Besser bewerben mit einer „Seite Drei“?

Von Alenka Mladina 4. April 2014

Bewerbungen sind Präzisionsarbeit. Auf nur wenigen DinA-4-Seiten sollen Sie beweisen, dass Sie der richtige Kandidat für Ihre Traumposition sind. Wenn Ihnen Anschreiben und Lebenslauf nicht ausreichen, bietet die Seite Drei Platz für weitere Argumente. Doch ist dieses Motivationsschreiben immer eine gute Idee?

Die Seite Drei ist kein Muss

Bereits mit ihrem Namen verrät die Seite Drei, wo man sie in der Bewerbung finden kann: an dritter Position hinter Anschreiben und Lebenslauf. Doch viele Bewerber sind sich unsicher und fragen unsere Personalberater um Rat: Muss ich meiner Bewerbung diese extra Seite anhängen? Und falls ja: Mit welchen Informationen fülle ich sie?

Die schlechte Nachricht der Kollegen lautet: Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Vieles hängt von der ausgeschriebenen Stelle und Ihrem persönlichen Werdegang ab. Die gute Nachricht: Alle Vor- und Nachteile sowie Chancen und Risiken lesen Sie in den folgenden Abschnitten. Machen Sie sich ein Bild davon, wann ein Motivationsschreiben in Ihrer Bewerbungsmappe sinnvoll ist.

Die Vorteile und Chancen

Die Seite Drei wird auch „Motivationsschreiben“ genannt. Ein Begriff, der das volle Potential der Seite verschleiert. Denn Sie können hier weit mehr als nur Ihre Motivation beschreiben.

Nutzen Sie die Gelegenheit, Argumente vorzubringen, die in Lebenslauf und Anschreiben keinen Platz gefunden haben oder zu kurz gekommen sind.

Sie können Qualifikationen erläutern, die aus dem Lebenslauf nicht eindeutig hervorgehen. Sie können berufliche und private Ziele nennen, die Ihre Eignung für die Stelle unterstreichen. Oder Sie nutzen die Gelegenheit, um Brüche im Lebenslauf ins rechte Licht zu rücken.

So lange Sie präzise und zielgerichtet argumentieren, heben Sie sich mit der Seite Drei von vielen Mitbewerbern ab und zeigen, dass Sie sich mit dem Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle auseinandergesetzt haben.

Die Nachteile und Risiken des Motivationsschreibens

Personalentscheider haben oft für einzelne Bewerbungen nur wenige Sekunden Zeit. Unter Umständen machen Sie sich die Mühe umsonst und Ihre Seite Drei wird gar nicht gelesen. Im schlimmsten Fall lenkt Sie sogar von Ihrem Lebenslauf ab.

Das größte Risiko besteht darin, dass der zusätzliche Platz sie dazu verführt, mehr zu schreiben als Sie eigentlich zu sagen haben. Wenn Sie das Motivationsschreiben mit irrelevanten Fakten aus Ihrem Leben füllen, verwässern Sie damit Ihre Bewerbung. Das Signal an den potentiellen Arbeitgeber: Sie haben entweder nicht verstanden, worauf die Firma Wert legt oder Sie besitzen die gewünschten Qualifikationen schlichtweg nicht.

Gehen Sie auf Nummer sicher

Ein Motivationsschreiben eignet sich nicht für jede Bewerbung. Wird es in der Stellenausschreibung nicht explizit gefordert, erkundigen Sie sich im Zuge Ihrer Telefonrecherche beim Unternehmen, ob es erwünscht ist.

Die Seite Drei bietet sich vor allem für Bewerber mit langjähriger Berufserfahrung an. Sie können darin betonen, welche Ihrer Erfahrungen und Qualifikationen für die ausgeschriebene Stelle die größte Bedeutung haben. Bei Initiativbewerbungen können Sie hier erläutern, warum Sie in das Unternehmen gehören, obwohl es gerade gar keine Mitarbeiter sucht.

Was Sie auf jeden Fall beachten müssen

Die goldene Regel für die Seite Drei lautet: keine halben Sachen. Wenn Sie ein Motivationsschreiben anfertigen, muss es mit besonderer Sorgfalt und Präzision geschehen:

  • Gleichen Sie das Geschriebene mit Anschreiben und Lebenslauf ab: Vermeiden Sie Doppelungen.
  • Gehen Sie keine Layout-Experimente ein: Nutzen Sie denselben Schrifttyp und dieselbe Schriftgröße wie in der restlichen Bewerbung.
  • Wenn die Seite Drei keinen eindeutigen Mehrwert darstellt, lassen Sie sie weg.

Haben Sie sich bereits mit einem „Motivationsschreiben“ beworben? Wie waren Ihre Erfahrungen?

Bildquelle: © Sergey Nivens - Fotolia.com

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