Back to Office! So bereiten Unternehmen die Rückkehr ins Büro vor

Von Christina Holl on 30. August 2021

Immer öfter wird es bald “Back to Office!” heißen. Doch eine Rückkehr an den Arbeitsplatz wie vor der Pandemie kann das in der Regel nicht sein. Dafür hat Corona die Arbeitsbedingungen zu stark verändert. Unternehmen müssen darauf reagieren – sowohl ganz praktisch als auch strategisch.
 

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Hybrides Arbeiten wird bleiben 

Die Pandemie zeigt: Viele Unternehmen können sich auf unvorhergesehene Entwicklungen einstellen. Symbolisch für etliche erfolgreiche Anpassungen steht der schnelle Wechsel von der Anwesenheitspflicht zur Remote Work. Doch irgendwann werden die Einschränkungen wegen des Coronavirus fallen. Bereits jetzt heißt es schon in vielen Unternehmen: Back to Office! – vorausgesetzt, das ist unter den gegebenen Bedingungen sicher möglich. 

Wird damit wieder alles so wie vor Corona? Wohl kaum. Denn aufgrund des erzwungenen Drucks, sich der Digitalisierung zu öffnen, werden Home-Office und Co. den Arbeitsalltag weiterhin zumindest teilweise bestimmen. Dafür sprechen die (oft unerwartet) guten Erfahrungen der Betriebe damit. Außerdem haben sich weite Teile der Beschäftigten an die neue Realität gewöhnt und schätzen die damit verbundene Flexibilität. Das heißt, dass die Rückkehr an den Arbeitsplatz am Unternehmensstandort nicht automatisch zum Normalfall werden wird. Stattdessen dürften Unternehmen vermehrt hybride Teams einsetzen.

Diese Prognose stützt die aktuelle Arbeitsmarktstudie von Robert Half. Basis ist eine Umfrage unter CIOs und CFOs von Unternehmen in Deutschland. Demnach erwartet annähernd jeder zweite Betrieb (44 %), dass nach der Corona-Pandemie mehr als ein Drittel seiner Mitarbeitenden von zu Hause tätig sein wird. Interessant: Dieser Meinung ist mehr als die Hälfte der Führungskräfte (57 %) in kleineren Unternehmen. In größeren gilt das nur für 31 % des Managements.

Weil sie nicht mehr ihre gesamte Belegschaft im Büro erwarten, denken 43 % der Befragten darüber nach, ihre Büroflächen künftig zu verkleinern. 37 % wollen einen noch größeren Schritt machen und vollständig auf Büroplätze verzichten. Ein Drittel erwägt einen Standortwechsel oder die Schließung einzelner Arbeitsstätten.

So müssen sich Arbeitsplätze anpassen

Aber trotz Home-Office wird es in vielen Fällen auch eine Rückkehr ins Büro geben. Doch wie müssen die Räumlichkeiten gestaltet sein für jene, die vor Ort arbeiten? Antwort: Die Umgebung der Beschäftigten sollte sich stärker an den Aufgaben ausrichten. Das erfordert:

  • eine abstands- und hygienegerechte Einrichtung
  • Platz für kreativen Austausch, Calls und Meetings
  • Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten oder Abschalten abseits eines Großraumbüros
  • Event-Bereiche außerhalb der Küche zwecks ungezwungener Treffen der Beschäftigten
  • flexible Organisation der Arbeit (Treffen von Teams im Büro, konzentrierte Tätigkeit im Home-Office)
  • eine gewisse Anzahl mit Video-Technik ausgestatteter Arbeitsplätze für Besprechungen mit externen Kundinnen und Kunden bzw. Kolleginnen und Kollegen im Home-Office

Robert-Half-Studie: So reagieren Unternehmen auf hybrides Arbeiten

Angepasste Räumlichkeiten können allerdings nur ein Teil der Antwort auf den Trend hin zu Home-Office und mobilem Arbeiten sein. Emine Yilmaz, Vice President bei Robert Half, sagt dazu: “Arbeitgeber müssen sich also nicht die Frage stellen, ob, sondern wie und nach welchen Prinzipien hybrides Arbeiten zukünftig ermöglicht wird.”

Dieser Prozess ist bereits im Gange. Auch das zeigt die aktuelle Arbeitsmarktstudie von Robert Half. Denn darin wurde unter anderem das Thema Remote Work näher beleuchtet. Und zwar anhand folgender Fragen.

Was sind die drei größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen beim Einsatz hybrider Teams? Darauf antworteten die Befragten:

  • Optimierung der Zusammenarbeit
  • Stresstest für das Management
  • Überwachung von Arbeitslasten
  • erfordert die Einstellung von Kandidat*innen mit neuen Fähigkeiten
  • Entwickeln neuer Projekte

Welche drei Merkmale haben sich nach mehr als sechs Monaten Remote-Arbeit in Ihrem Team derzeit besonders stark entwickelt?

  • Zusammenarbeit (34 %)
  • Unterstützung von Kolleg*innen (33 %)
  • positive Einstellung (29)

Haben Sie den Mitarbeitern erlaubt, während der Remote-Arbeit den Standort zu wechseln?

  • ja (81 %)
  • nein (19 %)

Wie hat Ihr Unternehmen dies ermöglicht?

  • angepasste Arbeitszeiten (43 %)
  • Prozesse zur flexiblen Verwaltung von Remote-Mitarbeiter*innen (37 %)
  • neu gestaltete Jobprofile (36)

Evolution der Unternehmenskultur

Die Antworten demonstrieren tiefgreifende Auswirkungen der Corona-Pandemie, die über deren Ende hinausgehen werden. Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & France bei Robert Half, formuliert es so: “Eines ist klar: Ein ‚zurück ins Büro‘ wie vor der Pandemie wird es nicht geben.”

Back to Office betrifft damit auch die personelle Aufstellung und die Organisation von Arbeit. Das wird den Bedarf an Fachkräften für die Zeit nach Corona verändern sowie ansteigen lassen. In der Folge dürfte sich der schon zuvor tobende War for Talents verschärfen und es bei einem Kandidaten-Arbeitsmarkt bleiben.

Darauf müssen Betriebe unter Umständen mit einer Evolution der Unternehmenskultur reagieren. Tun sie das nicht, verlieren sie als Arbeitgeber an Attraktivität. Um das zu verhindern, müssen Führungskräfte die Veränderungen durch die Digitalisierung am Arbeitsplatz nicht nur technisch auffangen. Sie sind gefordert auch das Miteinander der neuen Flexibilität anzupassen. Das Ziel ist eine offene, vertrauensbildende Unternehmenskultur. Das betrifft unter anderem:

  • moralische und soziale Werte
  • faires Verhalten nach außen und innen (auch seitens des Managements)
  • Förderung von Soft Skills
  • Unterstützung von Selbstverantwortung
  • Kritikfähigkeit
  • transparente Kommunikation
  • Offenheit für Diversität und Verschiedenartigkeit 

Die bestehende Belegschaft sollte in den gesamten Prozess eingebunden werden. Ein wichtiger strategischer Partner dabei ist die Personalabteilung. Sie kann wesentliche Impulse leisten und Maßnahmen in die Tat umsetzen. Die Mittel dazu sind beispielsweise Weiterbildungsmaßnahmen und die Rekrutierung von Beschäftigten, die zur gewünschten Unternehmenskultur passen.

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