Business Knigge – die richtigen Umgangsformen fürs Büro

Von Alenka Mladina 15. Juli 2014

Früher galt auch am Arbeitsplatz eine eindeutige Etikette: Männer hielten Frauen die Tür auf und erhoben sich, wenn eine Dame den Meetingraum betrat.

Doch die Zeiten ändern sich und diese Umgangsformen sieht man heute im Büro immer seltener. Darf man noch Gesundheit sagen? Wer geht die Treppe zuerst herunter? Und vor allem: Gibt es einen speziellen Business Knigge?

Etikette – welche Umgangsformen sind im Büro zeitgemäß?

Eine unserer Kolleginnen leidet unter starkem Heuschnupfen. Dementsprechend oft niest sie derzeit. Gestern in der Mittagspause hat sie damit ungewollt eine große Diskussion unter den Kollegen ausgelöst. Und das nur weil ihr der Sitznachbar „Gesundheit“ wünschte. „Laut Knigge sagt man das heute nicht mehr“, kommentierte eine andere Kollegin. Und schon hatten wir am Mittagstisch zwei Fraktionen.

Tatsächlich rät der Knigge vom „Gesundheit“ wünschen ab. Aber manche Umgangsformen haben sich eben eingebürgert. Ist es Zeit sie zu überdenken? Für formelle Meetings gibt es spezielle Regeln, Etikette im Alltag bedeutet doch schließlich mehr, als sich nur stur an Regeln zu halten.

Wer bestimmt den Business Knigge?

Mein Tipp Nummer Eins zu richtigen Umgangsformen für das Büro: Schalten Sie den Kopf ein, anstatt nur Tipps auszuführen, die Sie in Fachbüchern oder im Internet aufgeschnappt haben. Das Schöne ist doch, dass wir im Grunde alle dasselbe wollen: Eine angenehme Atmosphäre am Arbeitsplatz. Dementsprechend sollten wir dafür sorgen, dass sich die Kollegen wohl und wertgeschätzt fühlen. Wenn der dauerniesenden Kollegin zehn Leute am Tisch Gesundheit wünschen, stört das nicht nur die Gespräche. Ihr selbst ist das vermutlich auch sehr peinlich.

Klammern Sie sich nicht an der Etikette fest

Eine angenehme Atmosphäre ist auch immer eine entspannte Atmosphäre. Dazu gehört auch Spontaneität. Wenn Sie als Erster an der Tür sind, sollten Sie diese aufhalten. Egal ob hinter Ihnen der Chef oder der Praktikant steht.

Zu großer Eifer kann allerdings auch unangenehm werden. Der Vorgesetzten den Fahrstuhl zu rufen, während Sie vier Ordner auf einem Arm balancieren, wirkt eher unbeholfen als galant. Ebenso wie im Meeting als Einziger vom Stuhl aufzuspringen, wenn der Chef den Raum betritt.

Den individuellen Business Knigge erkennen Sie durch Beobachtung

In meiner bisherigen Karriere habe ich festgestellt, dass sich die Umgangsformen von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden: Manche Chefs legen Wert darauf, im Fahrstuhl den Vortritt zu bekommen. Andere zeigen ihre Wertschätzung gerne selbst mit kleinen Gesten wie dem Aufhalten der Tür. In der Regel finden Sie durch Beobachtung schnell heraus, worauf in Ihrer Firma Wert gelegt wird.

Für unsichere Angestellte und in Stresssituationen habe ich einen kleinen Tipp für Sie. Orientieren Sie sich an der traditionellen Etikette, in der Frauen den Vorzug bekommen. Doch an die Stelle der Frau tritt im Business Knigge der Chef. Das heißt selbstverständlich nicht, dass Sie ihn mit Handkuss begrüßen sollen. Aber die kleinen Gesten – wie Tür aufhalten und vom Stuhl aufstehen –, die früher für Frauen reserviert waren, zeigen Sie heute gegenüber dem Chef.

Natürlich dürfen Sie diese Umgangsformen auch gegenüber Kollegen an den Tag legen. Aber Vorsicht: Wenn Sie es übertreiben, können Sie vor allem Frauen und älteren Kollegen gegenüber in ein Fettnäpfchen treten. Und auch hier gilt: Beobachten Sie Ihre Kollegen und halten Sie sich an die in Ihrem Unternehmen gängigen Höflichkeitsformen.

Die Smartphone-Etikette

Seit Smartphones und Tablets zum Büroalltag gehören, sind sie ein wichtiger Gegenstand des Business Knigge. Denn gute Umgangsformen zeigen Sie, indem Sie Ihrem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit schenken – und nicht während des Gesprächs auf ein Display starren. Übrigens stört das Handy mit Vibrationsalarm auf dem Besprechungstisch auch dann, wenn Sie keine Gespräche annehmen. Mehr Tipps zur digitalen Business (N)Etikette finden Sie auch hier.

Die schlimmste aller Umgangsformen ist letztendlich aber die Besserwisserei. Niemand wird gern von anderen über Etikette belehrt – schließlich sind viele Praktiken schlichtweg Gewohnheits- oder Ansichtssache.

Wenn Sie sich allerdings einmal wirklich auf den Schlips getreten fühlen, dürfen Sie es dem Kollegen ruhig sagen. Aber höflich und entspannt. Sollte tatsächlich mal etwas schief laufen, nehmen Sie es mit Humor und gestehen Sie Ihre eigenen Fehler ein. Das ist sympathisch und zeigt Charakter.

Welche Umgangsformen und Business Etikette-Regeln sind Ihnen persönlich am wichtigsten?

 

Bildquelle: © Kablonk Micro - Fotolia.com

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