Der erste Monat im neuen Job: Tipps für den perfekten Start

Von Christina Holl on 19. November 2021
Geschätzte Lesedauer: 8 Minuten

Aller Anfang ist schwer – das gilt besonders beim Jobwechsel. Schließlich verbringen wir den Großteil unseres Tages am Arbeitsplatz. Um Ihnen den Start in den neuen Job so angenehm wie möglich zu machen, möchten wir Sie durch die ersten drei Monate begleiten. In Teil 1 der Serie erfahren Sie, wie Sie im neuen Job mit Lernbereitschaft und angemessener Zurückhaltung punkten.

Keine Angst vorm neuen Job

Es gibt keinen vernünftigen Grund, Angst vor einem neuen Job zu haben. Trotzdem ist vielen Ein- und Umsteiger*innen vor dem ersten Arbeitstag ein wenig mulmig zumute.

  • Was kommt auf Sie zu?
  • Was anziehen?
  • Wie sich verhalten?
  • Wie sind die neuen Kollegen?

Alles Fragen, die durchaus für Nervosität sorgen können. Aber machen Sie sich nicht verrückt. Das Unternehmen wird mit Sicherheit gute Gründe gehabt haben, sich für Sie entschieden zu haben. Man traut Ihnen Ihre zukünftigen Aufgaben zu und glaubt, dass Sie gut ins Team passen. Schließlich hätte sonst ein anderer Bewerber den Zuschlag bekommen. 

Bezüglich der Kleiderfrage versuchen Sie sich an Ihr Vorstellungsgespräch zu erinnern: Was haben die Menschen getragen, die Ihnen im Unternehmen begegnet sind? Daran können Sie sich gut orientieren. Falls Ihr Gedächtnis Sie wegen der damaligen Aufregung im Stich lassen sollte, gilt: besser zu schick als zu lässig. Sie dürfen aber ruhig etwas legerer als beim Vorstellungsgespräch auflaufen. Allzu ausgefallene Teile sollten Sie aber besser vermeiden. Sonst werden Sie womöglich noch in fünf Jahren als „der mit dem lila Pünktchen-Hemd” gehandelt.

Worum es in den ersten Wochen im neuen Job geht

Wer eine neue Arbeitsstelle antritt, ist meistens top-motiviert und hat schon einige innovative Ideen im Kopf, mit denen der neue Chef oder die neue Chefin beeindruckt werden kann. Halten Sie sich dennoch zurück, denn in den ersten Wochen im neuen Job kommt es auf andere Dinge an:

  • Eingewöhnen
  • Zuhören
  • Lernen

Genau dafür sind die ersten 30 Tage in der neuen Stelle da. Das wissen auch Ihr*e neue*r Chef*in und Ihre neuen Kolleg*innen. Wenn Sie sie bei der einen oder anderen Aufgabe tatkräftig entlasten können, ist das prima. Es sprechen aber drei wichtige Gründe dafür, sich erst einmal zu akklimatisieren:

1. Sie kennen das Unternehmen noch nicht

Jede Firma ist ein komplexes Geflecht aus Beziehungen, Hierarchien, Arbeitsabläufen und Ritualen. Zusammen bilden sie eine ganz individuelle Firmenkultur. Nur wenn Sie deren Mechanismen kennen, können Sie im neuen Job erfolgreich sein. Und nur wenn Sie sich in dieser Unternehmenskultur wohlfühlen, werden Sie langfristig Spaß an der neuen Stelle haben. Nutzen Sie daher die Probezeit auch dafür, diesen wichtigen Faktor für sich zu bewerten.

2. Für Kolleg*innen sind Sie eine Unbekannte 

Ihren Kolleg*innen geht es vermutlich ganz ähnlich wie Ihnen: Sie wissen noch nicht, was sie von Ihnen halten sollen. Werden Sie das Gleichgewicht im Team durcheinander bringen? Stellen Sie erfolgreich Prozesse in Frage? Oder sind Sie gar eine Konkurrenz bei der nächsten Beförderung? Damit Sie an Ihrem neuen Arbeitsplatz voll durchstarten können, sind Sie auf die gute Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen angewiesen. Deshalb gilt es jetzt, eine gute Basis für die Zusammenarbeit zu legen und sich langsam einzuleben, anstatt gleich mit der Tür ins Haus zu fallen.

3. Der erste Eindruck bleibt

Es ist eine oft zitierte und zutreffende Erkenntnis: Der erste Eindruck zählt. Einen falschen zu korrigieren, kann unter Umständen sehr lange dauern. Posaunen Sie beispielsweise nicht vorschnell eigene Ideen und Änderungsvorschläge heraus, die zwar toll klingen, aber für den laufenden Betrieb völlig ungeeignet sind. Sonst starten Sie mit einer großen Blamage und einem dicken Minus auf dem Sympathiekonto in den neuen Job.

