Darf der Chef Überstunden anordnen?

Von Alenka Mladina 6. November 2014

Nicht immer lassen sich alle Aufgaben während der regulären Arbeitszeit erledigen und ab und an macht Jeder mal Überstunden.

Aber was tun, wenn aus der Ausnahme die Regel wird? Und müssen Sie überhaupt länger im Büro bleiben? Die wichtigsten Antworten zum Thema.

Überstunden sind keine Pflicht

Diese Situation haben Sie sicher auch schon einmal erlebt: Wenn ein Projekt beendet, eine neue Software implementiert oder der Jahresabschluss fertig gestellt werden soll, bittet der Chef schon mal darum, etwas länger zu bleiben.

Wenn das ab und zu passiert, ist das für die meisten Arbeitnehmer auch in Ordnung. Aber was, wenn Sie langfristig länger arbeiten als in Ihrem Arbeitsvertrag festgelegt ist? Das kann schon mal vorkommen: Immerhin leisten die Deutschen laut aktueller Erhebungen europaweit die meisten Überstunden.

Bevor wir ins Detail gehen, eines vorneweg: Sie sind nicht verpflichtet Überstunden zu leisten. Die Ausnahmen von dieser Regel lauten: es steht in Ihrem Arbeits- oder Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder Sie einigen sich mit Ihrem Arbeitgeber im Einzelfall.

Die vertraglichen Regelungen und das Arbeitsrecht

Wenn es keine vertraglichen Vorgaben gibt, müssen Überstunden für jeden Fall einzeln abgesprochen werden. Eine mündliche Vereinbarung reicht übrigens aus. Gibt es einen Betriebsrat, muss er zustimmen. Ist eine entsprechende Regelung im Arbeitsvertrag getroffen, muss dort auch eine Höchstzahl festgelegt werden.

Das Arbeitsgesetz sieht eine maximale Arbeitszeit von acht Stunden pro Tag vor, geht aber von einer Sechs-Tage-Woche aus. Somit sind 48 Stunden Gesamtarbeitszeit pro Woche in Ordnung.

Eine Ausweitung auf 60 Stunden ist möglich. Allerdings darf in einem Zeitraum von sechs Monaten die durchschnittliche Arbeitszeit von acht Stunden pro Tag nicht durch Überstunden überschritten werden.

Die Vergütung von Überstunden

Viele Arbeitnehmer fragen sich: „Müssen die Extrastunden bezahlt oder dürfen sie mit freien Tagen ausgeglichen werden?“ Die Antwortet lautet: Der Arbeitgeber muss bezahlen.

Es sei denn, er einigt sich mit dem Angestellten auf Freizeitausgleich. Zuschläge gibt es nur, wenn es im Arbeits- bzw. Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung festgeschrieben ist. Andernfalls gilt der normale Stundensatz.

In manchen Arbeitsverträgen steht, dass

  • Überstunden mit dem Festgehalt abgegolten sind,
  • erst ab einer bestimmten Anzahl bezahlt oder
  • lediglich mit einem Pauschalbetrag vergütet werden.

Solche Angaben sind oft rechtlich anfechtbar, da sie undurchsichtig sind und eine unangemessene Benachteiligung des Arbeitnehmers bedeuten könnten.

Ob angeordnet oder nicht, Arbeitnehmer sollten Überstunden protokollieren

Wer oft länger arbeitet, sollte darüber genau Buch führen. Kommt es irgendwann zu rechtlichen Auseinandersetzungen – etwa bei einer Kündigung – muss der Arbeitnehmer in der Regel jede geleistete Überstunde, die vom Vorgesetzten angeordnet wurde, nachweisen.

Vor allem für Berufseinsteiger ist das interessant, da sie beim Antritt ihrer ersten Stelle eine gewisse Einarbeitungszeit benötigen und oft länger im Büro bleiben, um alle Aufgaben zu erledigen. Allerdings gilt auch hier, dass der Arbeitgeber alles, was über die vertragliche Arbeitszeit hinausgeht, anordnen muss.

Andernfalls zählen diese Zeiten nicht als Überstunden. Denn: Wer freiwillig länger in der Arbeit bleibt, hat leider kein Anrecht auf Bezahlung.

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Wie immer handelt es sich hierbei um sorgfältig recherchierte Fakten. Da das Arbeitsrecht allerdings sehr komplex und die Einzelfälle sehr verschieden sind, können wir keine juristischen Empfehlungen aussprechen. Wenden Sie sich im Bedarfsfall an einen Fachanwalt.

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