Baby-Boomer trifft Digital Native

Von Sven Hennige 26. November 2013

Aktuellen Untersuchungen zufolge wird die Generation Y im Jahr 2020 rund die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung weltweit ausmachen. Unter der Generation Y versteht man die nach 1980 Geborenen – mit anderen Wertvorstellungen und Ansprüchen an den Job als frühere Generationen. Zu Recht stellen sich viele Personalverantwortliche daher die Frage: Bildet unsere Führungskultur bereits die Wünsche der neuen Generation ab? Müssen wir unseren Führungsstil verändern und wenn ja, wie?

Führungskulturen auf dem Prüfstand

Personalverantwortliche und Arbeitgeber sind dazu angehalten, ihre unternehmerischen Programme zur Gewinnung und Bindung von Talenten entsprechend des Wertewandels auszurichten. Künftig werden sie dies noch wesentlich ausgeprägter und institutionalisierter tun müssen!

Denn: Wenngleich meine Erfahrung im Personalmanagement mir oft gezeigt hat, dass Verallgemeinerungen nicht zielführend sind, so lassen sich für diese junge Generation Y typische Merkmale und Gemeinsamkeiten identifizieren.

Hier möchte ich Ihnen zwei Merkmale vorstellen, die aus meiner Sicht künftige Führungskulturen am stärksten beeinflussen werden: Das Alter und das (durch die Mobilität bedingte) grenzüberschreitende Networking der so genannten Digital Natives.

1. Merkmal: Die künftige Belegschaft wird deutlich jünger

Zum einen ist es Fakt, dass die hochqualifizierten Bewerber, die heute in Deutschland auf den Arbeitsmarkt drängen, in der Regel jünger sind als die „Peers“ ihrer Vorgängergeneration.

Diese „Verjüngung“ hat vor allem zwei Gründe: Einerseits die Bologna-Reform mit der entsprechenden Abschaffung von Diplom- und Magisterstudiengängen und andererseits die Verkürzung der Schulzeiten in einigen Bundesländern.

Wenn die Generation Y daher im Jahr 2020 etwa die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung ausmacht, müssen sich Arbeitgeber darauf einstellen.

2. Merkmal: Mobilität und Networking erschweren die Mitarbeiterbindung 

Die Kollegen der Generation Y sind in einem Umfeld aufgewachsen, das sich durch Mobilität und grenzüberschreitendes Networking kennzeichnet. Sie haben viele Möglichkeiten, was sie sehr unabhängig macht. Dies kann sich auf ihr Loyalitätsverhalten gegenüber dem Arbeitgeber auswirken.

Wenngleich ichbezogen und in einem hochtechnologisierten Umfeld aufgewachsen, schätzen die Digital Natives die Direktansprache und regelmäßiges persönliches Feedback.

Mitarbeiterführung unterschiedlicher Altersgruppen – Empfehlungen für HR Manager

Diese Merkmale zusammen machen die Führung der jungen Generation für ältere Team-, Abteilungs- und Bereichsleiter insbesondere aus der Generation Baby Boomer nicht gerade leicht. Zumal die Generation Y Hierarchien ohnehin skeptisch gegenübersteht und Unternehmenskulturen (hier auch: Corporate Social Responsibility) sowie Möglichkeiten flexibler Arbeitszeiten und -modelle sehr genau und kritisch überprüft.

Personalentscheider werden die unterschiedlichen Lebensumstände und insbesondere die Ansprüche der Generation Y an den Job noch stärker berücksichtigen müssen.

Einen großen Schritt in die richtige Richtung erreichen Unternehmen, wenn sie noch stärker – beispielsweise anhand interner Umfragen - ihre Mitarbeiter zu Ihren Erwartungen und Wünschen befragen. Denn dies wird die Basis sein, auf der Unternehmen ihre Führungskultur und entsprechende Anreizsysteme künftig definieren müssen – natürlich im Rahmen der unternehmensspezifischen Möglichkeiten.

Generationenübergreifende Programme binden und motivieren alle Mitarbeiter

Außerdem sollten moderne Führungskulturen generationenübergreifende Aktivitäten und Coachings einschließen. Ziel ist dabei, neben der Hebung immenser Produktivitätspotenziale, vor allem den dauerhaften Respekt zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern zu gewährleisten.

Denn eine respektvolle und auf die Bedürfnisse der Generationen im Unternehmen abgestimmte Führungskultur wird den Baby-Boomer genauso wie den Digital Native und alle dazwischen liegenden Generationen gleichermaßen motivieren und langfristig binden.

Bildquelle: © alphaspirit - Fotolia.com

Das könnte Sie auch interessieren