sie einfach weiterhin vollen Einsatz und volle Motivation, dann wird sich der Verdacht sehr schnell wieder in Luft auflösen.

Inhalt und Regeln: Unterschiede zum Arbeitszeugnis

Zwischen Arbeits- und Zwischenzeugnis gibt es keine Unterschiede in Aufbau oder Inhalt. Wie beim Arbeitszeugnis unterscheidet man beim Zwischenzeugnis zwischen einfachem und qualifizierendem. Das einfache Zeugnis enthält Dauer und Art der Beschäftigung, beurteilt aber nicht Leistung oder Verhalten. Für die meisten Tätigkeiten ist es folglich wenig aussagekräftig. Ich empfehle deshalb immer, ein qualifiziertes Zwischenzeugnis zu verlangen.

Checkliste fürs Zwischenzeugnis

Auf Folgendes sollten Sie achten, wenn Sie ein Zwischenzeugnis anfordern:

  • Sie haben in der Regel Anspruch auf ein Zwischenzeugnis, wenn beispielsweise diese Gründe vorliegen und Sie somit ein “berechtigtes Interesse” vorlegen können:
    • Wechsel des Vorgesetzten
    • Wechsel der Abteilung
    • Längere Abwesenheit (Elternzeit etc.)
    • Geplanter Jobwechsel
    • weitere Gründe können im Tarifvertrag aufgeführt sein
  • Der richtige Zeitpunkt: Die Forderung nach einem Zwischenzeugnis weckt immer den Verdacht eines geplanten Jobwechsels. Das kann das Verhältnis zum Vorgesetzten belasten. Nutzen Sie unverfängliche Anlässe für Ihre Anfrage.
  • Die Art des Zeugnisses: Verlangen Sie ein qualifiziertes Zwischenzeugnis.
  • Auswirkungen auf das Arbeitszeugnis: Die Bewertung im Arbeitszeugnis darf nicht ohne gute Begründung grundlegend vom Zwischenzeugnis abweichen. Die Formulierungen müssen allerdings nicht dieselben sein.

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