Bewerbung zurückziehen: Das muss Ihnen nicht peinlich sein!

Von Alenka Mladina 30. April 2018

Haben Sie gleichzeitig mehrere Bewerbungen laufen, geraten Sie wahrscheinlich früher oder später in die Zwickmühle: Was machen Sie mit den noch laufenden Bewerbungen, nachdem Sie bei einem anderen Job zugesagt haben? Zeigen Sie Rückgrat und ziehen Sie Ihre Bewerbung gekonnt zurück.

In diesem Blog lesen Sie:

  • Laufende Bewerbungen vorzeitig zurückziehen
  • Jobangebot ablehnen: Das sind gute Gründe
  • Bewerbung zurückziehen: Nur Mut!
  • Der Ton macht die Musik

Laufende Bewerbungen vorzeitig zurückziehen?

Für einen neuen Job reicht es in den seltensten Fällen, sich auf ein Stellenangebot zu bewerben. So gaben in einer repräsentativen Umfrage von Robert Half 60 % der Befragten an, sich bei der letzten Jobsuche für mehr als 10 Stellenangebote beworben zu haben. Das ist auch völlig in Ordnung, denn mehrere Bewerbungen erhöhen die Chancen auf eine passende Stelle.

Nur, was passiert wenn Sie die passende Stelle gefunden haben, während Sie bei den anderen Unternehmen weiterhin in der engeren Auswahl sind? Die Empfehlung der Personalberater von Robert Half lautet klipp und klar: Sie sollten jede noch laufende Bewerbung zurückziehen. Das ist weder peinlich noch ehrenrührig, sondern einfach guter Ton. Doch nicht nur das. Warum es auch sonst eine gute Idee ist und wie Sie das „Luxusproblem“ elegant lösen, erfahren Sie hier.

Jobangebot ablehnen: Das sind gute Gründe

Den für Sie besten Anlass, eine Bewerbung zurückzuziehen, haben wir bereits genannt: Sie haben zwischenzeitlich bei einer anderen Stelle zugegriffen. Daneben gibt es aber noch weitere Motive:

  • Sie bezweifeln mittlerweile, ob der potenzielle Arbeitgeber der richtige für Sie ist. Vielleicht, weil Sie seit der Bewerbung wenig schmeichelhafte Interna über das Unternehmen und seine Führungskräfte erfahren haben. Oder weil die Firma in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist und negative Presse erhalten hat.
  • Für Sie hat sich kurzfristig eine andere private Situation ergeben, weil zum Beispiel eine neue Beziehung zu einem Ortswechsel führt.
  • Kann auch passieren: Sie möchten sich beruflich völlig neu orientieren und nehmen deshalb Abstand von der Bewerbung.
  • Das zu erwartende Gehalt liegt unter Ihren Vorstellungen.
  • Ihr eventuell künftiger Chef hat im Bewerbungsgespräch keinen guten Eindruck auf Sie gemacht.
  • Gesundheitliche Umstände sprechen mittlerweile gegen die angestrebte Stelle.
  • Der Probearbeitstag war ein Reinfall.
  • Die künftigen Kollegen und der Umgang untereinander hat Ihnen nicht gefallen.
  • Sie haben ein ungutes Bauchgefühl.

All das sind gute Gründe, um ein Jobangebot abzulehnen oder eine Bewerbung zurückzuziehen. Deshalb brauchen Sie kein schlechtes Gewissen zu haben. Auch nicht, wenn Sie von einem vereinbarten Vorstellungstermin abspringen oder nach einem Bewerbungsgespräch absagen.

Kein guter Grund ist es, falls Bewerber rein berechnend denken und Unternehmen durch eine Hinhaltetaktik gegeneinander ausspielen wollen. Auch kommt es nicht gut an, wenn Kandidaten eine erteilte Zusage zu einer Stelle kurzfristig zurücknehmen - insbesondere wenn den anderen Finalisten in der Bewerbungsrunde von Unternehmensseite schon abgesagt wurde. Das ist schlechter Stil und kann sich leicht in einer Branche herumsprechen.

Bewerbung zurückziehen: Nur Mut!

