Bewerbung undercover: Damit der Chef nichts merkt

Von Alenka Mladina 7. September 2017

Bewerben aus der Festanstellung – das kann schwierig werden. Schließlich soll Ihr Chef nicht wissen, dass Sie einen neuen Job suchen. Wie Sie den Balanceakt zwischen Diskretion und erfolgreicher Jobsuche meistern, lesen Sie hier.

Jobwechsel unauffällig vorbereiten

Die Bewerbung aus der Festanstellung heraus birgt immer ein gewisses Risiko. Wie würde wohl Ihr Chef reagieren, wenn er davon erfährt? Schwer vorherzusagen. Aber wahrscheinlich wird er Ihre Wechselabsichten nur in den seltensten Fällen zum Anlass nehmen, Ihnen eine bessere Position oder mehr Gehalt anzubieten. Deshalb sollten Sie Ihre Bewerbung zielgerichtet senden und ein paar grundlegende Dinge beachten.

Merkt der Vorgesetzte, dass sein Mitarbeiter anderen Unternehmen schöne Augen macht oder Bewerbungen verschickt, sorgt das meist für eine angespannte Stimmung und viel Diskussionsstoff. Um die Beziehung zu Ihrem Chef nicht zu gefährden, sollten Sie deshalb vorsichtig sein, wenn Sie sich nach einem alternativen Arbeitgeber umsehen. Hier sind fünf Tipps für die Bewerbung undercover.

1. Verwischen Sie Ihre Spuren

Wenn Sie sich aus einer Festanstellung bewerben wollen, setzen Sie wie bei jeder Jobsuche vermutlich auf das Internet. Das bringt aber auch einige Risiken hinsichtlich der Diskretion mit sich. Wenn Sie LinkedIn oder Xing für die Jobsuche einsetzen, sollten Sie die Funktion in Ihren Einstellungen abschalten, die Ihre Kontakte über Profil-Updates informiert.

Besonders wenn Ihre Kollegen und Vorgesetzten die Formulierung „Neue Herausforderung“ in Ihrem „Ich suche“-Feld lesen, ist es offensichtlich, dass Sie sich gerade auf Jobsuche befinden. Sie könnten sich außerdem darüber wundern, warum Sie derzeit so akribisch an Ihrem Profil arbeiten. Vorsicht ist natürlich besonders geboten, wenn Sie bei Xing Ihren Chef als Kontakt haben.

Verkünden Sie Ihre Wechselabsichten nicht auf Facebook oder anderen sozialen Netzwerken. Fragen Sie dort auch nicht nach Empfehlungen für offene Stellen.

Ein absolutes No-Go ist zudem, den Arbeitscomputer für die Jobsuche oder eine Bewerbung zu nutzen. Das gilt auch für das Telefon und vor allem für Ihren beruflichen E-Mail-Account. Wenn die private Nutzung nicht erlaubt ist, kann dies sogar Grund für eine Kündigung seitens des Arbeitgebers sein.

2. Wählen Sie Ihr "Bewerbungsrevier"

Das eigene Netzwerk hilft bei der Suche nach einem neuen Job, aber es kann auch für unerfreuliche Überraschungen sorgen. Sie wissen nie, wer mit wem vernetzt ist. Vielleicht steht ein vielversprechender Kontakt auch in Verbindung mit Ihrer Firma. Wägen Sie deshalb sorgfältig die Risiken ab, bevor Sie jemanden aus Ihrem Netzwerk nach Empfehlungen fragen und ihm Bewerbung oder Lebenslauf zukommen lassen.

Wenn Sie möglichst sicher gehen wollen, wählen Sie ein fremdes Territorium, um sich aus der Festanstellung zu bewerben: eine andere Branche oder Region zum Beispiel. Dadurch könnten sich nicht nur bisher ungeahnte Möglichkeiten ergeben – auch Ihr Lebenslauf profitiert von der neuen Vielseitigkeit, wenn es mit der Stelle klappt.

3. Bewerben aus der Festanstellung: Tarnen Sie sich

Wenn Sie Ihren Lebenslauf online veröffentlichen, aber aufgrund Ihrer Festanstellung anonym bleiben möchten, können Sie das auf vielen Jobportalen, wie monster.de oder stepstone.de, tun. Immer mehr Personalentscheider und auch Personalvermittler nutzen diese Lebenslaufdatenbanken, um aktiv nach interessanten Bewerbern zu suchen. Ihr Vorteil: Ihre Bewerbung erscheint ohne Namen oder Arbeitgeber und enthält nur Informationen zu Ihren Qualifikationen. 

Noch einfacher und absolut diskret können Sie sich mit Hilfe eines Personaldienstleisters bewerben. Achten Sie darauf, dass dieser auf Ihr Berufsbild spezialisiert ist. Dann sind die Chancen auf eine schnelle Vermittlung auf den passenden Job am höchsten.

4. Personalvermittler mit Bedacht auswählen

Professionelle Personalvermittler sind eine große Hilfe, wenn Sie einen neuen Job suchen. Arbeitet der Personalberater Ihrer Wahl bereits für Ihren Arbeitgeber, sorgen Sie dafür, dass er das weiß. Somit ist klar, dass Ihre Bewerbung besonders vertraulich zu behandeln ist. Sie wollen schließlich nicht, dass er sich bei Ihrem Vorgesetzten mit einem attraktiven Jobkandidaten meldet – nämlich mit Ihnen.

Für seriöse Anbieter wie Robert Half ist absolute Diskretion selbstverständlich und die Zusammenarbeit für Sie als Bewerber komplett kostenlos. Hier können Sie Ihren Lebenslauf hochladen und Unterstützung beim Jobwechsel in Finanz-, IT- oder kaufmännischen Berufen bekommen.

5. Agieren Sie aus der Deckung

Auch Ihre Kleidung kann verraten, dass Sie einen Jobwechsel planen: Wenn der Dresscode an Ihrem aktuellen Arbeitsplatz eher zwanglos ist, fällt es auf, wenn Sie plötzlich im Anzug erscheinen.

Das gleiche gilt, wenn Sie sich nach Feierabend in der Toilette umziehen und anschließend noch einem Kollegen über den Weg laufen. Sorgen Sie lieber dafür, dass Sie zwischen Arbeit und Vorstellungsgespräch genügend Zeit haben, sich zu Hause umzuziehen.

Dass Sie sich gerade aus der Festanstellung bewerben, sollten Sie vor Ihren Kollegen möglichst geheim halten. Sie finden sicherlich jemand anderen in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, der Ihr Bewerbungsschreiben gegenlesen kann. Sie wollen schließlich weder die Teammoral gefährden, noch riskieren, dass ein Kollege sich gegenüber Ihrem Vorgesetzten verplappert.

Wenn sich der Erfolg nicht einstellt und Ihre bisherigen Bewerbungen keine Beachtung finden, ist es vielleicht an der Zeit, Ihr LinkedIn- oder Xing-Profil zu überarbeiten. So werden Personalentscheider auf Sie aufmerksam, ohne dass Sie sich aktiv bewerben und Ihr Chef etwas bemerkt.

Bildquelle: © Family Business - Fotolia.com

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