Gute Vorbereitung für einen guten ersten Eindruck

Bereiten Sie sich auf Ihren ersten Arbeitstag im neuen Job ebenso gut vor wie auf das Vorstellungsgespräch. Sammeln Sie alle Informationen zum Unternehmen, die sie finden können. Vor allem wenn seit Ihrem Vorstellungsgespräch schon einige Zeit vergangen ist, kann es wichtige Neuerungen gegeben haben.

Viele Firmen verschicken bereits vor Vertragsbeginn Onboarding-Unterlagen an ihre neuen Mitarbeiter, um ihnen den Start zu vereinfachen. Diese sollten Sie unbedingt vorab aufmerksam durchgehen und sie am ersten Tag im neuen Job mitbringen. Stellen Sie nämlich Fragen, deren Antworten Sie nach der Lektüre der Unterlagen eigentlich kennen müssten, gehen Sie den neuen Kolleg*innen womöglich schon am ersten Arbeitstag auf die Nerven.

Eine weitere Frage, über die Sie sich Gedanken machen sollten: Wie stellt man sich am ersten Arbeitstag vor? Sie müssen keinen filmreifen Auftritt proben, aber Sie sollten sich vorab zumindest Gedanken machen, was Sie Ihren neuen Kolleg*innen von sich erzählen möchten. Gute Stichpunkte sind bisherige Jobs, aber auch ein außergewöhnliches Hobby weckt Interesse. Tragen Sie bei der Vorstellung aber nicht zu dick auf und plaudern Sie nicht zu sehr aus dem Nähkästchen.

Die erste Woche überstehen und Fettnäpfchen meiden

Ihr Verhalten am ersten Arbeitstag kann darüber entscheiden, wie Sie mit den neuen Kolleg*innen klarkommen. Denken Sie an die alte Weisheit mit dem ersten Eindruck. Verständlich, dass Sie viele Fragen haben und alles wissen möchten. Und die neuen Kolleg*innen sind da sicherlich die beste Informationsquelle. Strapazieren Sie sie dennoch nicht zu sehr mit Ihren Fragen. Konzentrieren Sie sich in den ersten Tagen lieber auf die Lektüre des Intranets und jeglicher Unterlagen, die Sie zum Start bekommen haben.

Ansonsten gilt anfangs: Hören Sie mehr zu als selbst zu reden. Noch kennen Sie weder Ihre neuen Kolleg*innen, noch deren Ansichten und Humor. Deshalb könnten Sie schnell anecken. Das heißt aber nicht, dass Sie sich aus Gesprächsrunden komplett heraushalten sollten. Zeigen Sie Interesse, sperren Sie die Ohren auf und haken Sie nach. Aber nicht bei jeder Kleinigkeit und schon gar nicht, wenn sich Kolleg*innen über Privates unterhalten.

Haben Sie sich einen ersten Überblick verschafft, können Sie auf Ihre Kolleg*innen zugehen. Idealerweise ist Ihnen an Ihrem neuen Arbeitsplatz ein*e Kolleg*in als Mentor zugewiesen worden, an den*die Sie sich bei allen Fragen wenden können. Andernfalls sprechen Sie Kolleg*innen an, die schon länger im Betrieb sind. Fragen Sie ruhig, ob Sie zum gemeinsamen Mittagessen mitkommen dürfen. Auch ein Einstand ist eine perfekte Gelegenheit, sich besser kennenzulernen und gleichzeitig mehr über informelle Strukturen zu erfahren.

Fettnäpfchen meiden Sie am besten, indem Sie genau beobachten:

  • Wer siezt, wer duzt?
  • Herrscht ein lockerer oder förmlicher Umgang?
  • Welche Regelmäßigkeiten gibt es im täglichen Ablauf?
  • Wie kleiden sich Kolleg*innen und Vorgesetzte?

Gerade in der ersten Woche in der neuen Stelle können Sie als zurückhaltende*r Beobachter*in viel mitbekommen. Glauben Sie zudem nicht alles, was man Ihnen über andere Kolleg*innen erzählt. Machen Sie sich lieber Ihr eigenes Bild.

