Arbeitgeber-Bewertungsportale: Trau, schau, wem

Von Alenka Mladina 27. August 2018

Gutes Unternehmen oder schlechtes Unternehmen? Das fragen sich viele Jobsuchende und ziehen Bewertungsportale für Arbeitgeber als Entscheidungshilfe zurate. Doch Vorsicht: Die Mitarbeiterkommentare auf den Online-Plattformen spiegeln nicht immer die Realität wider. Wir klären auf.

  • Neuer Arbeitgeber – das unbekannte Wesen
  • Was bringt ein Arbeitgeber-Bewertungsportal?
  • Nicht jede Arbeitgeber-Bewertung ist vertrauenswürdig
  • Auf den Inhalt kommt es an

Neuer Arbeitgeber – das unbekannte Wesen

Sie wissen immer gern vorher, worauf Sie sich bei etwas Neuem einlassen? Das ist ganz normal und bei einem Jobwechsel nicht anders. Es hängt ja auch viel davon ab: das Einkommen, die eigene Entwicklung – und manchmal sogar die gesamte Lebensplanung. Das bringt manchen in die Zwickmühle. Entdeckt man negative Einträge auf einem Arbeitgeber-Bewertungsportal erst, nachdem die Unterlagen versendet sind, wachsen die Zweifel. Soll man eine bereits abgegebene Bewerbung lieber doch zurückziehen oder sogar ein schon erteiltes Jobangebot ablehnen? Aber ist das nicht peinlich? Fragen über Fragen. Das Ja-Wort zum neuen Arbeitgeber will gut überlegt sein. Nur, auf welcher Grundlage?

Wie ein Unternehmen, seine Führungskräfte und Mitarbeiter ticken, ist von außen meistens schwer zu erkennen. Ein Blick ins Innere während eines Probetages bringt da schon mehr. Doch ist das immer eine Ausnahmesituation, in der sich die Beteiligten womöglich anders verhalten oder geben als im normalen Arbeitsalltag.

Einen ersten Eindruck vom künftigen Arbeitgeber erhalten Sie meist beim Vorstellungsgespräch. Dies gilt aber ebenfalls nur mit Einschränkungen. Denn ebenso wie Sie als Bewerber, ist auch Ihr Gesprächspartner darauf aus, sich und das Unternehmen nur im besten Licht zu präsentieren. Die ideale Informationsquelle sind hingegen Menschen im Umfeld eines Bewerbers, die in dem Betrieb arbeiten und ebenso bereitwillig wie aufrichtig aus dem Nähkästchen plaudern. Doch solche Kontakte dürften eher die Ausnahme sein.

Was bringt ein Arbeitgeber-Bewertungsportal?

Dieses Problem wollen Arbeitgeber-Bewertungsportale ändern. Sie verstehen sich als Online-Sprachrohr für Mitarbeiter, die ihre Meinung über ihr Unternehmen (anonym) öffentlich äußern möchten. Zum Beispiel mittels Kununu, die nach eigenen Angaben europaweit größte dieser Plattformen. Auf ihr gibt es Millionen Arbeitgeber-Bewertungen zu hunderttausenden Unternehmen.

Wer will, der beurteilt bei Kununu in vier Haupt- und 13 Unterkategorien seinen aktuellen oder ehemaligen Brötchengeber. Zum Quartett der großen Rubriken gehören Unternehmenskultur, Vielfalt, Arbeitsumgebung und Karriere. Innerhalb der ihnen zugeordneten Einzelpunkte können bis zu fünf Sterne (sehr gut) vergeben werden.

Die Idee dahinter: Dank der Einschätzung der Mitarbeiter gewinnen Bewerber einen umfangreichen Einblick in ein Unternehmen, den sie sonst nicht erhalten würden. Das klingt gut. Doch wie seriös und zuverlässig sind die Angaben wirklich? Das lässt sich im Einzelfall schwer einschätzen. Klar ist: Nur, weil es viele ähnlich lautende Meinungen zu einem Unternehmen gibt, müssen sie nicht zwangsläufig der Wahrheit entsprechen. Zwar dürfen Firmen, die sich ungerecht bewertet fühlen, entsprechende Einträge kommentieren. Doch Außenstehende können kaum erkennen, welche der sich widersprechenden Aussagen stimmen und welche nicht.

Nicht jede Arbeitgeber-Bewertung ist vertrauenswürdig

Wer die Bewertung eines Arbeitgebers lesen will, sollte das also mit einem guten Maß an Skepsis tun – und dabei folgende Hinweise im Hinterkopf behalten:

  • Ausschließlich gute Meinungen zu einem Unternehmen mögen durchaus der Wahrheit entsprechen. Doch kann auch die Marketing- oder HR-Abteilung hinter dem positiven Echo stecken. Deshalb ist bei übermäßig viel Lob auch viel Misstrauen angeraten.
  • Im Umkehrfall, also bei vorrangig sehr schlechten Noten, sind ebenso Zweifel angebracht. Eventuell ist hier Rufmord im Spiel. Doch je länger sich die Negativ-Serie hinzieht, desto eher läuft tatsächlich etwas in dem Betrieb ordentlich schief.
  • Konzentrieren sich miese Arbeitgeber-Bewertungen in auffälliger Weise und womöglich deftiger Wortwahl auf einen eng begrenzten Zeitraum, könnte das an gekündigten Beschäftigten liegen, die damit ihrer Enttäuschung freien Lauf lassen.
  • Liegen hingegen die Meinungen bei einer Arbeitgeber-Bewertung sehr weit auseinander, ist das ebenfalls verdächtig. Möglicherweise versucht dann ein Unternehmen, mit lancierten, besonders guten Beurteilungen gegen (möglicherweise gerechtfertigte) schlechte vorzugehen. Die Extreme könnten allerdings auch auf sehr unterschiedlich geführte Abteilungen hindeuten – ebenfalls kein Ruhmesblatt.

Auf den Inhalt kommt es an

Wenn Beschäftigte ihren Arbeitgeber bewerten, dann sind oft Emotionen mit im Spiel. So beeinflussen persönliche Sympathien und Antipathien für den jeweiligen Vorgesetzten ein Urteil mehr oder weniger unbewusst. Daran sollte jeder denken, der auf Online-Portalen Bewertungen von Unternehmen liest. Wichtiger als die Note oder die Anzahl der Sterne sind daher die optionalen Anmerkungen dazu. Je konstruktiver beziehungsweise besser begründet sie sind, desto vertrauenswürdiger dürften sie sein. Das gilt auch für eventuelle Kommentare der Unternehmen.

Es ist also wichtig an, die Einschätzungen genau unter die Lupe zu nehmen. Dabei kommt es allerdings häufig auf Nuancen an, die Ungeübte nicht immer erkennen. Profis können Arbeitgeber-Bewertungen wesentlich zuverlässiger interpretieren. Im besten Fall sind sie sogar persönlich mit den Unternehmen vertraut und können sich deshalb ihre eigene und vor allem unabhängige Meinung bilden.

 

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Bildquelle: © Brooke Cagle - Unsplash.com

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