Die 6 hartnäckigsten Vorurteile über Zeitarbeit – und warum sie nicht stimmen

Von Christina Holl 29. Mai 2015

Über die Beschäftigungsform Zeitarbeit existieren in Deutschland noch immer Vorurteile. Manche Bewerber haben beispielsweise Angst, dass sich Stationen in der Arbeitnehmerüberlassung schlecht im Lebenslauf machen. Eine aktuelle Robert-Half-Studie widerlegt diese Annahme: 42 % der befragten HR-Manager sehen Bewerber mit Zeitarbeitserfahrung sogar im Vorteil. Wir räumen in diesem Beitrag mit den sechs langlebigsten Vorurteilen über Zeitarbeit auf.

Manche Vorurteile halten sich hartnäckig. Das ist besonders auffallend beim Thema Zeitarbeit. Dabei basieren die meisten dieser Vorurteile schlichtweg auf Unwissenheit. Arbeitnehmerüberlassung ist ebenso an rechtliche Vorgaben gebunden wie andere Beschäftigungsformen.

Tatsächlich bietet Zeitarbeit Fachkräften sogar Vorteile: Sie können innerhalb kurzer Zeit Erfahrung in verschiedenen Unternehmen sammeln und ihre Fähigkeiten ausbauen. Für viele Fachkräfte ist Zeitarbeit die Chance auf einen Wiedereinstieg oder sogar ein Beschleuniger für die Karriere. Deshalb ist es an der Zeit, mit den gängigen Vorurteilen über Zeitarbeit aufzuräumen.

Zeitarbeit-Vorurteil 1: Zeitarbeit macht sich schlecht im Lebenslauf

Wer als Zeitarbeitnehmer tätig war, sollte das im Lebenslauf nicht verschweigen. Das bestätigt eine aktuelle Arbeitsmarktstudie im Auftrag von Robert Half. Fast die Hälfte der befragten Personaler (42 Prozent) sieht Bewerber mit Zeitarbeitserfahrung im Vorteil. Vor allem dann, wenn sie über Branchenerfahrung verfügen (31 Prozent). Für jeden zweiten Personaler (51 Prozent) macht es außerdem keinen Unterschied im Recruiting-Prozess, ob Bewerber schon einmal als Zeitarbeitnehmer gearbeitet haben oder nicht. Vorausgesetzt natürlich, ihr Lebenslauf entspricht den aktuellen Standards.

Zeitarbeit-Vorurteil 2: Zeitarbeit ist keine Festanstellung

Mit diesem Vorurteil über Zeitarbeit können wir schnell und einfach aufräumen: Auch Zeitarbeitnehmer sind fest angestellt – und zwar bei einem Zeitarbeitsunternehmen wie Robert Half. Wie jeder andere Festangestellte, haben Sie als Zeitarbeitnehmer Anspruch auf Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und auch der gesetzliche Kündigungsschutz gilt. Natürlich beteiligt sich der Arbeitgeber an den Beiträgen zur Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung und meldet seine Mitarbeiter bei der Unfallversicherung an – genau wie für jeden anderen Arbeitnehmer auch. Was sich von Zeit zu Zeit ändert, ist lediglich das Unternehmen, bei dem ein Zeitarbeitnehmer eingesetzt wird. Für Gehaltszahlungen, Vertragsverhandlungen oder auch Fortbildungen ist aber immer das Zeitarbeitsunternehmen zuständig.

Zeitarbeit-Vorurteil 3: Zeitarbeitnehmer verdienen viel weniger

Dass Zeitarbeitnehmer weit weniger verdienen als die Stammbelegschaft des  Unternehmens, in dem sie beschäftigt sind, ist wohl eines der Vorurteile über Zeitarbeit, das sich am hartnäckigsten hält. Die Gehälter von Zeitarbeitnehmern sind an Tarifverträge gebunden und orientieren sich an der Qualifikation und Berufserfahrung, die ein Mitarbeiter mitbringt. Zusätzlich gibt es für ausgewählte Branchen, wie die Chemie- oder Metall- und Elektroindustrie, sogenannte Branchenzuschläge, die das Gehalt von Zeitarbeitnehmern dem der Stammmitarbeiter angleichen. Darüber hinaus bekommen sie in der Regel die Fahrtkosten erstattet und erhalten vermögenswirksame Leistungen. Stark gesuchte Fachkräfte, zum Beispiel aus den Bereichen IT, Finanz- und Rechnungswesen oder aus dem kaufmännischen Bereich, dürfen sich ohnehin meist über übertarifliche Bezahlung freuen.