Dos: Das wird im ersten Monat von Ihnen erwartet

In der Anfangsphase gilt für neue Mitarbeiter*innen ein gewisser Welpenschutz. Das heißt aber nicht, dass Sie sich zurücklehnen und aufs Beobachten beschränken können. Für einen guten Start in den neuen Job sollten Sie folgende Erwartungen erfüllen:

  • Ihren Verantwortungsbereich und Ihre Aufgaben kennenlernen: Konzentrieren Sie sich nicht nur auf die neuen Kolleg*innen, sondern vor allem auf Ihre tägliche Arbeit: Stecken Sie das Aufgabenfeld ab, bringen Sie Reportingstrukturen und Verantwortlichkeiten in Erfahrung. Danach sollten Sie wissen, wo Ihre Zuständigkeiten beginnen – und enden.
     
  • Vorgesetzte identifizieren: Den*die Geschäftsführer*in des Unternehmens sollten Sie auch dann erkennen, wenn er*sie Ihnen noch nicht vorgestellt wurde. Durchforsten Sie die Unternehmenswebseite oder das Intranet nach Bildern – und fragen Sie im Zweifelsfall die Kolleg*innen.
     
  • Sich gut einfügen: Lernen Sie die Menschen kennen, mit denen Sie täglich zusammenarbeiten. Ordnen Sie sich zunächst unter, wenn Sie keine Führungsposition haben.
     
  • Proaktiv und selbständig sein: Ihnen fehlen wichtige Zugangsdaten oder Arbeitsgeräte? Warten Sie nicht darauf, dass man sich um Sie kümmert – finden Sie selbst heraus, wo Sie die nötigen Unterlagen oder Tools herbekommen.

Don’ts: Was Sie in den ersten Wochen besser lassen

Es gibt einige todsichere Methoden, sich bereits in den ersten Wochen im neuen Job richtig unbeliebt zu machen und seine Karrierechancen im neuen Unternehmen zu verspielen, und zwar:

  • Sich förmlicher als die Geschäftsleitung kleiden: Wie wir uns am Arbeitsplatz anziehen, hat großen Einfluss auf den Eindruck, den die Kolleg*innen von uns gewinnen. Wer im Dreiteiler aufläuft, während der Rest der Firma in Jeans unterwegs ist, wirkt schnell überkandidelt und fehl am Platz.
     
  • Unpünktlich sein und den ersten Urlaub planen: Nichts macht einen so schlechten Eindruck wie jemand, der bereits in den ersten Wochen regelmäßig zu spät kommt. Fast ebenso lustlos wirkt es, wenn Sie sich nach ein paar Tagen im neuen Job schon lautstark auf den nächsten Urlaub freuen.
     
  • Übermäßigen Tatendrang zeigen: Motivation und Interesse zu zeigen, ist Pflicht. Wer jedoch am Anfang bereits zu viel bewegen möchte, landet oft unsanft auf dem Boden der Tatsachen. Werden Sie besser mit Ihrer Umwelt und Ihren Aufgaben warm, bevor Sie große Veränderungen anstreben. Niemand erwartet in den ersten 30 Tagen bahnbrechende Ergebnisse von ihnen. Zeigen Sie lieber, dass Sie ins Unternehmen passen, die Prozesse verstanden haben, sich mit der Unternehmenskultur identifizieren und lernfähig sind.
     
  • Die Messlatte zu hoch hängen: Voller Einsatz wird von Arbeitgeber*innen natürlich gern gesehen. Doch geben Sie in den ersten 30 Tagen kein Tempo vor, dass Sie langfristig nicht beibehalten können. Ihr*e Chef*in wird sich die anfängliche Leistungsfähigkeit als Maßstab nehmen. Schlimmstenfalls können Sie das Leistungsniveau später nur durch viele Überstunden liefern und riskieren einen Burnout. Der gesunde Mittelweg ist in den ersten 30 Tagen angebracht.

Grundsätzliche Spielregel: Geduldig bleiben und den Ball flach halten

Notieren Sie sich alle wichtigen Informationen, die Sie über den Tag hinweg erhalten und nehmen Sie sich am Ende jeder Woche Zeit, diese nochmal durchzugehen. Das verschafft Ihnen einen Überblick über die wichtigen Punkte.

Werden Sie nicht nervös, wenn es Ihnen nicht schnell genug geht. Sie sollten sich in den ersten Tagen nicht zu viel vornehmen und keine zu hohen Erwartungen an sich selbst stellen. Spielen Sie erst dann aktiv mit, wenn Sie die Regeln einigermaßen gut kennen – und wenn Sie die geeigneten Mitspieler*innen gefunden haben.

Was im zweiten und dritten Monat im neuen Job wichtig ist, lesen Sie in unseren weiteren Blogbeiträgen.

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Bildquelle: © Dayne Topkin - Unsplash.com

 


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