BYOD: Wenn der eigene Laptop zum Arbeitsplatz wird

Von Alenka Mladina 19. November 2014

Mobility ist das Zauberwort unserer Arbeitswelt: Geschäftliche E-Mails? Checken wir übers Smartphone, auch zu Hause und nach Feierabend. Eine Korrektur am Excel-Sheet? Per Laptop und Internet geht’s zur Not auch am Wochenende im Freibad. Nicht nur deshalb erlauben inzwischen immer mehr Arbeitgeber, dass Mitarbeiter ihre eigenen Geräte mitbringen. Aber welche Folgen ergeben sich aus dem Trend des „Bring your own device“?

Warum BYOD ein Trend ist

Neueste Hardware für alle Mitarbeiter ist für Unternehmen eine Herausforderung. Laut einer gemeinsamen Studie von Computacenter und PAC empfindet jeder fünfte Befragte seine IT-Umgebung am Arbeitsplatz als „frustrierend“. Fast zwei Drittel geben an, mit veralteten Geräten und Betriebssystem arbeiten zu müssen.

Die Lösung dafür sehen viele im sogenannten „Bring your own device“, kurz BYOD. Das bedeutet, Mitarbeiter nutzen ihre eigenen PCs, Laptops, Tablets oder Smartphones auch beruflich.

Der Vorteil für die Anwender liegt auf der Hand: Der Mitarbeiter arbeitet mit der Hardware, die den persönlichen Vorlieben und Gewohnheiten entspricht. BYOD soll die Mitarbeiter zudem mobiler und produktiver machen und ihnen angenehme Arbeitsbedingungen ermöglichen. Gleichzeitig erspart sich der Arbeitgeber die Anschaffungskosten für die mobilen Geräte. Nur leider gestaltet sich das in der Praxis nicht so einfach.

BYOD als Modell mit Herausforderungen

Wenn Mitarbeiter private Geräte nutzen, müssen Arbeitgeber genau festlegen, was mit firmeninternen Daten geschieht oder wer Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk erlangt. „Bring your own device“ kann nämlich dann zum Verhängnis werden, wenn Personen aus dem eigenen Haushalt das Gerät in die Finger bekommen. Ich denke dabei zum Beispiel an Kinder, die freudig auf dem Tablet ihrer Eltern herumtippen und dabei wichtige Daten löschen könnten.

Und während bei den meisten Unternehmen täglich ein Backup auf dem Server des Unternehmens gemacht wird, lässt man bei privaten Geräten vielleicht doch eher mal die Dateien auf dem Desktop ungesichert liegen. Kaum verwunderlich also, dass laut der Robert Half Technology Arbeitsmarktstudie unter 200 befragten CIOs „Bring your own device“ bei 32 % der Unternehmen verboten ist.

Wer es dennoch erlaubt, braucht klare Richtlinien und Vertrauen. Arbeitnehmer müssen damit rechnen, ihre privaten Geräte nur unter gewissen Einschränkungen nutzen zu können. Dazu gehört beispielsweise, dass sie bestimmte Apps nicht installieren dürfen und vom Arbeitgeber vorgesehene Firewalls einrichten müssen.

Sind Mitarbeiter durch BYOD motivierter?

Vollständig verbieten muss man „BYOD“ meiner Meinung nach trotzdem nicht. Mit bestimmten Vorkehrungen wie etwa Anti-Viren-Programmen, Trainings für einen gewissenhaften Umgang und regelmäßigen Datensicherungen ist das Konzept durchaus sinnvoll und steigert sicher beim einen oder anderen Mitarbeiter Motivation und Produktivität.

Gerade im IT-Bereich ist es wichtig, den Arbeitnehmern ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen. Immerhin denken 75 % der begehrten Fachkräfte darüber nach, den Arbeitgeber zu wechseln.

Eine Studie von ZDNet hat aber auch ergeben: Nur 12 % der Arbeitnehmer würden „Bring your own device“ bevorzugen, selbst wenn sie für die Geräte einen finanziellen Ausgleich bekommen. Ohne diesen Zuschuss sind es sogar nur 7 %.

Deshalb sollten Unternehmen unbedingt darauf achten, ihren Mitarbeitern am Arbeitsplatz aktuelle Hardware zur Verfügung zu stellen. Umgekehrt empfehlen wir Bewerbern, sich über die technische Ausstattung am Arbeitsplatz bereits bei der Jobsuche zu informieren.

Vielerorts hat sich inzwischen auch das „Choose your own device“-Konzept durchgesetzt. In diesem Fall dürfen sich die Mitarbeiter in Absprache mit dem Unternehmen aussuchen, welche Geräte für ihren Arbeitsplatz angeschafft werden.

Das halte ich für eine sinnvolle Alternative zu BYOD, da schließlich nicht jeder die Möglichkeit hat, sich alle paar Monate ein neues Gerät zu kaufen, aber trotzdem gerne mit der aktuellsten Version arbeitet.

Trennung zwischen Beruf und Privatem

Doch auch Mobilität hat ihre Nachteile – wer sein privates Smartphone für den Beruf nutzt, muss damit rechnen, dass er auch in seiner Freizeit für berufliche Kontakte erreichbar ist.

Ich persönlich finde es angenehm, meine eigenen elektronischen Geräte nur privat zu nutzen. So bleiben Urlaubsfotos tatsächlich zu Hause und Excel-Tabellen in der Arbeit – diese Trennung ist für mich mit BYOD nie vollständig möglich.

 

Bildquelle: © Creativa Images - Fotolia.com

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