Zeitarbeit-Vorurteil 4: Zeitarbeitnehmer haben keine Rechte

Auch dieses Vorurteil über Zeitarbeit ist falsch. Zwar schließt das Entleihunternehmen nur Verträge mit der Zeitarbeitsfirma und nicht direkt mit den eingesetzten Fachkräften, dennoch haben diese ähnliche Rechte wie die Stammbelegschaft. Das ergibt sich aus dem sogenannten gesetzlichen Schutzpflichtenverhältnis. Wie das Stammpersonal müssen auch Zeitarbeitnehmer über freie Stellen im Betrieb informiert werden, etwa über einen Aushang am Schwarzen Brett oder per Zugang zum Stellenmarkt im Intranet. Außerdem stehen Zeitarbeitnehmern alle Gemeinschaftseinrichtungen, wie Betriebskindergarten oder Kantine zur Verfügung.

Zeitarbeit-Vorurteil 5: Kein Einsatz, kein Geld

Hinter dieser Vermutung verbirgt sich folgende Frage: Bekomme ich mein Gehalt nur, wenn ich ohne Unterbrechung bei Kundenunternehmen im Einsatz bin? Die Antwort ist: nein. Findet kein nahtloser Übergang zwischen zwei Einsätzen statt, werden Sie für die Zwischenzeit trotzdem bezahlt. Das Risiko trägt das Zeitarbeitsunternehmen. Bei Nichteinsatz müssen sich Zeitarbeitnehmer nicht darum sorgen, sofort entlassen zu werden. In der Regel können ein paar Wochen überbrückt werden.

Zeitarbeit-Vorurteil 6: Zeitarbeit ist nichts für Fachkräfte

Ganz im Gegenteil: Zeitarbeit bietet Fachkräften interessante Möglichkeiten. Fachkräfte aus dem Finanz- und Rechnungswesen, der IT oder dem kaufmännischen Bereich kommen beispielsweise in den verschiedensten Branchen zum Einsatz. Doch wer die Wahl hat, hat oft auch die Qual. In welcher Branche fühlt man sich am wohlsten? Das weiß man in der Regel erst, wenn man verschiedene ausprobiert hat. In der Zeitarbeit haben Fachkräfte aus diesen Bereichen die Möglichkeit, bei Unternehmen der verschiedensten Branchen zu arbeiten - um am Ende zu wissen, wohin sie am besten passen. Gerade in Zeiten, in denen immer mehr Flexibilität gefordert wird und Angestellte in den seltensten Fällen ihr ganzes Arbeitsleben beim selben Arbeitgeber verbringen, haben diese Fachkräfte einen Vorsprung.

Die gängigsten Vorurteile über Zeitarbeit lassen sich mit handfesten Argumenten aus dem Weg räumen. Bewerber sollten sich nicht abschrecken lassen, denn für viele ist Arbeitnehmerüberlassung eine echte Chance. Einsteiger können als Zeitarbeitnehmer Berufserfahrung sammeln oder herausfinden, in welchen Unternehmen sie sich wohler fühlen, ob im großen Konzern oder beim Mittelständler. Und Bewerber, die anderswo durchs Raster rutschen würden, können sich über Zeitarbeit in der Praxis beweisen. Nicht selten folgt aus der Zeitarbeit eine Festanstellung beim Unternehmen. Zeitarbeit im Lebenslauf ist also alles andere als eine Sackgasse für Ihre Karriere.

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