Sie müssen nicht mit sich hadern: Personaler sind nicht sauer, wenn Sie eine mittlerweile überflüssige Bewerbung zurückziehen. Im Gegenteil. In der Praxis stellen unsere Berater immer wieder fest, dass HR-Verantwortliche sehr positiv auf ehrliches Feedback reagieren. Das heißt nicht, dass sie nicht etwas enttäuscht sind, gerade wenn Sie zu der engeren Auswahl gehört haben. Dennoch ist ihnen ein frühzeitiger Bewerbungsrückzieher viel lieber, als wenn Sie als finaler Wunschkandidat kurz vor Vertragsabschluss absagen. Für Sie hat das Zurückziehen der Bewerbung ebenfalls Vorteile:

  • Die Absage einer Bewerbung durch einen Bewerber zeugt von Manieren und Respekt gegenüber der Personalabteilung. Und wer weiß: Vielleicht möchten Sie irgendwann doch in dem Unternehmen anheuern. Allein schon deshalb sollten Sie dort einen guten Eindruck hinterlassen.
  • Eine zurückgezogene Bewerbung kann darüber hinaus Ihrer beruflichen Reputation dienen. So merkt das betroffene Unternehmen, wie begehrt Sie offenbar sind. Möglicherweise kommt man später auf Sie zu, wenn es um eine andere oder sogar bessere Stelle geht. Denn Ehrlichkeit im Bewerbungsprozess wird sehr geschätzt. 

Beim Bewerbungsrückzieher macht der Ton die Musik

Wollen Sie Ihre Bewerbung zurückziehen, sollten Sie das gegenüber der Personalabteilung oder Geschäftsleitung offen und ehrlich, aber auch diplomatisch begründen.

Führen Sie also knapp Ihre Motive an und unterfüttern Sie sie mit zwei, drei Argumenten. So können die Personaler Ihre Entscheidung nachvollziehen. Sie müssen dabei aber nicht ins Detail gehen.

Auf jeden Fall wählen Sie eine höfliche Absage der Bewerbung. Bedanken Sie sich also für das Interesse an Ihrer Person und drücken Sie Ihr Bedauern über Ihren Rückzieher aus. Vermeiden Sie aber, sich ausschweifend zu rechtfertigen. Das klingt zu sehr nach schlechtem Gewissen.

Sie können verschiedene Wege wählen, wenn Sie eine Bewerbung zurückziehen wollen:

  • Telefonische Absage: Greifen Sie zum Hörer, dann demonstrieren Sie damit Selbstbewusstsein. Schließlich kostet es Überwindung, eine Bewerbung im persönlichen (Fern-)Gespräch zurückzuziehen. Weiterer Vorteil: Sie ziehen sich damit schnell und unkompliziert aus der Affäre. Am besten legen Sie sich Ihre Argumente vorher zurecht. Stellen Sie sich aber auch auf mögliche Einwände Ihres Gesprächspartners ein. Obwohl er normalerweise nicht verärgert reagieren dürfte – besonders erfreut wird er auch nicht sein.
  • Briefliche Absage: Mit dieser klassischen Form beweisen Sie gleichzeitig Stil und Engagement. Schließlich verlangt eine inhaltlich sowie formal einwandfreie schriftliche Absage eines Jobangebots von Ihnen eine erhöhte Konzentration. Von einem gewissen zeitlichen Aufwand ganz zu schweigen. Das kann Eindruck machen.
  • E-Mail-, WhatsApp- oder Messenger-Absage: Elektronische Post ist vergleichsweise schnell geschrieben und kommt innerhalb weniger Augenblicke beim Adressaten an. Doch wirkt sie oft als unpersönlichste der drei Varianten. 

Welches Medium soll es also sein? Haben Sie sich per E-Mail beworben, dann können Sie auch so absagen. Das gleiche gilt für eine schriftlich abgegebene Anfrage. Letztlich hängt es von Ihnen ab; eine feste Regel gibt es jedenfalls nicht. Wichtiger als der Weg ist ohnehin der Inhalt.

Wussten Sie, dass wir unsere Jobbörse für Fach- und Führungskräfte täglich aktualisieren? Schauen Sie doch einmal rein, vielleicht wartet dort Ihr Traumjob auf Sie?

 

Bildquelle: © AndreyPopov - istockphoto.com

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